Das Herz hat keine Ohren

Jeder hat so „seine“ Songs. Lieder, die einem wahnsinnig viel bedeuten, sei es weil man sich im Text wiederfindet oder weil man sie durch ein geliebtes Wesen kennen gelernt hat oder auch, und hier beginnt das Problem, weil man sie während einer bestimmten Zeit dauernd gehört hat.

Denn wer sich so wie ich gerne mal vom Radio berieseln lässt, der wird von deren Playlist ab und zu hinterrücks überfallen. Die spielen dann irgendeinen Scheiss dermassen oft, dass er irgendwann der symptomatische Soundtrack für eine ganze Zeitspanne ist.

So assoziiere ich noch heute Mariah Careys „Dreamlover“ mit meinem ersten Macker – obwohl der beileibe kein Traumliebhaber war – , nur weil der Song in der H&M-Filiale, in der ich damals arbeitete, zu der Zeit rauf und runter lief. Und wer will schon Mariah Carey mit irgendetwas assoziieren? Eben.

Das aktuelle Beispiel ist auch wieder sowas. Im Monat Mai, also dem Monat mit Kind, hatte SWR 3 nichts besseres zu tun, als dauernd einen Song zu spielen, den ich doof fand, immer noch doof finde und vermutlich immer doof finden werde. Aber er lief halt so oft, dass er mich jetzt, jedes Mal wenn ich ihn höre, an die Zeit erinnert, als ich schwanger war. Und ich mag doch nicht wegen eines Songs weinen, den ich strunzblöde finde – ach Wumpeklumpe, musste es denn ausgerechnet dieses Lied sein?

Hrmpf. Das Herz hat keine Ohren, ihm ist es egal, wie etwas klingt, Hauptsache die Töne rufen Erinnerungen hervor, ob gut oder schlecht, das Herz unterscheidet da nicht.

Aber muss es denn ausgerechnet Rob Thomas sein?

Bei der nächsten Schwangerschaft höre ich nur noch CDs. Dann kann ich mir den Ohrwurm wenigstens selbst aussuchen.

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