Sind wir nicht alle ein bisschen Lorelai?

Ich bin ja mehr so der Typ, der TV-Serien sporadisch verfolgt, dann aber umso intensiver. Will sagen, wenn ich eine Serie gucke, dann vergucke ich mich so richtig in sie. Das war bei CSI so, das war bei CSI:NY so (aber nicht bei CSI:Miami, das kommt mir nicht ins Haus), das war bis vor kurzem bei Gilmore Girls so. Im Moment gucke ich eher olympische Spiele, aber bei den Lorelais bleibe ich trotzdem regelmässig hängen.

Was logistisch nicht ganz einfach ist, auch wenn man die Serie nur auf einem Sender verfolgen kann.

Einerseits kann man um 13 Uhr die Folge des Vortags gucken. Andererseits um 16 Uhr die nächste Folge. Es handelt sich dabei aber um Folgen der alten Staffeln, die hierzulande aktuelle und in den USA letztjährige Staffel wird dienstags um 20:15 ausgestrahlt.

So weit, so kompliziert. Und irgendwie scheinen auf meiner Festplatte auch Folgen der in den USA aktuellen Staffel gelandet zu sein, fragen Sie mich nicht wie, die waren einfach plötzlich da. Ehrlich! Gucken Sie nicht so.

Ich befinde mich also derzeit in einer leichten Verwirrung, was die Storylines dieser Serie angeht. Mal hat Rory was mit Dean, oder inzwischen vielleicht doch mit Jess? Ich habe ja in den letzten Tagen eher sportliche denn romantische Höchstleistungen auf dem Bildschirm betrachtet. Dienstag Abend hat Rory jedoch was mit Logan. Lorelai hatte neulich ein unerfolgreiches Date mit Peyton, aber soweit ich mitgekriegt habe, ist sie seit heute Abend wieder mit Luke zusammen, der zum Zeitpunkt des Peyton-Dates noch gar keine Beziehungsoption war. Und wie passt eigentlich Christopher derzeit ins Bild?

Man hat es nicht leicht. Frau schon gar nicht. Deshalb hier mal ein dreifaches Hurra auf Episode Guides – wobei, vielleicht doch eher nur ein zweifaches, denn die verleiten mich immer dazu, nicht nur Vergangenes aufzuholen, sondern auch in die Zukunft zu blicken – sprich, ich weiss jetzt auch, was in den aktuellen US-Episoden passieren wird, die noch nicht auf rätselhafte Weise auf meinem PC erschienen sind.

Nein, mir verdirbt so etwas mein Seh-Vergnügen nicht sonderlich. Nur weil ich bereits weiss, dass Schokolade lecker schmeckt, verdirbt mir das mein Naschvergnügen ja auch nicht. Dafür ist eher die Waage zuständig.

Aber warum eigentlich hat Gilmore Girls dieses Suchtpotenzial? Bei CSI lässt es sich leicht erklären: Gil Grissom. Bei CSI:NY ebenfalls: Mack Taylor. Bei den Gilmore-Damen hingegen gibt es kein männliches Ensemble-Mitglied, das mein Herz höher schlagen lässt.

Da sind es die Frauen.

Nein, nicht so wie Sie jetzt vielleicht denken.

Ich MAG die Gilmore Girls. Ich mag Rory, weil ich mich in ihrem Hang zum altklugen Strebertum wiedererkenne. Ich mag Emily, weil ich mich in ihrer sturen Borniertheit spiegeln kann. Und ganz besonders mag ich Lorelai, weil sie so ist, wie ich gerne sein würde: Unorganisiert, ungestüm, unbeherrscht, unwiderstehlich. Mit den ersten drei ‚Un‘-Wörtern klappt es bei mir schon ganz gut.

Ich war nie ein grosser Sex and the City-Fan. Zu städtisch, zu zynisch, zu fies. Und die ganzen Manhattans und Cosmopolitans sind schlecht für die Leber. Auch Ally McBeal war nie so richtig meins. Zu neurotisch, zu hysterisch, und verdammt nochmal zu dünn. Schlecht für Hirn und Magen.

Die Gilmore Girls hingegen sprechen meine Sprache. Sie erleben einen Alltag, mit dem ich mich identifizieren kann. Auch ich plappere zu viel, trinke zu viel Kaffee und veranstalte liebend gerne viel Lärm um Nichts. Die Gilmore Girls sind gut fürs Herz. Und deshalb sind sie mir an meins gewachsen.

Aber immerhin ist mein Kühlschrank voller als ihrer.

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