Ei, Robot

Wir waren ja in Prag zweimal im Kino. Einmal The Dark Knight und einmal Wall-E.

Ersterer war sehr gut, aber wie ich erwartet hatte halt doch nicht der epochalste Film dieser Epoche, sondern einfach eine gut gemachte Comic-Verfilmung mit viel Action. Heath Ledger lieferte eine Performance ab, bei der ich nicht dachte „Wow, was für ein guter Schauspieler!“ sondern „Boah, der Joker ist ja echt eine sehr… krasse Gestalt.“ Die Figur erinnerte mich in ihrer puren, grundlosen Boshaftigkeit etwas an Top Dollar aus The Crow -man vergleiche folgende Aussagen der beiden Charaktere:

Joker: „Introduce a little anarchy. Upset the established order, and everything becomes chaos. I’m an agent of chaos. Oh, and you know the thing about chaos? It’s fair.“

Top Dollar: „Greed is for amateurs. Disorder, chaos, anarchy: now that’s fun!“

Natürlich ähneln sich die Filme auch in der Dunkelheit ihrer Bilder und leider Gottes auch in der Tragik der Schicksale ihrer Schauspieler: Heath Ledger, Brandon Lee, beide so früh gestorben, dass sie nie ihr volles Potenzial erreicht haben – obwohl Ledger natürlich der grössere Mime war und ein beeindruckenderes Resümee aufweisen kann. Ich mag The Crow trotzdem lieber als The Dark Knight, die Geschichte geht mir näher. Mal abgesehen davon, dass Brandon Lee als Krähe seine Stimme nicht so doof verstellen muss wie Christian Bale als Fledermaus.

Aber eigentlich wollte ich ja von Wall-E berichten. Ratatouille hatte mich als letztes Pixar-Werk nicht vollends überzeugt. Die Figuren waren mir einfach nicht sonderlich sympathisch, und die zeichnerische Art, wie die Menschen in dem Film portraitiert wurden, sprach mich nicht an. Ratatouille war der erste Pixar-Film, der mir nicht ans Herz ging. Und jetzt Wall-E? Ein Roboter? In einem Universum, das – so sah es zumindest im Trailer aus – offensichtlich von Apple beherrscht wird? Nun ja. Das konnte ja was werden.

Wurde es auch. Und zwar ein sehr niedlicher, sehr berührender und sehr lustiger Film, der zwar auch wie so viele Familienmovies derzeit eine schon fast mit dem Vorschlaghammer servierte umweltschützerische Message an die Zuschauer heranträgt, dies aber sehr viel eleganter tut als z.B. Happy Feet, der sich ja mit seinem fürchterlich dämlich dargestellten Ende so sehr selbst sabotiert hat, dass ich darob fast die wirklich reizende Pinguingeschichte verdränge, wenn ich an den Film denke.

Wall-E zeichnet sich nicht nur durch eine nette Story, sondern auch durch diese kleinen Gags am Rande aus, die einen dazu bringen, den Film nochmal sehen zu wollen. Und hier mochte ich eben auch wieder die Figuren von ganzem Herzen. Klar, bei Wall-E selbst mag das daran liegen, dass er das robotergewordene Ebenbild der E.T.-Puppe aus meiner Kindheit ist, aber Eve, die am ehesten als iBot zu beschreibende weibliche Hauptperson, hätte ich eigentlich angesichts meiner generellen Mac-Aversion ja wirklich nicht mögen sollen. Tat ich aber trotzdem. Und das spricht ebenso für den Film wie die Tatsache, dass in Wall-E so einige Witze über Dicke gemacht werden, die mich in einem weniger liebenswerten Werk vermutlich ziemlich in Rage gebracht werden, hier aber irgendwie überhaupt nicht böswillig rüberkamen.

Also, Pixar: Ich verzeih euch den Fehlgriff mit der Ratte ja schon und hab euch wieder lieb. Und das natürlich auch nicht zuletzt wegen dieser Geschichte.

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