Look who’s stalking

Eigentlich sollte es ja ein netter kleiner Ausflug mit Mann und bester Freundin und ihrem Patenkind werden.

Aber irgendwann fühlte ich mich verfolgt.

Ja, Herrgottsakra, kann man denn nicht mal einen friedlichen Tag im Europapark verbringen, ohne dass man dabei gestört wird?

Offenbar nicht.

Wir waren gerade unterwegs zu irgendeiner Bahn, die vermutlich zu schnell und zu heftig für mich war – ich weiss gerade nicht mehr zu welcher, aber 85 % der Bahnen im Europapark sind zu schnell und zu heftig für mich – , als wir beinahe von zwei Golfwägelchen über den Haufen gefahren wurden. Falls jemand nicht weiss, was ich mit Golfwägelchen meine: Es ist weiss. Es ist nach allen Seiten offen. Es wird gemeinhin auf Golfplätzen eingesetzt. Es hat vermutlich eine Höchstgeschwindigkeit von 10 Stundenkilometern. Weswegen wir auch ganz langsam und qualvoll über den Haufen gefahren worden wären, wenn wir nicht langsam und elegant ausgewichen wären.

Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht dumm in die Golfwägelchen geguckt hätten. Danach guckte meine beste Freundin zu hinten nach mir, und ich sagte nur: „Ja.“

Der Grund für den Golfwägelcheneinsatz war nämlich folgender: Die waren nicht zur Volksbelustigung unterwegs. Die waren total wichtig. Da drin sassen nämlich Promis. Gut verkleidet mit Sonnenbrillen, deren Grösse allein sie schon zu Promis machte.

Kurze Frage: Haben Optiker eigentlich eine Spezialabteilung irgendwo hinter einem Vorhang, wo Promis ihre extragrossen Sonnenbrillen kaufen? So wie die Pornoabteilung in der Videothek? Und sind die Sonnenbrillengrössen dann sortiert nach Bekanntheitsgrad? So à la „Regionale Berühmtheit“, „National bekannt“ und „Robbie Williams“?

Wie dem auch sei, im Golfwägelchen sassen Bono und Angelina Jolie. Hätte man aufgrund der Sonnenbrillengrösse zumindest denken können. In Wirklichkeit handelte es sich dabei um Sarah Connor und Marc Terenzi. Sie hatte ausserdem ihren Sprössling, den kleinsten gemeinsamen Tyler, auf dem Schoss. Wie der aussieht und wie schwanger sie ist, weiss ich nicht genau, sie hatte ihre Nase dabei, und die lenkt ungemein ab.

Hurra. So wenige Besucher im Europapark und ausgerechnet die sind mit von der Partie. Sie sahen übrigens überhaupt nicht in love aus, sondern guckten eher nach dem Motto „Wir sind total inkognito hier, bitte beachtet uns nicht und ignoriert die Tatsache, dass wir im Gegensatz zu allen anderen nicht zu Fuss unterwegs sind und einen Stapel Sicherheitskräfte dabei haben, damit auch ja jeder merkt, wie wichtig wir sind. Ach ja, und Spass haben wir auch keinen. Wir sind Promis, das ist ein hartes Leben.“

Wir hingegen hatten Spass, wir sind ja auch keine Promis. Und die Gladiatorenshow in der Arena im Themenbereich Spanien war erst recht spassig, zwar unfreiwillig, aber trotzdem. Noch spassiger wäre sie gewesen, wenn mein Mann nicht kurz vor Beginn der Show bemerkt hätte, wer da in der gleichen Reihe wie wir sass.

Genau. Und immer noch mit gelangweilter Miene und viel Security, die angesichts der arabisch aussehenden Parkbesucher, welche zwei Reihen hinter Sarah & Marc (still not in love) sassen, leicht nervös wurde. Na ja, immerhin deponierte der Conferencier der Show zwei total subtile Hinweise darauf, welch illustre Gäste im Publikum sassen, so dass die beiden sich hoffentlich genug gewürdigt fühlten. Natürlich verliessen sie die Arena nicht mit uns Normalsterblichen, sondern blieben gelangweilt auf ihren Plätzen (immerhin waren die inmitten des Pöbels, ein bisschen Volksnähe muss ja sein) sitzen, bis wir uns alle rausbegeben hatten.

Ich war glücklicherweise auf dem Klo, als sie dann – wieder mit Golfwägelchen und Security, man hat ja so seine Ansprüche – an meinem Mann vorbeigondelten, Grabesmienen inklusive.

Manche Leute mögen den Gedanken toll finden, im gleichen Erlebnispark wie Sarah Connor zu sein. Ich nicht. Ich fühlte mich langsam aber sicher verunsichert, denn man konnte ja nicht wissen, wo die noch auftauchen würden. Sarah & Marc in Geisterbahn? Sarah & Marc in Elfenland? Sarah & Marc in Fjord Rafting? Iek, bitte nein – mit Ihresgleichen teilt meine Wenigkeit den Wildwasserkanal nicht, Frau Connor!

Ich bitte Sie, man kann doch einen Ausflug nicht geniessen, wenn man dauernd damit rechnen muss, dass irgendwo ein Ex-Boygroup-Mitglied oder ein Ex-Katalog-Model auftaucht. Das verdirbt einem doch den Spass. Vermutlich haben die deswegen auch so grämlich geguckt, denn mit einem Ex-Boygroup-Mitglied oder einem Ex-Katalog-Model zusammenzuleben ist sicher einiges schlimmer, als so jemandem nur mal irgendwo zu begegnen.

Zum Glück blieb uns ein weiteres Zusammentreffen bis kurz vor Verlassen des Parks erspart, als sie uns wieder entgegenkamen – Golfwägelchen und Security brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Hoffentlich hat Sarah mein „Also, langsam nervt’s!“ gehört.

Dann ist sie nämlich vorgewarnt, dass ich Massnahmen gegen sie ergreifen werde, sobald das neue Anti-Stalking-Gesetz durch ist. Ob Radio-Airplay auch als Belästigung gilt?

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