Tales from the SMC Part 2: Invasion der Schlümpfe

Manche Berufe rufen bestimmte Schädigungen hervor. Ich hab selbst diese Erfahrung gemacht. Seit ich bei H&M gearbeitet habe, kann ich dem Drang nicht widerstehen, T-Shirts zu falten, sobald ich eine Filiale des schwedischen Billigmodeimperiums betrete. Seit ich bei Coop und Migros als Ferienaushilfe tätig war, bin ich immer freundlich zu Verkäuferinnen, egal wie böse sie gucken. Und seit ich beim Radio gearbeitet habe, kann ich nicht mehr Radio hören, ohne auf die kleinen Details zu achten und mich dann lauthals der Stereoanlage gegenüber darüber zu beschweren.

Und seit neuestem gucke ich Leute in hellblau immer besonders genau an.

Der Grund dafür ist die Volunteer-Uniform, die wir während der FIFA-Fussball-WM (TM, Copyright, usw.) trugen. Hellblaue Poloshirts mit dunkelblauen kurzen, dreiviertellangen oder (wenn wir die langen Beine an die Dreiviertelhosen rangezippt hatten) langen Hosen. Dazu weisse Socken (nach dem Einsatz beim Confed Cup hab ich mittlerweile schon 6 Paar zuhause, die ich nie benutze. Will wer welche?!), weiss-blaue Schuhe, je nach Wetter ne hellblaue Sport- oder Regenjacke, ein dunkelblaues Cap (das ich nie getragen habe, da ich mit dem Ding aussah wie eine Mischung aus Kevin Federline und einem Kandidaten aus ‚Bauer sucht Frau‘ – not a very flattering look, nö.) und eine sehr tückische Tasche, die immer bis zu den Knien rutschte, falls man etwas darin rumtrug, das schwerer als 100 Gramm war.

Kurz: I was a world championship smurf. Das Bedürfnis, die Fragen der Journalisten nach meiner Herkunft mit „Aus Schlumpfhausen, bitte sehr“ zu beantworten, war gross. Aber ich fürchte, sie hätten beim anschliessenden „Schalalalalalalalalala“ nicht mitgemacht.

Nun war es natürlich nicht nur so, dass man sich während seines Einsatzes gegenseitig als Volunteer erkannt hat, wenn man in seiner Uniform steckte, nein, diese Outfits haben mir auch das gemütliche WM-Gucken nach meiner Arbeit vergällt – denn selbstverständlich habe ich nicht die Spiele an sich verfolgt, sondern starrte mit einem Auge immer hinter die Werbebanden, um zu gucken, ob irgendwo ein Volunteer steht, wo er nicht stehen sollte. Und um dies dann dem Fernseher laut kundzutun.

Ja, ich sollte aufhören, mit Geräten zu sprechen. Hab ich mir aber beim Radio angewöhnt, da man da ständig mit irgendwelchen leblosen Dingen (Mikrofone, Sportler, Politiker) spricht. Noch so eine berufsbegleitende Beschädigung.

Ach ja, apropos: Eigentlich ist auch mein Loch im Bauch (der Schlauch ist übrigens mittlerweile raus) eine berufsbegleitende Beschädigung, entstanden durch die dreiviertellange Volunteerhose, die geschubbert hat wie Hulle (für die Schweizer Leserschaft: Es het gribe wiene Moore). Die Frauenklamotten waren nämlich alle im Stil ‚Britney Spears‘ geschnitten, also unten auf Hüfte, oben auf bauchfrei, während die Männerklamotten dem ’50 Cent‘-Look entsprachen, die waren nämlich alle zu gross. Sprich: Es waren eigentlich Mädchen- und Jungsklamotten, und als Frau über 30 hatte man darin nichts zu suchen. Man hätte darin übrigens auch nichts verstecken können, was man anschliessend hätte suchen können. Ich bin mir sicher, dass Sepp Blatter dahinter steckt. Er wollte ja auch schon knappere Outfits für Frauenfussballerinnen…

Aber wirklich verwirrend war das Spiel Niederlande gegen Argentinien. Da standen mit den Argentiniern Leute auf dem Platz, die von weitem farblich aussahen wie Volunteers. Und da die Sicherheitsleute bei der WM, die Stewards, allesamt orangefarbene Westen trugen, war die Verwirrung komplett, als die Holländer antraten. Das Spiel Schlümpfe gegen Türsteher endete ja dann immerhin bekanntermassen 0:0.

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