Music was my first love…

Bei mir ist es mit der Musik ja wie mit Beziehungen. Manche halten, manche zerbrechen abrupt, manche lösen sich langsam auf.

Manche Künstler begleiten mich seit Jahrzehnten, andere sind irgendwann in Vergessenheit geraten, und wieder andere waren kurze Obsessionen, bei denen irgendwann doch die Tiefe fehlte. One Night Stands, quasi.

Manche Künstler liebe und verehre ich voller Leidenschaft, andere sind gute Freunde geworden, die ich immer noch mag, und dann gibt es noch die, die zu Bekanntschaften geworden sind, an die ich ab und zu denke. Der „Ach ja, die gibt es ja auch noch“-Effekt, wenn mal wieder ein Song von ihnen im Radio läuft.

Bei manchen Künstlern weiss ich mittlerweile durch ihre jahrelange Anwesenheit zu viel über die Menschen hinter der Musik, so dass es mir schwer fällt, die negativen Dinge, die ich über sie weiss, nicht in ihren Werken zu suchen. Aber gerade weil sie schon so lange da sind, verzeihe ich ihnen die schlechten Eigenschaften irgendwie, wie man einem Partner seine Macken nachsieht.

Die One Night Stands sind mir oftmals ein bisschen peinlich, nach dem Motto „Wie konnte ich nur auf die reinfallen“. Aber oftmals gehört zu einem Song halt auch eine Situation, die man nicht missen möchte, und deswegen gewinnt das Lied eine ganz eigene Qualität, die nichts mit der Musik zu tun hat. Und ist so irgendwie doch über die vielen Zweifel erhaben. Oder im Zweifelsfall wie eine zufällige, aber folgenreiche Begegnung unter ‚Erfahrungen‘ abzuhaken.

Die Bands, die sich irgendwann aus meinem Leben verabschiedet haben, sind wie Beziehungen, die daran gescheitert sind, dass man sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt hat. Daran ist keiner schuld, sowas passiert halt. Und vielleicht findet man sich mal wieder, wer weiss. Man denkt sich „Es war eine schöne Zeit, macht’s gut“ und macht weiter.

Ich bin mittlerweile aus dem Alter heraus, in dem man Starschnitte sammelt und Artikel in Ringordner abheftet, Songtexte bewusst auswendig lernt und jeden Schmarrn, den der geliebte Künstler anstellt, aus Prinzip verteidigt.

Ich werde hoffentlich nie aus dem Alter heraus sein, in dem mich Musik zu Tränen rührt. In dem ich an Konzerten zusammen mit Freundinnen lautstark mitsinge. In dem ich mich wie ein Kind über eine neue CD eines meiner Lieblinge freue und das neuerstandene Werk ehrfürchtig zitternd zum ersten Mal in den CD-Player schiebe. In dem ich mich voll und ganz in einer Melodie oder einem Text verlieren und wiedererkennen kann.

Denn dann wäre ich wirklich beziehungslos, einsam und alleine.

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