Schmöcksch dr Pögg?

Eishockey. Ein Wunschblog zum Thema Eishockey. Okay.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man einfach zu viel zu sagen hat und folglich gar nicht weiss, wo man anfangen soll?

Früher habe ich Eishockey geliebt UND gelebt. Heute mag ich es immer noch sehr gerne. Aber so wie damals ist es nicht mehr. Ich kenne nicht mehr alle Namen der Schweizer Nationalmannschaftsmitglieder, ich weiss nicht mal mehr, wie es in der Nationalliga A tabellentechnisch gerade aussieht. Der SCB wird wohl gut sein, die SCL Tigers wohl schlecht. Manche Dinge ändern sich nie. Aber wenn ich an früher denke, werde ich sentimental. Und ich erinnere mich…

…wie ich religiös an jedes Heimspiel des SCB gefahren bin und dabei nicht viel vom Spielverlauf mitgekriegt habe, weil ich in den Trainer verknallt war *hüstel*.

…wie ich vor dem Radio gesessen habe und mir die Ohren zugehalten habe, weil ich eigentlich gar nicht wissen wollte, wie das entscheidende Spiel zwischen dem SCB und Gottéron ausging.

…wie ich danach mit dem letzten Zug nach Bern gefahren bin und zusammen mit unzähligen anderen Fans in einer leeren Festhalle ohne Musik und Bar zwei Stunden gefeiert habe, bis die frischgebackenen Schweizer Meister ankamen.

…wie wunderbar die WM 92 in der damaligen Tschechoslowakei und wie schrecklich die WM 93 in München waren.

…wie eine Freundin in Bratislava in den Teambus der Kanadier einstieg, damit sie endlich alle Unterschriften der Spieler auf ihre aufblasbare Banane kriegte, wie sie dann lange nicht mehr rauskam und ich genau in dem Augenblick hinten in den Bus stieg, um sie zu holen, als sie vorne ausstieg, so dass ich mich alleine Auge in Auge mit der kanadischen Nationalmannschaft fand. (Der Ersatztorhüter hat angeblich damals meine Freundin gefragt, ob ich einen Freund habe. Davon zehre ich heute manchmal noch.)

…wie sie und eine andere Freundin ins Gespräch mit einem französischen Nationalspieler kamen, sich am nächsten Tag seinen Namen (Botteri) auf die Stirn schrieben und sich mit ihm fotografieren liessen, nur um kurz darauf festzustellen, dass sie ihn verwechselt hatten und der gar nicht Botteri hiess.

…wie sich Bill Gilligans Hand auf meiner Schulter anfühlte, als er 93 mein SCB-Leibchen unterschrieb. Ich hab das Ding heute noch, ja.

…wie ich Eric Lindros in München dazu gekriegt habe, auf eine Quebec-Fahne zu unterschreiben, obwohl der damals diesen Riesenzoff mit Quebec hatte. „I can’t sign this!“ „Oh, please…“ *wimperklimper* „Okay.“ Das Ding habe ich heute nicht mehr, glaube ich.

…wie ich in München in voller Eishockeyfanmontur durch die Gegend irrte und dabei von Fabian Harloff gefragt wurde, ob ich weiss, wo hier die ‚Wunderbar‘ ist. Genau, Fabian. So sehe ich aus.

…wie sich ein norwegischer Eishockeyfan bei uns entschuldigte, als sein Team unseres zum Abstieg verdonnert hatte. „Sorry from Norway.“ Ich sehe mich noch auf einem Stuhl stehen, Schweizer Fahne in der Hand, an der Brust einen weinenden Schweizer Fan. Mutter Helvetia.

…wie sich meine SCB-Loyalität in SCL-Loyalität änderte, als ich nach Langnau zog. Mein Gott, Todd Elik war mein Nachbar, ich hatte keine Wahl.

…wie ich nach dem Ligaerhalt der Tiger in Chur hinter unserem Sportchef herrannte, weil ich mit meinem guten Englisch die Ausländer interviewen sollte und dann plötzlich in einer Garderobe voller nackter Eishockeyspieler stand. Ich stellte einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord im Umdrehen-und-Raum-verlassen auf.

…wie Todd Elik bei einem Barbecue für ein paar andere Spieler mal Hühnchen zu uns rüberbrachte und für meine vegetarische Schwester extra den Nudelsalat von Schinken befreite.

…wie ich Dan Gauthier tödlich beleidigte, weil er sich in unserer Eishockeysendung einen Song wünschen durfte und ich den aus Versehen mit „Und Dan Gauthier wünscht sich ganz speziell ‚Man, I feel like a woman'“ anmoderierte.

…es gibt noch so einige ‚wie‘. Wie gesagt, zu viele Geschichten.

Aber eins scheint mir wichtig: Eishockey ist neben den ganzen persönlichen Erinnerungen eben auch ein ganz faszinierender Sport. Ich bewundere diese Männer dafür, dass sie auf glattem Eis und schmalen Kufen so geschickt agieren können, wie elegant sie mit diesem komischen langen Holzstock umgehen können und dass sie diese kleine schwarze Hartgummischeibe im Getümmel nie aus dem Blick verlieren. Und dafür, dass sie sich mit schöner Regelmässigkeit in Plexiglasscheiben knallen oder aufs Eis werfen lassen. Eishockey ist filigrane Technik und knallharte Brutalität.

Eishockey ist sexy.

Und ich erwarte nicht, dass das irgendjemand, der nicht schon mal selber stundenlang in einer Eishalle gestanden und sich die Seele aus dem Leib gebrüllt hat, während ihm alle Extremitäten langsam abfroren, verstehen kann. Wär nid gumpet, isch haut ke Schwizer.

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Ein Gedanke zu “Schmöcksch dr Pögg?

  1. Für „Eishockey ist sexy“ würde ich dir gern ein Denkmal bauen.

    Ach ja, die coolste aller Sportarten.

    Egal was der FC Bayern noch gewinnt, es wird kaum den Moment toppen als der (damals noch) SB Rosenheim im Finale um die deutsche Meisterschaft stand und ich, kaum so hoch wie die Bande mittendrin.

    Marcel Reif hab ich ja damals schon hassen gelernt. Der Mann fand bayerischen Eishockey nicht tauglich für die DEL. Was für ein Volldepp.

    Vielleicht ist es das Eis, dass die Gefühle so hochkochen lässt. Oder weil Eishockey so schön ehrlich ist. Bodycheck und Blut auf dem Eis und alles.

    Was ich sagen wollte: Danke für diesen Eintrag.

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