Tuten und Blasen

Eins vorweg: Der Titel ist irreführend. Es geht nämlich nur um Blasen, nicht um Tuten. So, und jetzt denken Sie bestimmt „Aha, sie schreibt zu nachtschlafender Zeit über Blasen, das kann ja nur nicht jugendfrei werden!“.

Falsch. Das ist wie bei Genial Daneben: Wenn ein Begriff klingt, als ob er direkt dem Sexuallexikon entsprungen wäre, handelt es sich meistens um etwas ganz Harmloses. So auch hier.

Ich möchte diesen Blogeintrag nämlich dem menschlichen Harntrakt widmen. Genauer gesagt der weiblichen Blase. Ob Ihnen das jetzt zu schmutzig ist oder nicht, müssen Sie selbst entscheiden, ich weiss ja nicht, wie Sie es mit der Körperhygiene halten. (Kleiner Hinweis punkto mögliche Blogkommentare: Ich will es auch gar nicht wissen, danke sehr.)

Die weibliche Blase ist genau wie die weibliche Psyche ein weitgehend unerforschtes Gebiet und genau wie die Menstruation eine Geschichte voller Missverständisse. Lassen Sie mich mal eben einige davon aufklären:

Erstens: Wir können eigentlich sehr gut unseren Harndrang zurückhalten, wenn es sein muss. Wenn wir zum Beispiel beim Robbie Williams-Konzert in der ersten Reihe stehen, gilt die Maxime: „Pinkeln? Kenn ich nicht.“

Zweitens: Wir können sehr gut alleine aufs Klo. Zu zweit aufs Klo gehen macht aber mehr Spass, weil man dann mit von Kabine zu Kabine gebrüllten Intimitäten andere Klobesucherinnen irritieren und ausserdem ungestört über ausserhalb des Klos anwesende Männer lästern kann. Bei mir kommt noch die Tatsache dazu, dass ich über den Orientierungssinn eines greisen Goldfisches verfüge und deshalb nicht suchend dreimal durch das ganze Lokal stolpern will, bevor ich das drei Meter grosse, rote Schild mit der Aufschrift „Zu den Klos geht es hier lang“ entdecke.

Drittens: Wir glauben an die Effektivität des sogenannten Vorpinkelns. Sprich, bevor wir irgendwo hin gehen, wird erst mal noch schnell aufs Klo gegangen. Natürlich müssen wir dann, sobald wir da sind, wo wir hinwollten, gleich wieder aufs Klo. Aber es hätte ja sein können, dass wir noch dringender aufs Klo müssten, wenn wir nicht vorher schon mal noch schnell gepinkelt hätten. Mit dem Vorpinkeln verhält es sich wie mit der Religion: Man weiss nicht genau, ob es wirklich funktioniert, aber nützt’s nix, so schadt’s nix.

Viertens: Wir würden tatsächlich gerne im Stehen pinkeln können. DAS ist der wahre Penisneid. Dank P-Mate können wir das theoretisch jetzt auch, aber mal ehrlich, das ist irgendwie auch nicht das Wahre. Das ist wie fettarme Kartoffelchips: Man weiss, dass es sowas gibt, aber greift nur im absoluten Notfall darauf zurück.

Fünftens: Wir brauchen nun mal länger auf dem Klo. Wir müssen mehr ausziehen, mehr anziehen und uns im Spiegel genauer anschauen. Gibt es auf Herrenklos überhaupt Spiegel? Und wenn ja, warum?!?

Sechstens: Wir wissen, dass Pausen im Kino eigentlich den Filmgenuss erheblich stören. Wir sind auch der Meinung, dass es nicht zwingend nötig ist, einen Film plötzlich zu unterbrechen. Aber die Blase sieht ja nix vom Film und kriegt deshalb gar nicht mit, dass sie gerade nicht stören sollte.

Siebtens: Wie auch bei Männern gibt es bei uns einen geheimen Nervenstrang, der Hirn und Unterleib verbindet. Wenn die Blase voll ist, funkt sie ein Signal ans Hirn, welches dann sofort den Normalbetrieb aussetzt und nur noch den Gedanken „Ichmussaufskloichmussaufskloichmussaufsklo“ aussendet. Wir können also nicht zuhören, wenn wir pinkeln müssen. Uns nicht artikulieren. Überhaupt, wir können in dem Moment eigentlich gar nichts, und das Denken ist ausgeschaltet, bis dieser Trieb befriedigt ist.

Wie gesagt, Männer haben diesen Nervenstrang auch, der die genau gleichen Reaktionen auslöst. Bloss führt der bei ihnen im Unterleib nicht zur Blase…

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