„…And after all, we are resilient creatures“

Lesenswert – zumindest für mich. Die Gründe dürften hinlänglich bekannt sein…

Es ist nun mal so: Nur weil man akzeptiert hat, dass etwas geschehen ist, tut es nicht zwingend gleich sofort nicht mehr weh. Ich für meinen Teil halte es immer noch für gesünder, Schicksalsschläge zwar wegzustecken, aber nicht zu verdrängen. Klar ist das im ersten Moment gerne mal mit einer „Fuck you karma, ich mach trotzdem weiter!“-Trotzreaktion verbunden, aber ganz ehrlich: Lieber trotzen als untergehen.

People act as if a miscarriage were a locatable event on a calendar, with a beginning, a middle and an end. But in fact it starts when you feel that first unmistakable twinge that something is totally wrong. It continues through the rough days of sorrow and deep cramps, and then it meanders through every single day of the rest of your whole stupid life. I will probably mourn about this miscarriage in some outwardly unremarkable way until I either have a healthy baby or die.

Mittlerweile sind knappe anderthalb Jahre seit meiner ersten Fehlgeburt vergangen, ein gutes Jahr seit meiner zweiten. Ich war mir beider Daten bewusst, ich habe sie zur Kenntnis genommen, mir die Trauer zugestanden, die mich an ihnen überfiel, aber ich habe sie nicht zelebriert, als ob sie ein besonderer Tag wären. Ich weiss, es gibt so einige Mütter von „Sternchenkindern“, wie sie in entsprechenden Internetforen gerne genannt werden, die am Jahrestag ihrer Fehlgeburt Kerzen anzünden oder ähnliche Würdigungsmomente durchführen. Jeder trauert für sich alleine und auf die Weise, die ihm am besten hilft – für mich wäre eine solche In Memoriam-Zeremonie halt nun mal nichts, sorry.

Warum auch? Meine beiden Noch-nicht-wirklich-Kinder-aber-doch-schon-Kinder sind auch an jedem anderen Tag tot.

Und nein, damit will ich anderen trauernden Müttern nicht unterstellen, dass sie nur an diesen Jahrestagen an ihren Verlust denken – ihnen wird es vermutlich genau so wie mir gehen, genau so wie es allen Überlebenden einer persönlichen Lebenskatastrophe geht. So nämlich, dass sie völlig unerwartet im Alltag daran erinnert werden und ohne Vorwarnung mit den Gefühlen konfrontiert werden, die in dem Moment über sie hineinbrechen.

Meine – zugegebenermassen mühsam durch ebendiese und andere Erfahrungen akquirierte – Meinung ist ja: Das ist, so hart es in dem Augenblick ist, auch gut so. Denn wirklich verarbeiten kann man Dinge nur, wenn man sich ihnen dann stellen muss, wenn man es gerade nicht will. Wenn einem das Schicksal mit den Worten „Hier hast du, kau mal daran!“ einen Erinnerungsknüppel zwischen die Beine wirft und man erst mal stolpert und vielleicht sogar hinknallt. Klar, man kann dann erst mal liegenbleiben, sich das Knie reiben und lamentieren. Mach ich doch auch.

Aber dann halt: Aufstehen, weitergehen, Knüppel nicht ignorieren und liegenlassen, sondern mitnehmen. Als Gehhilfe meinetwegen. Oder als Snack für unterwegs. Hauptsache weitergehen.

Und: Zurückschauen, aber nicht umdrehen.

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Ein Gedanke zu “„…And after all, we are resilient creatures“

  1. Ach, du tust mir sooo leid! Und dein Liebster auch. Ich hoffe, dass ihr schon bald eine Menge Kinder kriegt! Na ja, allzu viele vielleicht doch nicht.

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