Schweiz-ABC

Auf keinfachen Wunsch, aber im Namen der Gerechtigkeit: Das Gleiche wie vorher, nur umgekehrt. Die Schweiz für Deutsche halt.

A wie Autokennzeichen: In der Schweiz gehört das Autokennzeichen zum Fahrer, nicht zum Fahrzeug. Wer ein neues Auto kauft, behält trotzdem sein Kennzeichen. Da ist nix mit „Neues Auto – neues Schild“. Wir sind schliesslich ordentlich.

B wie Bern: Hauptstadt bzw. Bundesstadt (NICHT Zürich, okay?!) der Schweiz. Und übrigens auch schönste Stadt. Diese Wertung hat nichts damit zu tun, dass ich selber aus Bern komme, das ist total objektiv so, schliesslich ist die Altstadt Unesco-Weltkulturerbe. Der Berner Dialekt ist übrigens auch die schönste Form des Schweizerdeutschen. Und den dunklen Tierquälerfleck namens Bärengraben verschweigen wir jetzt mal.

C wie CH: Schon wieder Autos. Also, der Aufkleber da hinten am Fahrzeug bedeutet nicht „Chuchichästli“ oder „Chasch scho überhole, aber hie isch glich nume hundertzwänzg“. CH ist die Abkürzung für Confoederatio Helvetica. Und das wiederum heisst Schweizerische Eidgenossenschaft. Nein, nicht EidgenossInnen. Wir sind schliesslich ein einig Volk von Brüdern. Siehe auch R wie Rütlischwur.

D wie Demokratie: Oh, und wie. Aber sowas von. Demokratischer geht es nicht. Wenn nicht mindestens dreimal pro Jahr zur Urne gerufen wird, war es ein schlechtes Jahr. Wir Schweizer wählen ja nicht nur, wir stimmen ab. Dabei gibt es Abstimmungen zu Volksinitiativen, fakultativen Referenden, obligatorischen Referenden, Gegenvorschlägen… Letztes Jahr wurde zum Beispiel an drei Abstimmungsdaten über die Bilateralen Abkommen mit der EU zum Thema Schengen und Dublin, die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare, die Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf die neuen EG-Mitgliedstaaten, die Änderung des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel und die Volksinitiative für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft abgestimmt. Und das waren nur die nationalen Vorlagen. Und übrigens verhältnismässig wenige. Es gab auch schon Abstimmungssonntage mit 9 Vorlagen. Jaja, und ihr Deutschen dachtet, eine vorgezogene Bundestagswahl wäre kompliziert.

E wie Erfindungen: Viele davon, von denen man es nicht gedacht hätte, kommen aus der Schweiz. Das WWW zum Beispiel wurde im CERN bei Genf entwickelt. Die ersten Gregorianischen Choräle entstanden im Kloster St. Gallen. Das erste Hotel Europas ist das „Drei Könige“ in Basel. Auch der erste Kaiserschnitt wurde in der Schweiz durchgeführt, und die Idee der Briefmarke stammt ebenfalls aus der Schweiz. So viel Erfindungsgeist beweisen die Schweizer, und was bleibt bei den Deutschen als Schweizer Erfindung hängen? Genau. „Wär hät’s erfunde?“

F wie Fluggesellschaft: Raider heisst jetzt Twix, Swissair heisst jetzt Swiss. Damals, am 2. Oktober 2001, hat die Swissair leider ihre Air verloren und musste am Boden bleiben. Dann hat man einen kanadischen Wunderproduktdesigner für viel Geld dazu gebracht, das Air im Namen auch noch offiziell zu streichen und seitdem schreibt die Swissair unter neuem Namen die alten roten Zahlen.

G wie Gotthard: Über den Gotthard fliegen die Brämen, die cheiben Brämen, sie sind schon dänen, per far l’amor. Der Gotthardtunnel ist lang und soll, wenn es nach dem Willen einiger Leute geht, auch mal breiter werden. Derzeit entsteht übrigens ein noch viel längerer Tunnel, aber der ist für die Eisenbahn. Wer des Schweizers Verhältnis zu Tunneln kennen will, der sollte Friedrich Dürrenmatts Kurzgeschichte „Der Tunnel“ lesen. Wer etwas über die Schweizer Version von Bon Jovi wissen will, der gebe bei Google einfach nur Gotthard ein. Und denke dann bitte daran, dass Deutschland der Welt immerhin Pur, die Scorpions und das Schnappi-Lied beschert hat.

H wie Heidi: Ja, eigentlich sind wir Schweizer Frauen alle auf der Alp mit dem Alpöhi aufgewachsen und auf der Suche nach unserem Geissenpeter, der uns aus der grossen Stadt befreit und mit uns wieder in die Berge zieht, wo wir Klaras heilen und immer glücklich und froh sind. Wir können dieses Geheimnis nur verdammt gut verstecken.

