Assistierende Oberlippe

So nennt man bekanntlich heutzutage – zumindest laut einem gaaaanz alten Witz – die Unterlippe. Eine Konversation gestern im Auto zu diesem Thema:

Ich: „Hab ich dir eigentlich schon erzählt, was die im Moment an Jobs im Europapark ausgeschrieben haben? Die suchen derzeit… ‚Explainer‘ fürs Science House!“
Er: „Explainer?“
Ich: „Explainer. Fürs Science House.“
Er: „Früher hiess das noch Erklärbär.“
Ich: „Tja, Schatz – in einer Welt, in der der Ulkbär zum Mond fliegt und der Li-La-Launebär keine Sendung mehr hat, ist der Erklärbär halt ein Explainer.“

Diese Unterhaltung schliesst sich übrigens nahtlos an einen verbalen Austausch vor ein paar Tagen an, als wir am Zappen waren und bei der aktuellen Bärenmarke-Werbung landeten. Falls die jemand nicht kennt: Der Bär ist jetzt computeranimiert und sieht ungefähr so aus wie auf der Bärenmarke-Homepage.

„Sakrileg!“ brüllte ich lauthals, mein Heulen und Zähneknirschen war gewaltig, und ich protestierte vehement, dass die Bärenmarke-Werbung früher viel besser war, als der Bär noch nicht ein CGI-Bär war. Der Beweis:

Also bitte. Kein Vergleich. Aber eben. Wir leben in einer Welt voller Explainer. Und als wir dann beim Weiterzappen noch auf das hier stiessen…

…rammte ich meinen Kopf wiederholt in die Sofakissen und liess dazu Wortfetzen wie „früher“, „alles“ und „besser“ erklingen. Ganz ehrlich: Für das Einzelschicksal von Bruno dem Bären mögen die Bayern zwar vernichtend gewesen sein, aber dem Image der Rasse an sich fügen meines Erachtens die CGI-Leute (und natürlich die Klingeltonmacher – oder nennt sich sowas heutzutage Handy-Soundbite-Development-Expert?) weit mehr Schaden zu.

Ich bin wirklich froh, dass mein Kindheits-Teddy das nicht mehr mitkriegt, weil er zuunterst in der Bettwäschetruhe lagert…

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