Even Indiegirls get the blues

Kennen Sie diesen Typ Mädchen/junge Frau? (Achtung, es folgt die Beschreibung eines Klischees, muss aber grad sein)

Trägt bevorzugt Chucks, Vans oder Docs, einen schrägen Pony, Jeans und ein Band-Shirt im Girlieschnitt. Verabscheut Arschgeweihe und hat dafür irgendwo einen fünfzackigen Stern tätowiert. Hört Musik eines Künstlers nur so lange, bis er bei MTV oder (noch schlimmer) Viva gespielt wird. Mag traurig guckende, schlaksige Jungs mit extremen Seitenscheiteln. Weibliche Ikonen sind Charlotte Roche oder Sarah Kuttner.

Jep, das Indiegirl. Eine weitere Möglichkeit der Frauenschubladisierung. Nur eine in diesem Fall höchst amüsante, wie ich finde. Denn das Indiegirl sieht sich ja nicht wirklich als Teil einer Gruppe – nein, wir sind ja bekanntlich alle Individuen. (Einsatz des Life of Brian-Chores: „Wir sind alle Individuen!“) Man definiert sich als abseits des Mainstreams, nur sind leider mittlerweile so viele Leute abseits dieses Hauptstromes, dass aus dem Seitenarm auch schon wieder ein ansehnliches Gewässer geworden ist.

Folglich hat das Indiegirl ein anstrengendes Leben, da es ja immer anders sein muss als die anderen. Da sind Bands wie Tokio Hotel natürlich sehr lästig, die den Nachwucksrockerlook bravotauglich machen. Und Bekleidungsstätten wie Pimkie führen höchst ärgerlicherweise mittlerweile ja T-Shirts mit der Aufschrift „Punk“, und bei H&M kann man Ramones-Stofftaschen kaufen. Und spätestens wenn die unsympathische Klassenkameradin plötzlich einen Beatsteaks-Button an der Armytasche trägt oder wenn die nervige Arbeitskollegin fragt, ob man schon das neue White Stripes-Album gehört hat, weiss das Indiegirl: Es ist Zeit für einen neuen Trend.

Nein, das Indiegirl hat es nicht leicht. Es ist heutzutage schwierig, dem Zeitgeist immer voraus zu sein, bzw. eine Szene zu finden, die zwar nicht mainstreamtauglich, aber dennoch halbwegs erträglich ist. Und natürlich ist es auch nicht wirklich einfach, seine instinktive weibliche Euphorie zugunsten von leicht weltschmerzlicher Coolness zu unterdrücken.

Ach, mir wäre das einfach zu mühsam. Natürlich gehöre ich ab und zu auch zu der „Ich will nicht, dass doofe Leute Sachen tragen oder Musik hören, die ich toll finde“-Fraktion, aber machen wir uns nichts vor: Es wird immer Schnittmengen geben, keine Gruppierung kann völlig undurchmischt bleiben. Und wenn ich eine Band nicht mehr höre, die ich liebe, nur weil sie plötzlich erfolgreich ist, bestrafe ich damit nur mich selbst. Also, was soll’s.

Ich mag mich auch nicht cool geben und behaupten, dass ich Künstler nur um deren Musik willen mag, weil das in den seltensten Fällen zutrifft. Ich bin nun mal so, dass ich gerne auch was optisch Ansprechendes auf der Bühne habe, und wenn die Musik stimmt, finde ich die Menschen dahinter auch schnell attraktiv. Ich weiss, es ist nicht wirklich erwachsen und reif, wenn ich Kettcar zwar für ihre Songs liebe, aber eben auch für Marcus Wiebusch. Und ja, natürlich sind Tomte toll. Aber deswegen darf ich doch auch Google zum Thema „Wie alt ist eigentlich Thees Uhlmann?“ befragen. Den Bands kann das ja egal sein, und wie schon Dirk von Lowtzow sagte: Wenn du vor 600 bis 1000 Leuten spielst, dann sind halt immer ein paar Idioten drunter. Ich wäre dann in der 13. Reihe der dritte Idiot von links.

(Und falls mir jemand die Frage nach Thees‘ Alter beantworten könnte, wäre ich sehr verbunden.)

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.