Ein paar offene Briefe an die Welt

Naja, okay, an Europa. Zumindest Teile davon. Ach was soll’s, dann stimmt der Titel halt nicht.

Lieber DJ Bobo,

Wir wissen ja, dass deine gesanglichen, kompositorischen, lyrischen und generellen Fähigkeiten limitiert sind. Das nächste Mal versuchen wir es vielleicht mit weniger Text, mehr Trommeln und viel Geblöke? Für Bulgarien hat das funktioniert.

Heimlich halt trotz aller Schämerei für DJ Bobo im Allgemeinen und Vampires Are Alive im Speziellen auf eine Finalteilnahme gehofft habend:

Natollie

Liebe osteuropäische ESC-Teilnehmer,

Ich kann es ja nicht beweisen, aber ich vermute trotzdem, dass eure Texte auch nicht von viel sinnigeren Themen handeln als von lebenden Vampiren. Und musikalisch liegt ihr irgendwo zwischen Björk (Georgien), Bond (Weissrussland) und Bauchschmerzen (Bulgarien). Ich hab davon gehört, dass die russische Seele gerne leidet. Aber erstens dachte ich, dass die Solidarität des ehemaligen Ostblocks nicht mehr von Moskau aus diktiert wird, und zweitens muss man sich dann doch nicht SO SEHR selbst quälen, dass man den slovenischen Beitrag gut findet, oder etwa doch?

Operngekreische mit an die Hand getackerter Minitaschenlampe nicht gut findend:

Natollie

Liebe Bonaparti.lv,

Sechs Zylinder machen noch keinen Dagobert Duck. Sechs Tenöre machen noch keinen Pavarotti (naja, fast). Und die Sprache eines nicht mehr teilnehmenden Landes zu benutzen ist Schmu. Aber Schmu hilft offenbar – der Türkei auch, die waren ja mit ihrem Schmu-Tarkan ebenfalls erfolgreich. Merke: Schmalspurversionen von irgendwas an den ESC schicken ist eine gute Strategie. Ausser man schickt einen Westentaschen-Dracula.

Sich so gar nicht auf den Schmu-Ricky Martin aus Griechenland im Finale freuend:

Natollie

Liebe im Halbfinale rausgeflogene osteuropäische Teilnehmer,

Jaaa, das kotzt einen dann so richtig an, was? Die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Island, Israel, Dänemark, Norwegen, Portugal, Malta, Österreich und Zypern können wenigstens mit einem beleidigten „Olle Ostblock-Mafia“ jeglische Schuld von sich weisen, ob gerechtfertigt oder nicht. Und was ist eure Entschuldigung? Tjahaha!

Glücklich darüber, einen Grund zur Schadenfreude gefunden zu haben:

Natollie

Lieber Winnetou,

Früher als du noch Pierre Brice warst und nicht für Kroatien Duette mit einer Schmu-Shakira gesungen hast, fand ich dich viel toller.

Wieder ein Stück Kindheit beweinend:

Natollie

Liebe Teilnehmer aus Albanien und Montenegro,

Das konnte ja nicht gut gehen. Ihr hättet euch zusammentun sollen. Denn wenn der albanische Herr Ndotschi das montenegrinische Lied mit dem „Krotschi Buskotschi“ gesungen hätte – das hätte viel besser geklungen. Und das Ganze dann zur Melodie von Heitschi Bumbeitschi. „Aber Krotschi Buskotschi Bum Bum…“ Herrlich. Ein absoluter Gewinner.

Total kreative Ratschläge gebend:

Natollie

Liebes Schweizer Fernsehen,

Es dürfte mittlerweile klar sein: Mit eingekauften Osteuropäern sind wir am erfolgreichsten. Geht aber auch billiger. In der Musicstar-Datenbank finden sich sicher einige willige Leute „mit Migrationshintergrund“, wie das hierzulande in Deutschland so schön heisst. Daraus setzen wir dann folgende Truppe zusammen:

– 1 stimmgewaltige Wuchtbrumme als Hintergrundsängerin, die man nur im Halbschatten sieht
– 4 Tänzer/Tänzerinnen, gerne leichtbekleidet (aber vielleicht nicht so leicht bekleidet wie die Teilnehmer aus Polen, das war ja mehr so Pimp my Eurovision in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ‚Pimp‘)
– 1 Schmu-Schleimerbub als Sänger oder wahlweise 1 Schmu-Diva (Look: Anna Netrebko meets Beyonce und geht mit Elli Erl einen Kaffee trinken)

Musikalisch setzen wir auf Christine Lauterburg revisited: Techno-Jodel. Mit einigen eingebauten Leidens-Breaks.
Und dann nennen wir das Ganze Chocolate Sumo oder so ähnlich. Oder wir schicken gleich wieder Vanilla Ninja.

Einen Platz in der Auswahljury fürs nächste Jahr fordernd:

Natollie

Liebe Leserschaft,

Aber vielleicht hat ja auch 20Minuten-Leser P.Ulmer recht, wenn er schreibt:

„Gut so!
Bobo hat GOTT gelästert und bekommt daher auch keinen Segen. Das gilt der herunter gekommenen Schweiz genauso. Lest mal die Bibel und besinnt euch! Sex, Drogen und Sünde wie Homosexualität und Party beherrschen das leben. Traurig. Klar, ich bin ein Bünzli, lebe noch Mittelalter etc.“

So wird es sein. Der Beweis dafür ist sicherlich, dass weder der Transvestit aus Dänemark, der aus einer Aids-Schleife steigende Österreicher noch die Party-Polen weitergekommen sind. Alles Sünde, und Sünde hat beim ESC nichts zu suchen!!!
(P. Ulmer: Freuen Sie sich auf den ukrainischen Beitrag im Finale!)

Meine Fehler einsehend, Besserung gelobend und nie mehr ESC guckend:

Natollie

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