Apropos Zeichen

Wir waren letzten Samstag bei einer kirchlichen Hochzeit. Vor uns sass eine Familie: Vater, Mutter, Sohn, Tochter, letztere geschätzterweise so fünf Jahre alt oder weniger – ich bin eine sehr schlechte Schätzerin.

Auf jeden Fall war das Mädchen eher gelangweilt, was ja auch verständlich ist, in dem Alter kann man mit solchen Zeremonien noch nicht viel anfangen und Jungs sind in der Phase noch nicht mal ihhh bähhh, sondern halt Spielkameraden, mit denen man garantiert nicht im weissen Kleid stundenlang dumm in einer Kirche rumstehen und nur reden würde, wenn man gefragt wird.

Also fing die Kleine an, selbst für Unterhaltung zu sorgen. Erst mal war sie völlig fasziniert davon, dass es vorne an der Kirchenbank Aufhängemöglichkeiten für Mamas Handtasche gab. Die mussten natürlich gleich mal alle durchprobiert werden.

Ich zum Ehemann, Flüsterton: „Siehst du, Schatz – die Sache mit dem weiblichen Handtaschenfimmel ist schon frühkindlich.“

Dann musste man natürlich – Handtasche elegant über die Schulter drapiert, denn das passiert bei Frauen instinktiv – über die Banklehne hinüber auf die nächste Bank klettern, um zu gucken, ob es da auch so tolle Aufhängevorrichtungen gibt. Nachdem dieser innenarchitektonische Aspekt des Gotteshauses zur Genüge erforscht war, beschloss Papa schliesslich, das Mädchen hochzuheben, um weitere Exkursionen zu verhindern.

Worauf das Kind begann, an den Klettverschlüssen seiner Sandalen herumzufingern.

Ich zum Ehemann, Flüsterton: „Der weibliche Schuhtick übrigens auch.“

Mit einer unvergleichlich aufreizenden Langsamkeit beschloss die Kleine nun, die Lasche ihrer Sandalen zu öffnen. Was bei Klettverschlüssen bekanntlich mit einer gewissen Geräuschkulisse verbunden ist. Anders gesagt:

Rrrrrrrrrrrrrrrrrrraaaaaaaaaaaaaaattttttttttttttschschschschschsch.

Dann hielt das Mädel sein erfolgreich entferntes Schuhwerk triumphierend in die Höhe.

Ehemann zu mir, Flüsterton: „Es ist ein Zeichen! Folgt der heiligen Sandale!“

Dem obigen „Rrrrraaaaaattttschschsch“ folgte daraufhin ein mehrminütiges „Chrmihihihihihihöhöhöhühühühümmm“ aus meiner Richtung.

Der frühkindliche Kichertick ist eben auch weiblich.

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