Burn baby burn

„Ich möchte eine schöne Braut sein.“ Was an Leiden und Arbeit hinter diesem simplen Satz steht, kann nur jemand verstehen, der das Brautdasein vom Wunschtraum in die Realität transportiert hat. Ich zum Beispiel.

Die Leiden der jungen (naja, okay, junggebliebenen) Braut, Teil 3416: Das Solarium. Da war ich heute zum ersten Mal. Ich sollte vielleicht vorausschicken, dass ich mich nicht gerne dumm fühle. Ein Sonnenstudio ist allerdings der ideale Ort für ein bleiches Stadtpflänzchen wie mich, um sich a) fehl am Platz b) auffällig und c) genau: dumm vorzukommen.
Ich also in der Rolle des Ochsen vorm Berg auf zur Solariumsangestellten, die zum Glück in der Rolle der engelsgeduldigen Deppenbetreuerin perfekt gecastet war.
Auf meine Frage, ob ich denn so eine Schutzbrille brauche, meinte sie ernsthaft, dass dies sehr zu empfehlen sei, auf meine Frage wie ich denn mit dieser Schutzbrille (die für mich extrem undurchsichtig aussah) die Knöpfe im Bräunungsgerät (das ist wirklich der Fachausdruck dafür, so steht das auf der Website des Sonnenstudios meiner Wahl) sehen könnte – Originalton ich mit Panik in der Stimme: “ Muss ich die etwa ERTASTEN?!“ – sagte sie beruhigend: „Nein, die sehen Sie durch die Brille.“

Ja, mir muss immer alles erst gesagt werden. Immer.

Also ab in den Toaster. Für mich sieht das wirklich aus wie dieses Sandwich-Quetsch-und-Brat-Maschinchen (Brotbräunungsgerät?), welches mein Angebeteter als Kochutensil zu unserem gemeinsamen Haushalt beigesteuert hat. Was meine klaustrophobischen Tendenzen nicht zwingend mindert. Ich stand also da in der Kabine und fragte mich erst mal: Masch isch misch jetzt nackisch oder behalte ich das Höschen an oder was?

Nein, auch wenn mir alles immer erst gesagt werden muss, nach manchen Dingen frage ich dann doch nicht. Und über manche Dinge schreibe ich dann auch nicht. Es sei deshalb dahingestellt ob isch misch nackisch gemascht hab oder das Höschen anbehalten hab oder was.

Erste Empfindung beim Hinlegen: Bequem ist anders. Zweite Empfindung beim Hinlegen: Sandwichtoaster. Dritte Empfindung, nun schon beim Liegen: Man sieht durch die Schutzbrille tatsächlich was. Allerdings ist alles grün. Irgendwie matrixmässig. Vierte Empfindung: Hmmm, Keanu Reeves. Fünfte bis dreizehnte Empfindung: Hmmm. Vierzehnte Empfindung: Die hat doch gesagt, dass das Teil zirka nach fünf Minuten startet. Jetzt sind aber doch schon… Moment, wo ist diese integrierte digitale Zeitanzeige… ach da beim Startknopf… jetzt sind aber doch schon sechs Minuten rum. Moment. Startknopf. Achso.

*brumm* *dröhn* *lüft* *blend* *musik* *seltsame stimmen*

Musik? Stimmen??? Ach, Radiosender. Verkehrsmeldungen. Ja, das interessiert mich jetzt brennend. Apropos brennend, hier zieht’s mir zu wenig, Lüftung höher, Gesichtsbräuner runter. Ah, die Knöpfe leuchten bei Inbetriebnahme des Sandwichtoasters. Iiiih, Sandwichtoaster. Oh, die Knöpfe leuchten grün. Matrix. Keanu Reeves. Hmmm. Vielleicht ist Entspannung doch möglich. Muss nur die Haare etwas nach oben schieb… GAAAAAH!!! Ich trage meinen Schmuck noch! Da stand doch, dass man den Schmuck unbedingt ablegen muss – Oh mein Gott, vielleicht leuchtet ja nicht das Solarium grün, sondern ich, vielleicht führt Schmucktragen zu automatischem Hulk-Mutantentum! Muss… Schmuck… ausziehen… muss… Kette… abstreifen… muss… Verlobungsring… aus… Toaster (Iiiih!)… werfen… Mist. Das klang verdächtig nach Ringwegrollen und Verlobungsring gerade verloren haben. Oh Gott, ich kann meinem Angebeteten nie mehr unter die Augen treten.

Entspannung doch nicht möglich.

Meine Gedankengänge wandten sich nun meinem Lieblingsthema zu, über das ich in solchen Situationen gerne sinniere: Was der Mensch eigentlich können sollte und was nicht. Darüber denke ich auch gerne in Flugzeugen nach (Nein, Entspannung nicht möglich). Sollte der Mensch seine Körperfarbe wirklich unter künstlich erzeugtem sonnenähnlichem Licht nach Bedarf ändern können? Ist das Gottes Plan?

Oh, im Toasterradio läuft gerade ‚Losing my religion‘. Wie passend.

„That’s me in the spotlight…“

Mei, Dornröschen galt doch auch als wunderschön und war weiss wie Schnee.

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