Comet ihr Kinder

Okay, eigentlich ist das hier zugegebenermassen ein Test, ob ich mehr Zugriffe auf mein Blog kriege, wenn ich Tokio Hotel erwähne. *g* Allerdings habe ich keine Ahnung, ob diese Seite bei einer Googlesuche nach ebendieser Band erwähnt wird. Naja, man wird sich wohl auch so diesem aktuellen Thema widmen können.

Was mich an der ganzen Hysterie um Tokio Hotel (vielleicht erscheine ich weiter oben bei Google, wenn ich den Namen ganz oft erwähne? Tokio Hotel Tokio Hotel Tokio Hotel) am meisten verblüfft, ist der Hass auf diese Band, den ich von Leuten mitkriege, die eigentlich ganz genau der Tokio Hotel-Zielgruppe entsprechen. Sprich: Gerade Mädchen im Teenageralter scheinen die Band mehr zu verabscheuen als alle anderen. Oh, natürlich gibt es auch ganz viele Mädels, welche die Jungs verehren. Aber im Forum meiner Wahl (das offizielle Board von Die Ärzte) wird oftmals dermassen gehässig über Tokio Hotel gelästert, dass es mir fast so erscheint, als wolle man sich bewusst von etwas distanzieren, das man per definitionem eigentlich toll finden sollte. Warum ist das so?

Meine Vermutung ist, dass die durchschnittliche Jung-Punkette es nicht wirklich schätzt, wenn ihr etwas aufgedrängt wird, wie es eben derzeit gerade bei Tokio Hotel (Tokio Hotel Tokio Hotel Tokio Hotel – hey, man weiss ja nie) der Fall ist. Wenn diese Band die örtliche Schülerband wäre, von der noch keiner was weiss, fände man bzw. frau bzw. mädchen die wahrscheinlich nicht schlecht, um nicht zu sagen ganz toll. Dann wäre Bill der coole, etwas schüchterne Junge aus der Parallelklasse, den man irgendwie mysteriös findet und der bestimmt ganz sensibel ist und heimlich Gedichte schreibt. Tom wäre der abgedrehte und vorlaute Proll, den man eigentlich verabscheut, aber irgendwie klammheimlich doch für attraktiv hält. Und die beiden anderen (ich kenne nicht mal ihren Namen, das sagt ja auch etwas über die Vermarktungsstrategie aus) wären halt auch in der Band und damit beuschbarer (für die Bedeutung dieses Wortes sei auf das Ärzteboard verwiesen) als die anderen Jungs in der Schule. Dann würde mädchen sich Songzeilen auf die Chucks eddingen, in der Klasse Zettel austauschen, wo das Datum des nächsten Tokio Hotel(Tokio Hotel Tokio Hotel Tokio Hotel – auch wenn es mit Google nicht funktioniert, das ist jetzt mein Gimmick für diesen Blogeintrag)-Konzertes in irgendeinem Jugendclub draufsteht und kleine Herzchen mit B oder T drin auf die Schulhefte malen – natürlich nie den ganzen Namen, damit könnte man sich ja verraten, und nichts darf geheimer sein in diesem Alter als eine Schwärmerei. Dann wären Tokio Hotel toll. Denn sie wären, um es mal aus der Sicht eines Teenagers auszudrücken ‚meins‘. Selber entdeckt und für toll befunden.

Aber so, wie das jetzt läuft, geht das natürlich für das Indie-Girl gar nicht. Da kommt irgendsoeine Plattenfirma,guckt sich an was gerade ‚in‘ ist und wurstelt sich daraus etwas zusammen, was allen Kriterien entspricht und damit sowieso keiner. Tokio Hotel beinhalten ein bisschen Manga-Gothic-Teeniedepression (Bill), etwas Alternative-Skater-Rasta-Punkerotik (Tom) und ein Quentchen Junger-Deutschrock-Britpop-Look (Dings und Dangs aka die beiden anderen). Sie kombinieren deutsche Texte mit Teen-Angst und Musik, die gerade noch mainstream genug aber doch schon ein bisschen rebellisch ist. Aber eben gerade dadurch, dass Tokio Hotel (Tokio Hotel Tokio Hotel Tokio Hotel) so perfekt zusammengebastelt sind, funktionieren sie auf dem Glaubwürdigkeitslevel einfach nicht. Kurz gesagt: Mädel merkt die Absicht und ist verstimmt.

Aber was ist denn mit denjenigen, die sich eben jetzt doch voll und ganz für Tokio Hotel entschieden haben? Sind es denn nur die Pimkiepunks, die Rockergirls mit pinkfarbenen Tops, auf denen in Glitterschrift ‚Rock‘ steht, die Nachwuchsrebellinnen, die sich (noch) nicht trauen, auf ‚richtige‘ Rockmusik zu stehen? Keine Ahnung. Falls meine Google-Theorie stimmt, werden sie sich hoffentlich hier kommentarisch äussern, um dieses Bild, das man von ihnen hat, zu korrigieren.

Eins jedoch muss ich festhalten: Auch wenn ich das Vorgehen der Plattenfirma für eher verwerflich halte, die Jungs von Tokio Hotel kann ich voll und ganz verstehen. Welche Schülercombo würde nicht unterschrieben, wenn man ihnen Instant-Ruhm verspricht, welche Teenager würden nicht auf den normalen Schulalltag verzichten, wenn dieser aufgrund ihres Erfolges gar nicht mehr möglich ist, und welcher Junge in diesem Alter würde in einem Bild-Interview nicht nur Scheisse erzählen? Eben.

Und noch zwei Dinge zum Schluss: Wenn ich eine Tochter in diesem Alter hätte, es wäre mir tausendmal lieber, aus ihrem Zimmer Tokio Hotel (und noch ein letztes Mal: Tokio Hotel Tokio Hotel Tokio Hotel) zu hören als Scooter oder Sido. Denn schlecht ist die Musik nicht. Unausgereift, meinetwegen. Aber alle Bands haben mal klein angefangen, und meiner Meinung nach ist bei Tokio Hotel schon ein gewisses Potenzial da.
Und zweitens, und das würde ich eigentlich am liebsten ganz ganz klein schreiben, aber man soll ja zu seiner inneren 13-Jährigen stehen… Bill ist ja schon irgendwie süss.

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