Weil ich n Mädchen bin

Ich sitze gerade mit einer roten Federboa um den Hals vor dem PC. Vorhin habe ich mir mit einem Kugelschreiber in Form eines befiederten rosa Flamingos Notizen gemacht. Ich besitze in zufälliger Reihenfolge unter anderem diese Dinge:

1. einen lila Stroh-Cowboyhut mit einem Plastikkrönchen an der Krempe (wird dieses Jahr am Gurtenfestival definitiv getragen)
2. x Nagellacke verschiedenster Farbe, wobei der Favorit eindeutig Türkis ist
3. Eine grüne Frotteekosmetiktasche, auf der „I love Shopping“ steht
4. Einen knöchellangen schwarzen Ledermantel
5. Diverse Yves Saint Laurent-Kosmetik
6. Halterlose Netzstrümpfe
7. Ein Autogramm der drei Protagonistinnen aus „Faster Pussycat Kill Kill“
8. Einen lebensgrossen Pappaufsteller von Captain Kirk
9. Eine Sammlung von Dancing Hamsters
10. Drei Hosenanzüge in den Farben cremeweiss, schwarz und braun

Kurz: Mein Geschmack mag sich nicht immer durch Stilreinheit auszeichnen, ich halte ihn aber für relativ stilsicher. Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür, und auch wenn die Aufzählung da oben den selbsternannten Stilpapst Blackwell schreiend die Flucht ergreifen lassen würde: Pech. Ich habe nur mal eine Schwäche für Kleinmädchen-Gimmicks (dank meiner neuen Frisur kann ich ENDLICH wieder blöde Sachen in meine Haare stecken und habe deswegen prompt bei Claire’s Accessoires 35 Franken liegen lassen), grauenhaften Kitsch und seltsame Dinge, die vermutlich nur ich als Kult betrachte.

Mir egal. Ich bin ich, und das ist gut so. Bei mir zuhause soll es nicht aussehen wie im Ikea-Katalog, sondern so, dass man sieht, dass ich hier wohne. Meine Outfits müssen nicht zusammenpassen, sie müssen zu mir passen. Und meine Lieblingsmusik muss keiner hören ausser mir. Und manchmal mein Mann. Aber der hat ja irgendwas von wegen guten und schlechten Tagen geschworen, also bloss kein Mitleid, der hat sich das selber eingebrockt.

Es gibt eine wunderbare Stelle in Mondscheintarif, wo die Hauptfigur darüber sinniert, wie toll es ist, sich zurechtzumachen, und dass sie das hoffentlich auch noch in 20 Jahren tun wird, auch wenn man dann statt einem Hauch von Seide zu den Stützstrümpfen greift. Das will ich auch. In Würde altern? Pah! Ich hab viel zu viel Spass damit, ich zu sein, da kann ich nicht noch auf Würde achten. Und überhaupt: Die wirklich tollen alten Frauen sind doch diejenigen, die mit blauschwarz, platinblond oder knallrot gefärbten Haaren, zu grellem Make-Up und Klamotten rumlaufen, die zur Zeit ihrer Jugend Mode waren. Wer will schon eine Oma mit zartlila oder babyblauer Haartönung in Kittelschürze und Gesundheitsschuhen werden? Nee. Ich will eine peinliche alte Frau werden, eine die mit ihren Enkeln hemmungslos über Sex redet, auch mit 80 noch zu laut lacht und grundsätzlich nicht dem Klischee entspricht, dass man nach den Wechseljahren elegant zu altern hat.

„Sometimes a girl, always a woman, never a lady“ – wenn ich nicht grundsätzlich was gegen Schriftzüge als Tattoos hätte, würde das irgendwo an meinem Körper prangen. Ich seh ja mal gar nicht ein, dass ich mich meinem Alter gemäss benehmen soll – denn ich mag vieles sein, aber garantiert nicht auf eine Zahl reduzierbar.

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