Wir werden schön

Das kennt vermutlich jede Frau: Man guckt aus dem Fenster, in den Schrank und in den Spiegel und stellt fest: Das Klima ist dem Körper einige Zeit voraus. Der Schnee schmilzt (naja, nicht dass man dieses Jahr viel davon gesehen hätte), die Pfunde nicht. Und man folgert:

Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

Ich bin seit Dienstag vor einer Woche Fitnesszentrummitglied. Ich würde ja lieber Fitnessstudio schreiben, aber ich weiss nicht, ob man Fitnessstudio Fitnessstudio oder Fitnesstudio schreibt. Deswegen: Zentrum. Ja, ich bin eine Freundin der faulen Lösung, weswegen meine Anmeldung im Fitnesszentrum umso erstaunlicher und löblicher ist. Vor allem weil ich jetzt schon DREIMAL da war. Also, inklusive Probetraining.

Mein Probetrainer hiess Laurent und sah auch so aus, was dazu führte, dass alle jungen Damen im Studio ihn freudig lächelnd (oder hechelnd, je nachdem ob sie gerade sportlich beschäftigt waren oder nicht, wobei okay, manche haben auch einfach so gehechelt) grüssten. Ich lächelte auch. Milde und altersweise und in der Gewissheit, dass die Zeit meiner Schwärmereien für blonde Jünglinge schon so lange vorbei ist, wie manche der Damen alt sind. Naja, zumindest meine Schwärmerei für blond, diejenige für Jünglinge flammt ab und zu noch auf, aber das darf man in meinem Alter ja dann wieder.

Item, wie Joschka aus der Little WG sagen würde (hallo Insiderwitz!): Ich geh da zum Trainieren hin und nicht zum Gucken. Gucken kann ich nämlich schon total gut. Und trainiert wird im Miha-Circle. Hat nix mit Circle of life zu tun, im Gegenteil, ist der Circle of death. Man setzt sich eine Minute an ein Gerät und drückt, und das Gerät drückt zurück. Ja, man kann es nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.

Zwischen den ganzen Kraftübungen gibt es auch zwei Ausdauersegmente. Das eine sind sechs Minuten auf dem Rad, kein Problem, wer wie ich von Geburt an mit Beinmuskeln gesegnet ist, die Lothar Matthäus neidisch machen würden, der kriegt sowas locker hin. Das andere sind sechs Minuten auf dem Crosstrainer.

Nun ist es so, dass schon meine Ballettkarriere an meiner mangelnden Koordination (und an meinem sehr rudimentär ausgebildeten Erinnerungsvermögen, was Choreografien betrifft) früh gescheitert ist, und der Crosstrainer ruft mir das wieder schmerzhaft in Erinnerung. Bis ich das Ding in der richtigen Richtung in die Gänge kriege, bin ich schon einen halben Kilometer rückwärts gefahren, und ausserdem blökt die Maschine, sobald der Puls im höheren Bereich anzusiedeln ist. Lieber Crosstrainer, ich hab an die zehn Jahre NIX für meine Fitness getan, was erwartest du eigentlich?

Scheissgerät. Aber ich werde ihn bezwingen, meinen natürlichen Feind! (Heroische Musik schwillt im Hintergrund an)

Irgendwann. (Heroische Musik bricht ab.)

Derzeit bin ich froh, wenn ich gaaaanz langsam sechs Minuten auf dem Ding hinkriege und beim Absteigen nicht aus den Pedalen falle. Man muss halt klein anfangen – das Wichtigste ist doch, dass man überhaupt anfängt.

Und ausserdem macht mir das Training im Fitnesszentrum perverserweise Spass. Ich war nie der Typ, der gerne einfach so aus lauter Lust am Leben Sport treibt, ich brauch diese Atmosphäre, in der man sein Pensum absolviert und dann wieder geht, so hab ich viel eher das Gefühl, dass ich trainiert habe, als wenn ich mit jemandem Joggen gehe oder in einer Gruppe Volleyball spiele. (Nicht dass jetzt irgendwer denkt, dass ich Joggen oder Volleyballspielen kann, das waren rein theoretische Beispiele.)

Also geh ich jetzt zwei- bis dreimal in der Woche über die Strasse und kämpfe mit Crosstrainern und zurückdrückenden Geräten und finde das toll. Wenn ich dann etwas fitter bin, erhöhe ich das Pensum und zapple dazu noch auf einem der schicken Fahrräder mit Fernseher rum, die sie da drüben haben. Laurent schlug ja den Crosstrainer vor. Ich hab ihn kurz angeguckt und er war dann auch meiner Meinung, dass ich besser mit dem Fahrrad anfange. Ich kann diesbezüglich sehr überzeugend sein, da kann jeder meine Sportlehrerin am Gymnasium fragen. Die hatte ich nach einem halben Jahr schon so weit, dass sie bereits zu Anfang der Stunde verkündete: „Heute machen wir das und das, ausser Natalie, Natalie muss nicht.“

Jaaa, manche meiner Fähigkeiten sind halt besser ausgebildet als andere. Aber an den verkümmerten Bereichen wird jetzt auch gearbeitet. Kann mir irgendwer ein gutes Sportdeo empfehlen? Eine total professionell aussehende Isostar-Trinkflasche hab ich schon. Beste Voraussetzungen also.

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