Dr Schnäuscht Wäg Nach Worb

Wer schon mal morgens mit einem Beyeler zu tun hatte, der weiss: Es muffelt der Morgen. Und schon gar nicht sollte man einen Beyeler aufwecken. Das ändert sich auch nicht, wenn der Beyeler mittlerweile Springhart heisst. Der morgendliche Abschiedskuss an meinen Mann wird meinerseits gerne von irgendeinem granteligen Geräusch oder einem geraunzten „Schlaaaaafen!“ begleitet. Tut mir leid, Schatz!

Mein Göttergatte hingegen ist immer ein Ausbund an Höflichkeit, auch wenn er zu wenig geschlafen hat oder unsanft geweckt wurde oder eigentlich wirklich überhaupt noch nicht aufstehen mag.

Also, ausser er schläft gerade wirklich. Dann erzählt er mit einer hemmungslosen Selbstsicherheit sondergleichen Quatsch und lässt sich von seiner Sicht der Dinge nicht abbringen, auch wenn er ganz offensichtlich faktisch komplett falsch liegt. Und zur Diskussionsbeendigung greift er dann sogar zu Beleidigungen, wie ich letzte Nacht festgestellt habe.

Ich elaboriere mal.

Irgendwann nach zwei Uhr nachts, ich bin gerade während der Übertragung eines olympischen Feldhockeyspiels eingedöst, als ich von einem „Gröhöhuuurrrmpf!“ von links geweckt werde. Solche Laute versprechen gerne mal gleich folgende Traumplauderei ehemannseits, also horche ich auf. Und siehe da, alsbald ertönt auch schon dieser mysteriöse Satz: „Doch, nein, vielleicht!“

Nun bin ich ja bekanntlich sehr neugierig, also stupse ich den Ehemann an und frage nach, was genau er meint (ja, man kann sich mit ihm unterhalten, wenn er schläft, auch wenn es eher kurze und eher sinnfreie Konversationen sind). Er murmelt etwas von „Die Bären.“
Ich: „Die Bären?“
Er dreht sich schlagartig um und guckt mich an, aber nicht an, weil er eigentlich noch völlig im Traum gefangen ist: „Die Bären da.“
Ich: „Äh, welche Bären?“
Er (schon leicht entnervt): „Nicht Bären, Bäääären!“
Ich: „Ja, welche Bären?“
Er (entnervter): „Nicht Bären, Bern!“
Ich: „Bern?“
Er (völlig entnervt, dass er mir diese total offensichtliche Tatsache auch noch erklären muss): „In Bern! Die Leute, die an der U-Bahnhaltestelle in Bern warten! Dumpfbacke!“

Und dreht sich schmollend weg. Und schläft weiter.

Nun ist es so, dass wir einander gerne mal „Dumpfbacke!“ nennen, allerdings meistens im wachen Zustand und dann nicht in diesem ernstgemeinten Tonfall, sondern im liebevollen Scherz. Ich liege also da und bin innerlich empört und mosere vor mich hin, wecke den Herrn aber nicht nochmal auf, um mich zu beschweren.

Denn erstens kann man ja nichts für das, was man im Traum so sagt (und nein, ich will jetzt keine Analysen des Unterbewussten, danke sehr!), zweitens will man einen entnervten Träumer nicht noch weiter nerven, und drittens wäre er in diesem Zustand sowieso nicht empfänglich für die wichtigste Wahrheit, die ich ihm aufgrund seiner Aussagen gerne um den Kopf hauen würde. Also schweige ich still und döse dann wieder ein.

Aber die wichtige Wahrheit sei jetzt und hier doch noch festgehalten:

Schatz. Es. Gibt. Keine. U-Bahn. In. Bern.

(Aber es gab mal ein Bähnli nach Worb, nur so als Erklärung zum Titel…)

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3 Gedanken zu “Dr Schnäuscht Wäg Nach Worb

  1. Eigentlich frage ich mich immer noch, warum das blaue „Bähnli“ Bähnli heisst, es ist doch eher ein Tram oder nicht?! Oder wie siehst du das?

  2. Ich glaube das war damals ein Bähnli der damaligen SZB (heute RBS), aber ob das blau war, weiss ich nicht. Vielleicht fuhr das früher mal durch die Stadt Bern statt via Untergrundbahnhof? Ich meine mich auch vage zu erinnern, dass die SZB-Bahn gaaaanz früher nicht über den Bahnhof Oberzollikofen, sondern direkt der Bernstrasse entlang fuhr. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. 😉

    (Und nein, ein Untergrundbahnhof macht noch keine U-Bahn! *g*)

  3. Ach so! Könnte sein! Ja, ich glaube die SZB-Bahn fuhr früher die Bernstrasse entlang. Meine Mutter hat es mir einmal erzählt.
    Und nein, ein Untergrundbahnhof macht noch keine U-Bahn! 😉

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