Amtliche Verdoppelung der natürlichen Person

Ich frage mich ja, ob es je einen Tag in meinem Leben geben wird, an dem ich nicht im Hinterkopf habe, dass ich mich noch um etwas Amtliches kümmern muss.

Oh, mittlerweile liegt es nicht mal mehr nur an mir. Ich bin inzwischen sehr brav und bürgerpflichtbewusst geworden, wenn es darum geht, irgendwelche Formulare korrekt auszufüllen und rechtzeitig abzuschicken.

Mittlerweile liegt es eher am Amt.

Ich habe neulich Bescheid erhalten, dass ich nach meiner Namensänderung nun in meiner Heimatgemeinde Rüschegg gemeldet bin. Super. Wollte ich ja schon immer. Waren Sie schon mal in Rüschegg? Eben. Ich auch nicht.

Dass ich da gemeldet bin, muss ich übrigens innerhalb der nächsten vier Jahre schriftlich oder gleich persönlich bestätigen. Immerhin geben sie den Auslandschweizern genügend Zeit für die Anreise.

Mach ich dann irgendwann brav. Innerhalb der nächsten vier Jahre.

Mitte dieser Woche habe ich die offiziellen Unterlagen für die Wahlen im Kanton Bern erhalten. Für die Stadt Bern. Da hatte ich mich bei meinem Wegzug aus der Schweiz angemeldet, weil ich als Auslandschweizerin das Recht habe, einen ehemaligen Wohnort als den Ort zu wählen, in dem ich wählen und abstimmen will. Und neben Bern, der Bundeshauptstadt und schönsten Stadt der Welt, standen als ehemalige Wohnorte noch Zollikofen, Langnau im Emmental und Schlieren zur Debatte.

Die Wahl fiel mir nicht schwer.

Nun gut, ich bin also in Bern angemeldet und darf für diese Gemeinde wählen und abstimmen.

Am Freitag lagen die Wahlunterlagen der Gemeinde Rüschegg im Briefkasten.

Verwirrung.

Dann Geistesblitz. Und Nachgucken auf den Unterlagen der Stadt Bern.

Und dann leichtes, aber nur ganz leichtes Kopfschütteln. (Ob ich das daraus resultierende Schleudertrauma dem Schweizer Staat in Rechnung stellen kann?)

Folgende Situation hat sich also ergeben: Ich bin in der Stadt Bern unter meinem Mädchennamen gemeldet. Ich bin in meiner Heimatgemeinde Rüschegg unter meinem neuen Namen gemeldet. Ich darf also zweimal wählen und abstimmen.

Ich halte das für eine amtliche Aufforderung zum Wahlbetrug, werde dieser aber nicht Folge leisten.

Erst gucke ich nämlich mal, welche Kandidaten in welchem der beiden Wahlkreise mir eher zusagen, bevor ich das melde. Und dann entscheide ich mich, wer meine Stimme in Zukunft kriegt: Rüschegg oder Bern.

Wobei mir auch da die Wahl nicht schwer fallen dürfte.

Naja, das Schweizer Konsulat in Stuttgart kriegt Montag früh eine Mail von mir, mit folgendem Hinweis:

Liebe Leute, es ist schön, dass ihr mich für so wichtig haltet, dass ich gleich zweimal wählen darf. Andererseits finde ich es aber beängstigend, dass ich mich ohne kulinarisches Zutun meinerseits verdoppelt habe, und da ich mich eigentlich nicht für schizophren halte (ich mich auch nicht, haha!), wäre ich froh, wenn dieses Problem irgendwie behoben werden könnte. Nach Möglichkeit ohne dass ich persönlich in Rüschegg oder Stuttgart erscheinen muss. Ach ja, und falls ich wieder halbiert werde, bitte die überschüssige Person an folgenden Körperteilen entfernen: Bauch, Taille, Hinterteil, Oberschenkel, Oberarme. Danke.

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