Haare kriesch ma

Wie schon einst Die Ärzte sangen:

„Immer wenn der Sommer kommt, beschäftigt mich seit Jahren schon ein eher philosophisches Problem“

Okay, in meinem Fall ist es nicht philosopisch, sondern mehr physiologisch, und es ist ja auch erst Frühling. Ja, der ist’s, ich hab ihn vernommen, draussen zwitschern nämlich die Singvögel und nicht mehr die Nebelkrähen. Und auch wenn mich dieser Gesang angesichts der Vogelgrippe nicht mehr ganz so euphorisch stimmt wie in früheren Jahren, so lässt es sich doch nicht leugnen: Es wird wärmer. Womit wir bei meinem physiologischen Problem wären.

Körperhaarbeseitigung, meine Damen. Reden wir darüber.

Ich weiss nicht, ob Sie Anhängerin des Heisswachses, des Epilierers, der Enthaarungscreme oder wie ich des Rasierers sind – die Methode der Haarentfernung sei jeder selbst überlassen. Allein, die Notwendigkeit nervt.

Vielleicht gehören Sie zu den disziplinierten Seelen, die nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit, brav ihren Körper von störender Behaarung befreien. Wenn dem so ist: Applaus. Ich meinerseits blicke irgendwann so gegen Ende März an mir runter und greife dann zu einem Zitat aus Ralf Königs ‚Der bewegte Mann‘: „Haare? Ich hab FELL.“

Da ich aber demnächst vorhabe, mich auf den Balkon zu setzen, muss das Zeug weg. Nicht, dass jemand auf unseren Balkon gucken kann. Aber seit wann bitte tun Frauen irgendetwas, nur weil man sie dabei sieht? Ich sag nur: Zusammenpassende Unterwäsche. Das nimmt so selten jemand zur Kenntnis, und trotzdem ist es ein innerer Drang. Liegt vermutlich an der Panik davor, dass wir aus irgendeinem Grund ins Krankenhaus kommen und uns dort alle auslachen, weil wir Betty Boop-H&M-Höschen mit einem alten ausgeleierten C&A-Spitzen-BH kombinieren. Was bekanntlich in Krankenhäusern tagtäglich geschieht.

Zurück zum Thema: Das Fell muss weg. Und da komme ich jeweils ins Träumen, bevor ich dann doch seufzend zum Rasierer greife. Stellen Sie sich mal vor, es gäbe wirklich effiziente Methoden der Haarentfernung. Stellen Sie sich vor, es gäbe so etwas wie die weibliche Mauser, ein freiwilliges Haareabwerfen, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden. Man könnte sich einfach in die Badewanne stellen, sich kurz konzentrieren und dann zoiiinnnggg, alles ab. Herrlich.

Oder noch besser, es gäbe so etwas wie die dauerhafte Haarentfernung mit Laser – ja, gibt es schon, aber mit der Geschwindigkeit von etwa einem Quadratzentimeter pro Stunde zu einem viel zu teuren Preis, mit dem Resultat, dass man irgendwann kurz vor dem Rentenalter zwar haarfrei, aber dafür schuldenbeladen wäre, und dass sich dann eh keiner mehr für die ach so toll haarlose Haut interessieren würde. Ich stelle mir mehr so etwas wie eine Laser-Duschkabine vor, in die man sich – mit abgedecktem Haupt-, Augenbrauen- und Wimpernhaar – hineinstellt, einen Kopf drückt und dann *britzel*. Nie mehr Enthaaren.

Andererseits ist mir die Sache mit dem dauerhaften Enthaaren suspekt, weil ich der Überzeugung bin, dass sich, sobald ich mich für immer von meinem Fell befreit habe, die Wissenschaft sicher darauf einigen würde, dass Körperbehaarung überlebensnotwendig und eigentlich total sexy ist.

Und so werde ich mich gleich in die Wanne legen und seufzend zum Rasierer greifen. Und dabei denken: Wenn Männer sich die Körperhaare entfernen müssten, gäbe es die Britzelkabinen sicher schon lange…

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