Der Fluch des Multitasking

Ich habe gerade eine DVD geguckt. Daneben habe ich gegessen, das Klo besucht, geraucht, gezappt, Mails abgerufen und an unserer Sofadecke weitergehäkelt.

Nichts gegen effizientes Arbeiten. Aber irgendwie wäre es doch auch schön, sich mal einfach auf etwas zu konzentrieren. Geht aber irgendwie nicht mehr – das scheint ein Fluch meiner Generation zu sein, denn meine Eltern z.B. konnten noch problemlos lesen, ohne dabei Musik zu hören oder auch den ganzen Abend lang einen TV-Sender gucken, ohne das Gefühl zu haben, dass sie etwas verpassen, weil sie nicht umschalten.

Aber bei uns muss ja alles jetzt und gleichzeitig sein. Wenn ich beim Schreiben, ob on- oder offline, nicht mindestens noch Outlook Express, Internet Explorer und Winamp offen habe, fehlt etwas. Wenn ich zum Kochen und Essen nicht Radio höre, ist es so still. Wenn ich beim Duschen, Zähneputzen oder Rauchen nicht über tausend Dinge nachdenke, fühle ich mich, als ob ich Zeit verschwende.

Dabei sollte man das vielleicht einfach mal tun.

Also nicht, dass ich keine Zeit verschwende. Ich bin seit einem knappen Jahr ’nur‘ Hausfrau und habe folglich sehr viel Zeit zur Verfügung. Wenn ich diese Zeit aber nicht für den Haushalt oder sonst etwas Sinniges nutze, habe ich automatisch ein schlechtes Gewissen. Dabei sollte ich doch wirklich froh und glücklich darüber sein, dass ich mir meine Zeit grundsätzlich so einteilen kann, wie ich will, denn das ist ein unschätzbarer Luxus.

Das Problem ist nur, dass ich verlernt habe, eine Sache gleichzeitig und die dafür zu hundert Prozent zu tun. Während ich diesen Eintrag schreibe, lese ich nebenbei in mehreren Foren mit, beantworte Mails und trinke Cola Light Lemon. Nebenbei läuft natürlich Musik, die ich regelmässig wechseln muss.

Aber ich fürchte, dass ich diesen Eintrag gar nicht schreiben könnte, wenn ich nicht all das nebenbei erledigen würde. Ich hege den berechtigten Verdacht, dass man das Multitaskingfieber nicht mehr los wird, wenn es einmal Besitz von einem ergriffen hat. Dann ist es anstrengender, sich auf eine Sache zu beschränken, als zehn gleichzeitig zu bewältigen.

Ich brauche eine Entziehungskur. Hat mir irgendjemand Tipps, wie man sich so etwas wieder abgewöhnt? Oder sollte ich mich einfach damit abfinden, dass es nun mal so ist und dass ich eigentlich damit ganz gut zurechtkomme… es sei denn, ich lese mal wieder irgendwo, dass man nur dann richtig Zen Feng Shui Hui Pfui Ding Dong ist, wenn man das Zwiebelschälen zu einer Kunstform erhebt und zum Experten in meditativem Zähneputzen wird. Dann bilde ich mir ein, dass ich sowas auch können sollte.

Aber nur, wenn man es lernen kann, während man nebenbei die Waschmaschine füllt, Geschirr wegräumt und telefoniert.

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