Ausflügli…

…oder auch wie der arme Ehemann dazu gezwungen wurde, seinen freien Tag mit mir durchs Zeckengefahrgebiet streifend zu verbringen.

Mir fällt im Moment gerne mal die Decke auf den Kopf zuhause. Also nicht wörtlich, der Zustand unserer Wohnung ist intakt, und unser Nachbar oben vollführt auch nicht jede Nacht einen mehrstündigen Blutpogo, der den Putz zum Bröckeln bringen würde.

(Über die letztnächtliche unfreiwillige Unterhaltungsepisode aus der WG unter uns schreibe ich jetzt nicht extensiv, nur so viel sei gesagt: Gesangsstunden, Gitarrenunterricht und kurzfristiger Alkoholentzug wären eine super Idee. Und bitte auch ein lebenslängliches „American Pie“-Singverbot. Danke.)

Nee, das Problem ist eher, dass da eine Perspektive war, die jetzt keine mehr ist. Wer sich darauf eingestellt hat, ein Kind zu bekommen, der fällt gerne mal in diverse Löcher, die da wären:

– Die Trauer um das verlorene Lebewesen
– Die Frustration des Versagens (das per se ja nicht vorhanden ist, aber manchmal reitet einen dieser Teufel eben schon)
– Die Verwirrung über die eigenen Gefühle
– Die Genervtheit über den eigenen Körper, der sich nur langsam erholt und einen deswegen quasi in der eigenen Wohnung einsperrt
– Die Schuldgefühle, weil man nicht so offen jammert und leidet wie die ganzen anderen „Sternchenmütter“ in Internetforen. Bin ich gefühllos? Bin ich oberflächlich? Verdränge ich alles nur und breche dann später zusammen?

Und so weiter, und so fort. Man sitzt halt da und denkt nach und dreht sich psychisch im Kreis. Und das ist nicht immer angenehm. Deswegen ist Ablenkung super. Und darunter leidet halt dann der Ehemann, der sich vermutlich auf einen geruhsamen Fronleichnamsfeiertag gefreut hat und stattdessen mit einer unternehmungslustigen Frau konfrontiert wurde, die alles wollte nur nicht zuhause bleiben.

Okay, nicht ganz alles wollte sie. Ins Kino wollte sie zum Beispiel nicht. Ich hab nämlich derzeit keinen Bock auf schlechte dritte Teile einer Trilogie, bei der ich schon den zweiten Teil dämlich fand. Sprich: „Pirates of the Caribbean“ kann mir derzeit gestohlen bleiben. Immerhin fing meine Fehlgeburt während „Spiderman 3“ an, ich will also gar nicht wissen, was Captain Jack Sparrow alles hervorrufen könnte.

Meine Vorschläge zum Thema Unternehmung waren: Strasbourg oder Steinwasenpark. Aber Strasbourg war irgendwie auch doof, denn eigentlich reicht es mir schon mit dem derzeitigen Frustfressen, da muss nicht noch Frustshoppen dazu kommen. Also Steinwasenpark. Armer Ehemann.

Hier eine kurze Erklärung zum Thema Steinwasenpark für alle, die das Ding nicht kennen: Es handelt sich dabei um eine Art Miniminiminieuropapark meets Tierpark. Anders gesagt: Es gibt zwei pseudospannende Achterbahnen, eine Freiluftsommerrodelbahn, eine schlechte Kopie des Europapark Fjord Raftings und eine kurze Reise durch den Schwarzwald in Form einer beschaulichen Tuckerbahn, die durch diverse offensichtlich von Achtklässlern nachgebaute Pappsehenswürdigkeiten der Gegend gondelt. Und durch die Hölle. Ach ja, den Eisweltachterbahnsimulator gibt es auch noch, der ist ganz nett, aber in der Welt von Schnee und Eis und gruseliger Kälte war es irgendwie wärmer als in der Schwarzwaldhölle.

Hm, was gab es noch? Ganz viele Familien mit Kindern. Interessanterweise macht es mir nichts aus, Kinder, Babies oder Schwangere um mich herum zu haben, aber mein Gefühl sagt mir: Solange ich sie dermassen bewusst wahrnehme, ist eben noch nicht alles in Butter. Wäre ja vermutlich auch etwas verfrüht.

Und dann gab es eben noch die Tiere. Dazu musste man den Berg hoch und wieder runter. Was sich für mich als physischer Härtetest entpuppte, den ich aber bestanden habe. Meines Erachtens habe ich mich folglich von den körperlichen Strapazen der letzten Wochen erholt, ob dies wirklich der Fall ist, wird sich beim Frauenarztbesuch nächste Woche zeigen.

Kleiner Einschub am Rande: Letzten Donnerstag musste ich übrigens auch noch zum Arzt. Brust-Ultraschall, weil die Frauenärztin bei der Erstuntersuchung einen Knoten gefunden hatte. Entwarnung: Es sind nur Zysten. Zum Glück. Das hätte es nämlich nicht auch noch gebraucht.

Aber zurück in den Steinwasenpark: Wir sind also hoch und runtergekraxelt, haben Tiere geguckt und grundsätzlich die frische Luft und die Natur genossen. Also ich zumindest. Der Mann musste ja mit. Aber dafür durfte er depperte Fotos von mir machen, und somit komme ich zum eigentlichen Grund dieses Eintrags:

Eigentlich wollte ich nur doofe Fotos verlinken.

Was ich hiermit gemacht habe.

Und zusammengefasst: Es geht mir meistens gut. Manchmal geht es mir beschissen. Aber das ist mein Recht und ausserdem völlig okay. Nicht dass ich es toll finde, aber es zeigt mir, dass ich nicht gefühllos bin, sondern dass ich lediglich nach meinem eigenen Rhythmus trauere. Und wann, wenn nicht in meiner Situation, sollte man denn sonst einfach nach Gefühl vorgehen?

Eben. Aber das nächste Mal darf trotzdem der Ehemann aussuchen, was wir an seinem freien Tag machen.

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