I wie Insel: Ja, auch ein Binnenland kann eine sein. Zumindest wenn man sich so wie die Schweiz darauf beruft, dass man ja schon seit 1291 alleine klarkommt und alle ja nur unser Geld wollen und wir deswegen nirgends mitmachen. Eigentlich wissen wir ja schon, dass keiner das doofe reiche Kind wirklich mag, das nur zum Spielen eingeladen wird, weil es die tollsten Spielzeuge hat – aber wir können halt nicht anders. Die Schweiz sieht sich eben gerne als Sonderfall. Und wird deswegen von aussen oftmals als Störfall gesehen.

J wie Jodeln: Nein, nicht jeder Schweizer kann das. Und ein Jodelchor besteht nicht nur aus Jodlern, sondern auch als Hintergrundsängern. Die singen die Strophe mit und machen dann beim eigentlichen Jodel „Bomm“. Wichtig dabei ist, dass sie die Hände in den Hosentaschen haben. Ich muss das wissen, mein Vater war mal Bomm-Macher in einem Jodelchor.

K wie Kantone: In Deutschland heissen sie Bundesländer. Bloss hat die Schweiz mehr Kantone als Deutschland Bundesländer hat, und halbe Bundesländer gibt es meines Wissens nicht, halbe Kantone schon. Basel-Land und Basel-Stadt zum Beispiel. Oder Appenzell-Innerrhoden und Appenzell-Ausserrhoden. Oder Nidwalden und Obwalden, die man zusammen nicht etwa Mittwalden, sondern Unterwalden nennt. Grundsätzlich gilt: Die französisch- und italienischsprachigen Kantone mögen die Deutschschweizer Kantone nicht, der Jura mag den Kanton Bern nicht, Bern mag Zürich nicht und den Aargau mag eigentlich keiner.

L wie Liechtenstein: Gehört nicht zur Schweiz. Die haben einen eigenen Fürst und alles. Wir haben ja nur sieben Bundesräte, das ist viel unglamouröser. Liechtensteiner werden gerne als Ehren-Schweizer gesehen, wenn sie irgendwo gut sind. Wenn zum Beispiel ein Liechtensteiner Skifahrer erfolgreich ist, dann ist das fast so, als ob die Schweizer gewonnen hätten. Einerseits weil die Liechtensteiner Skifahrer mit den Schweizern trainieren. Andererseits weil es derzeit die einzige Chance für die Schweizer Skination ist, ein bisschen feiern zu können.

M wie Matur: In Deutschland heisst das Abitur. Davon gibt es in der Schweiz verschiedenste Typen. Matura A zum Beispiel hat man, wenn man im Gymnasium Altgriechisch und Latein gelernt hat, Matura E, wenn man im Wirtschaftsgymnasium war. Ja, alles sehr kompliziert, aber das ist in Deutschland ja nicht anders, hab ich mir sagen lassen. Mancherorts in der Schweiz heisst das Gymnasium auch Kantonsschule. Matura stammt übrigens von „Maturitas“, was auf Lateinisch so viel wie „Reife“ heisst. Passt. Wir waren damals alle soooo reif. Echt jetzt. (Falls irgendein/e ehemalige/r Mitschüler/in das liest, kontaktiere mich unter Angabe einer Kontonummer. Wir können über alles reden.)

N wie Nationalhymne: Heisst in der Schweiz „Schweizer Psalm“ und handelt davon, dass Gott der Herr im hehren Vaterland abwechslungsweise im Morgenrot, Abendglühn, Nebelflor oder wilden Sturm dahertritt, -kommt, – zieht oder -fährt und man ihn folglich im Strahlenmeer, Sternenheer oder Wolkenmeer sieht, sucht oder findet (im wilden Sturm ist er uns übrigens Hort und Wehr). Hauptsache, die freien Schweizer beten. Und hey, früher war es „Rufst du mein Vaterland“, zur Melodie von „God save the Queen“ gesungen. Da nehmen wir doch lieber das mit Gott in verschiedenen Witterungsbedingungen.

O wie Ogi: Legendärer Alt-Bundesrat, der das geflügelte Wort „Freude herrscht“ geprägt hat. Heisst mit Vornamen leider Adolf, kann da aber ja nix dafür. Ogi hat etwas von Kaiser Franz Beckenbauer, bloss ohne dessen Erfolg: Die Olympiakandidatur für Sion 2006, welche Ogi präsidierte und lautstark propagierte, wurde vom damaligen IOC-Präsident Juan-Antonio Samaranch am 19. Juli 1999 mit dem einen Wort „Torino“ zu Grabe getragen. Pföh. Mal gucken, ob die Italiener das besser machen. Die Schweiz hätte zumindest nicht mit dem Konkurs zu kämpfen gehabt.

P wie Parteien: Davon gibt es in der Schweiz vier grosse. Die SVP, die SP, die FDP und die CVP. Die SVP ist gegen das Ausland und für die Schweiz und sagt gerne was, ohne dabei zu denken. Die SP ist links und nett und sagt gerne was, ohne dann auch was zu tun. Die FDP glaubt an die Wirtschaft und die CVP an Gott. SVP-Wähler sind oftmals Stammtischhelden, SP-Wähler gerne mal Protestsongschreiber und an die FDP und die CVP glaubt keiner mehr. Als Kuriosum in der Schweizer Parteienlandschaft sei noch die Freiheitspartei erwähnt, die früher mal Autopartei hiess und genau so ist, wie das die Leserschaft jetzt vermutet.

