Gurtenfestival Tag 3 – Ich will mit über 50 auch noch so aussehen!

…okay, mir wäre es auch recht, mit 34 so auszusehen wie Billy Idol. Also, in weiblich. Äh, bevor wir jetzt unheilvolle Visionen davon heraufbeschwören, wie Billy Idol als Frau aussehen würde, sollte ich der Reihe nach schreiben.

Ich hab ja dieses Jahr nicht wirklich viel vom Gurtenfestival gesehen, zumindest nicht so viel wie andere Jahre, aber das liegt daran, dass ich sonst immer akkreditiert war und so zwischen fünf und zehn Interviews gemacht habe, weswegen ich mich jeweils die ganze Zeit auf dem Berner Hausberg aufgehalten habe. Diesmal habe ich brav bezahlt und nur ausgesuchte Konzerte besucht. Da steckt eine gewisse Logik dahinter, bestimmt, und ich werde das Biest auch irgendwann finden. Vermutlich ist sie einfach etwas verquer, wie ich auch. Passt scho.

Am Samstag habe ich immerhin vier Auftritte gesehen. Angefangen hat der Tag für mich mit den Sportfreunden Stiller, die ich gemütlich am Hang liegend begutachtet habe.

Einschub: Ich weiss, für die ausländischen Gurtenbesucher ist es sehr seltsam, dass man per Bahn auf den Hügel geschippert wird – oder, wie wir Schweizer sagen würden, mit dem Bähnli auf den Hoger fährt. Für mich gehört das halt dazu, und ich finde das auch toll, weil es bedeutet, dass ich abends bzw. nachts runterfahren und bei meiner besten Freundin in einer richtigen Wohnung in einem richtigen Bett pennen kann. So stelle ich mir ein Festival vor. Ausserdem finde ich es super, dass die Festival Area eine gewisse Schräglage besitzt, so dass man weit weg von der Bühne auf der Wiese liegen kann und von oben runter trotzdem eine gute Sicht auf die Bühne hat. Fehlt nur noch der Whirlpool, und ich wäre wunschlos glücklich. (Aber ich darf ja eh nicht baden. Grml.)

Die Sporties hatte ich eine Weile nicht mehr live gesehen, was dem Konzertgenuss eindeutig nicht geschadet hat, da ich irgendwann eine Überdosis Sympathie, Gutmenschentum und fröhliche Weltverbessererstimmung Sportiesseits abgekriegt und mich deswegen eine zeitlang nicht mehr allzu intensiv mit ihnen beschäftigt hatte. Zum Glück war das Schweizer Publikum so albern, dass die Jungs munter mitalberten, was dazu führte, dass zumindest der interaktive Teil des Konzerts eher auf der ironischen Seite als auf der Zusammengehörigkeitsgefühlseite lag. Gefiel mir gut, erinnerte mich an meine ersten Sporties-Konzerte.

Natürlich ging es um Fussball. Dauernd. Und nein, liebe Sportfreunde, wenn die Schweizer „54, 74…“ usw. singen, dann geht es nicht um die Vorfreude, dass Deutschland Weltmeister wird, sondern um die unberechtigte, aber doch vorhandene Hoffnung, dass die Zeilen „werden wir Weltmeister sein“ 2010 auf die Schweizer anwendbar sind. Aber hey, Hauptsache zusammen gesungen. Und schön war’s. Gerne wieder. Und ich bin sehr erfreut darüber, dass ich die Sporties wieder mag.

Danach ging es zum ersten, letzten und einzigen Mal dieses Jahr rüber zur Zeltbühne, wo Bela B. sich die Ehre gab. War so na ja. Ich kenne das Soloalbum zu wenig, um alle Songs würdigen zu können, und manche Lieder haben live irgendwie nicht gezündet, keine Ahnung warum. Kann aber auch daran liegen, dass wir genau an der Stelle des Zeltes standen, wo alle sich reingedrängelt haben, und ich dauernd meinen Bauch schützen musste – ich kam mir vor wie ein Fussballer kurz vorm Freistoss, immer beide Hände an der Körpermitte. Immerhin war Herrn B.’s Outfit und Band sehr schick, und auch Mia Aegerters Kurzauftritt war amüsant, obwohl die berndeutsche Version von „1.,2.,3.,…“ nicht nötig gewesen wäre. Ich weiss auch nicht, ob ich die Dame gleich erkannt hätte, wenn mir nicht schon am Donnerstag zugetragen worden wäre, dass sie mit Bela was singt.

Nach Bela trafen wir uns dann zur Schlüsselübergabe mit den deutschen Gästen und knallten uns danach wieder auf die Wiese, um Jamie Cullum zuzugucken.

Die Worte „Hyperaktiv“ und „Ritalin“ fielen des öfteren. Ausserdem kam meinerseits die Aussage „Bei dem weiss man ja auch nicht, ob man ihn bespringen oder adoptieren soll“. Desweiteren muss ich ihm meine Bewunderung für seine Guinness-Wegkipp-Fähigkeiten zollen, aber der Rülpser danach war schwächlich, sowas schaffe ich nach einem Glas Eistee ohne Kohlensäure! Äh ja, musikalisch war es auch ganz toll, besonders sein Cover von Radioheads „High and dry“.

Und dann kam Billy Idol.

Ich hatte ja bauchtechnisch vor, oben auf der Wiese zu bleiben.

Aber dann kam Billy Idol. Und er hatte Steve Stevens dabei. Und er spielte quasi nur alte Hits. Es war toll.

Dann trug er kurzfristig den Punk zu Grabe, indem er „In the summertime“ von Mungo Jerry intonierte.

Kurz darauf wurde der Punk aber durch „Rebell Yell“ und einen Generation X-Song rapide wiederbelebt. All is also well.

Und ja, irgendwann dazwischen war ich dann plötzlich vorne im Publikum am Rumhampeln. Billy war schuld. Und statt mich wie befürchtet total alt zu fühlen, war ich plötzlich wieder 13. Und somit total abszessfrei. Das dürfte daran gelegen haben, dass Billy selbst kaum gealtert wirkte. Na gut, ein paar Falten im Gesicht, aber dieser Bauch! Diese Oberarme! Wie gesagt: Ich hätte nichts dagegen, mit über 50 so auszusehen. Oder mit 34. Halt nur in weiblich. Und nein, ich weiss immer noch nicht, wie Billy Idol als 34-jährige Frau aussehen würde.

Aber als über 50-Jähriger ist er GEIL.

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