Jaja, book, cover, judging, bla bla bla

Hat ja vermutlich mittlerweile jeder gesehen, ich poste es jetzt auch noch mal, einfach weil ich dazu einiges zu sagen habe.

Hier – ich kann das Ding mal wieder nicht einbauen, liegt aber nicht an mir, ehrlich. Erst angucken, dann weiterlesen.

„I’ve never been married, never been kissed…Shame! …But that’s not an advert!“ Abgesehen davon, dass ich natürlich geheult habe wie ein Schlosshund beim Betrachten des Videos, habe ich mittlerweile, nach einigen Minuten Bedenkzeit, vor allem eine Reaktion:

Das macht mich dermassen wütend. Echt jetzt. Stinkesauer. Denn bitte: In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, dass wir (und ja, ich nehme mich da nicht im Geringsten aus) grundsätzlich mal davon ausgehen, dass jemand, der halt so der klassische Otto (oder in diesem Fall Ottilie) Normalverbraucher-Typ ist, der nicht dem Star-Klischee „jung, hübsch, schlank, selbstbewusst“ entspricht, sowieso nichts kann? Ist es nicht eine verdammte Frechheit, dass sich Susan Boyle als erstes gleich mal der kollektiven Schadenfreude stellen muss, bevor sie überhaupt anfangen kann? Und danach wird sie natürlich abgefeiert und alle jubeln, als ob sie selbst irgendetwas geleistet hätten, weil hey, da ist jemand, der ist so wie wir, aber der kann was, also sind wir auch gleich mal wer. Das alte Wir sind Papst-Phänomen halt, mit positiven Schlagzeilen identifiziert man sich so viel leichter als mit negativen, da war es dann mal wieder jemand anderes. Wir haben gewonnen, man hat unentschieden gespielt, sie haben verloren.

Klar, Castingshows lieben Underdog-Stories. Siehe Paul Potts (dessen „Nessun dorma“ mich übrigens nie überzeugt hat, sorry) – da kommt zum Papst noch gleich Aschenputtel dazu, und natürlich, ich verstehe ja auch total, dass wir diese Geschichten alle toll finden, denn wenn die da oder der da es schaffen, dann schaffen wir selbst es vielleicht auch, nicht wahr? Bloss: Die da schaffen es eben gerade, weil sie sich der möglichen Schadenfreude der Welt stellen und sagen „Scheiss drauf, lacht mich aus, ich hab es wenigstens gewagt!“ , die bleiben nicht am Kamin sitzen, sortieren Erbsen und warten auf ihren Prinzen. Was Aschenputtel ja auch nicht gemacht hat, die war ja auch ganz schön mutig mit dem Wagnis, in Glaspantoffeln tanzen zu gehen – womit dieser Vergleich irgendwie sinnlos ist, aber man versteht schon, was ich sagen will, oder?

Nicht? Nun gut, dann dies als unbrauchbare Zusammenfassung: Vielleicht sollten wir alle etwas mehr auf unsere innere Susan Boyle hören und weniger auf die Welt um uns rum, die den Susan Boyles erst dann zuhört, wenn sie tatsächlich singen können.

Wobei es sicher auch nicht schadet, sich offen einzugestehen, dass man vielleicht keine Susan Boyle ist (was in meinem Fall jeder, der mal zugegen war, wenn ich Singstar gespielt habe, bestätigen kann), und dass daran auch nichts Schlimmes ist. Es braucht ja auch Leute, die den Susan Boyles dieser Welt zujubeln. Ohne sie bereits beim Betreten der Bühne vorzuverurteilen.

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