R wie Rütlischwur: Einst trafen sich im Morgengrauen kurz vor dem Jahr 1300 irgendwann Anfang August der Stauffacher, der Tell und noch ein Knülch auf einer Wiese, waren sich einig, dass sie Brüder waren, schworen darauf und seitdem haben wir den Salat. Oder so ähnlich. Zumindest gibt uns diese Geschichte Anlass, ein wenig Krach zu machen, Feuer anzuzünden und Würste zu braten. Ja, der Schweizer Nationalfeiertag entspricht ungefähr dem sonntäglichen Grillen in Deutschland.

Q wie Quarktorte: Siehe Deutschland-ABC, nur umgekehrt. (Ja, auch ich bin nicht immer inspiriert)

S wie Sprachen: Es gibt in der Schweiz vier Landes-, aber nur drei Amtssprachen. Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Amtssprachen dito, minus Rätoromanisch. Rätoromanisch ist sowas wie Plattdeutsch, nur wird es nicht auf dem platten Land gesprochen, sondern in den hohen Bergen des Kantons Graubünden. Rätoromanisch klingt ungefähr so, als ob ein Deutschschweizer mit extrem starkem Akzent Italienisch sprechen und dabei gleichzeitig niesen würde. Wie eine typische „Wir wissen zwar auch nicht warum, aber wir wollen sie erhalten“-Sprache eben.

T wie Toblerone: Vermutlich die bekannteste Schweizer Schokolade, aber bei weitem nicht die leckerste. Empfohlen sei an dieser Stelle ganz ohne Eigeninteressen meinerseits (ich habe leider gar keine Beziehungen zu irgendwelchen Schokoladenherstellern) als Schokolade in Tafelform die Sorte Cailler Dessert, wahnsinnig süss, aber einfach nur unglaublich zartschmelzend und delikat und mmh… Cailler Dessert. Ist übrigens, wie ich gerade der Nestlé-Website entnommen habe, ohne Erdnüsse, Sesam, Sulfit, Senf, Sellerie, Fisch oder Krustentiere hergestellt. Hurra.

U wie Uriella: Weissgekleidete Sektenführerin mit Hang zum Badewannenwasserumrühren und Weltuntergangsprophezeiungen sowie einem Ehemann, der sich gerne als Tomate verkleidet und dann tanzt. Wohnt jetzt in Deutschland. Danke.

V wie Vignette: Ist sicher dem einen oder anderen Deutschen an der Grenze schon begegnet. Tjaha, wer schnell durch die Schweiz will, muss zahlen. In Italien oder Frankreich bezahlt man ja schliesslich auch Autobahngebühren – und da die meisten Deutschen ja eh nur auf der Durchreise sind und dem Schweizer Tourismus nichts bringen, soll ihnen diese Durchreise gefälligst auch etwas wert sein. Und überhaupt, so eine Vignette ist zwar kein ganz billiges Andenken, aber doch ein schöner Farbtupfer für die Windschutzscheibe.

W wie Wintersport: Wenn es schneit, sattelt der Schweizer die Ski oder das Snowboard und begibt sich in die Berge, wo er dann eine Stunde am Skilift wartet, fünf Minuten runterfährt und dann wieder eine Stunde am Skilift wartet. Das wiederholt er ad nauseam. Nein, ich konnte dem Wintersport noch nie etwas abgewinnen. Ausser wenn ich zuhause im warmen Wohnzimmer sitze und – mehr aus Gewohnheit denn aus wirklicher Überzeugung – mit den Schweizer Wintersportathleten mitfiebere. Denn wie schon mein damaliger Freund bei der Fussball-WM 94 sagte, als er das Spiel Schweiz-Spanien noch mal in der Wiederholung gucken wollte: „Vielleicht gewinnen sie ja diesmal.“

X wie X’04, X05’, X’06 usw.: Messe für Marketing, Kommunikation und Event, die alljährlich in Zürich stattfindet. Dort wird unter anderem der Xaver Award verliehen. Ja, das ist total uninteressant. Aber ich wollte nicht den gleichen Trick wie unter Q anwenden.

Y wie Young Boys Bern: Nein, bei diesem Fussballklub spielen nicht nur junge Buben, genauso wenig wie bei den Old Boys Basel nur ältere Herren engagiert sind. Manchmal haben Fussballklubs halt unpassende Namen. Ich meine, wie viele Bayern spielen bei Bayern München, hm?

Z wie Zürich: Downtown Switzerland nennt sich die Stadt auch gerne. Meinetwegen. Bern ist trotzdem toller. Achja, und eins sei jetzt ein für allemal klargestellt: Die Einwohner von Zürich heissen Zürcher. NICHT Züricher.

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