Somebody got a nose job

Ich geb’s ja zu: Ich mag meine Nase nicht. Mittlerweile kann ich mit ihr leben, als Teenie bzw. Bis-und-Mittzwanzigerin hätte ich aber zugegebenermassen zu gerne eine Nasen-OP gehabt. Das war allerdings damals noch keine so alltägliche Sache wie heute, und wie gesagt: Dieser Tage denk ich mir „Mei, ich kann riechen, ich kann atmen, ist also alles funktionstüchtig, das reicht doch“. Ein anderes Familienmitglied jedoch musste sich kürzlich diesbezüglich unters Messer legen.

Und das kam so: Wir sind schuld, wir sind doof, wir haben Nibblers Hitzetauglichkeit schlichtweg unterschätzt. Wir waren vor gut zwei Wochen mit ihm abends auf der Hundewiese, bei Temperaturen, die so um die 25 Grad herumdümpelten, uns schien es frisch, aber unsere kritische Masse befindet sich ja auch etwas weiter weg vom Boden als Nibblers, der konnte also das laue Lüftchen nicht wahrnehmen, das uns umspielte. Und wie es halt in solchen Situationen so ist: Ausgerechnet an dem Tag war auf der Hundewiese Hochbetrieb und ausgerechnet an dem Tag wollten alle anwesenden Hunde mit Nibbler spielen, der seinerseits sowieso schon aufgedreht war, da wir ihn während der heissen Zeit halt gerne mal rassenproblembedingt drinnen statt draussen beschäftigen und die Gassigehzeit tagsüber deswegen relativ kurz gehalten wird.

Nibblerchen also zappelig wie Hulle, überglücklich und nicht geneigt, den Rufen und Ratschlägen von Herrchen und Frauchen zu folgen. Fing dann so heftig an zu hecheln, dass der Ehemann ihn kurzerhand getragen hat, davon wurde es auch nicht besser, im Gegenteil: Als wir beim Auto angekommen waren, war uns klar, der Herr muss gleich mal in die Klinik.

Zu den fünf Minuten Autofahrt dahin sag ich nur eins: Ich wünsche es niemandem, wirklich niemandem, dass er oder sie mal mitansehen muss, wie das geliebte Haustier fast erstickt und dessen Zunge langsam blau wird.

In der Klinik wurde Nibbler dann gleich untersucht und runtergekühlt, er hatte sich ganz klar überhitzt (wie ich sagte: Wir doof. Wir schuld. Es gibt keinen Vorwurf, den man uns machen kann, den wir uns nicht selber schon zig Mal gemacht haben, und nein, es gibt auch keine Entschuldigung dafür) und sollte über Nacht dortbleiben. Der Tierarzt meinte dann, er würde ihn morgen gleich untersuchen, und falls er die Bullybesitzern nur allzu bekannten Brachyozephalie-Problematiken in Nibblers Anatomie feststellt, dann auch gleich eine Operation vornehmen.

Hier mag der rational denkende Mensch, der diese Geschichte liest und sich mit französischen Bulldoggen auskennt, vielleicht der Meinung sein, dass das mit der OP doch völlig überstürzt sei, man darüber hätte nachdenken müssen und überhaupt.

Damit liegt der rational denkende Mensch natürlich richtig.

Nur: Unser Nibbler lag da keuchend und röchelnd auf dem Untersuchungstisch. Rationalität war in diesem Augenblick so ziemlich das allerletzte Thema, mit dem wir uns mental hätten beschäftigen können.

Und ja, am nächsten Tag hätte ich dann ein paar Fragen zur bevorstehenden OP gehabt… wenn wir den Arzt vor dem Eingriff ans Telefon gekriegt hätten. Es kam aber natürlich mal wieder anders, und bis wir jemanden in der Tierklinik erreicht hatten, war Nibbler schon wieder am Munterwerden und hatte eine minime Gaumensegelkürzung sowie eine Nasenlöcher- und Nasenerweiterung hinter sich.

Am Freitagabend konnten wir ihn dann abholen, er hatte sich da schon bestens erholt, das gesamte Klinikpersonal bezirzt und war glücklicherweise nicht im Geringsten traumatisiert (was ein unschätzbarer Vorteil seiner manchmal durchaus lästigen Eigenart ist, das Gedächtnisvolumen eines Goldfisches zu besitzen).
Uns wurden dann noch Fotos von Nibblers Nasenhöhle gezeigt, und ganz ehrlich: Da hätte keiner durch atmen können, da war irgendwie alles verknorpelt und zugewachsen. Zum Video der Nasen-OP, das uns der Arzt auch noch vorgeführt hat, kann ich nicht viel sagen – ich vertrage ja sonst ziemlich viel (CSI-Guckerin), aber wenn es dann darum geht, dass meinem süssen kleinen Nibblibibblischniepelpiepel in der Nase rumgesägt wird… nun ja, ich musste mich mit dem Hinweis auf Schwangerschaftsübelkeit abwenden (nein, nicht zum nächstbesten Abfalleimer hin, so schlimm war es dann doch nicht).

Das ist jetzt wie gesagt gut zwei Wochen her, am Freitag waren wir bei der Nachkontrolle, alles gut verheilt, alles kein Problem, alles bombig.

Und wie geht es dem kleinen Lord denn nun?

Ich kann es noch nicht genau beurteilen, ehrlich gesagt, denn einen Belastungstest haben wir natürlich bisher vermieden. Was aber jetzt schon klar ist: Er kann endlich durch die Nase atmen. Man merkt es beim Spielen, beim Schlafen (obwohl er jetzt halt einfach neue Schlafpositionen findet, in denen er ohrenbetäubend schnarchen kann), beim Gassigehen draussen (die tägliche Runde dauert einiges länger, wenn man so viel mehr in sich reinschnuppern kann) und grundsätzlich immer wieder, wenn einer von uns den anderen fragt: „Wo in der Wohnung ist denn der Hund?“ Kurz: Nibbler ist eindeutig geräuschloser. Er erholt sich auch besser von der Wärme draussen, wenn man vom Kurzspaziergang zurückkommt, er kühlt offensichtlich besser runter und scheint generell etwas an Lebensqualität gewonnen zu haben. Wie viel mehr, wird sich in der Zukunft zeigen, vermutlich schon in der näheren Zukunft, da wir – natürlich unter strengster Kontrolle und mit den grösstmöglichen Vorsichtsmassnahmen – am Freitag in Richtung Urlaub an der Nordsee aufbrechen. Die Temperaturen und das Klima dort sollten Nibbler entgegenkommen, und den einen oder anderen Hundestrand gibt es dort ja auch…

Damit man sich vorstellen kann, was zumindest aussenrum an Nibbler geschnibbelt wurde, hier ein Vorher-Nachher-Bild. Nicht erschrecken, das Nachherfoto wurde am Freitagabend nach der OP gemacht, inzwischen ist der Herr vollständig abgeschwollen und man sieht nur noch zwei zartlila Ränder an seinen Nasenlöchern (Ich so: „OH MEIN GOTT MEIN HUND WIRD VIOLETT ER FAULT VON INNEN HERAUS… Oh, das sind ja die Fäden.“), und er selber ist offensichtlich der Meinung, er habe schon immer so ausgesehen und sei natürlich nach wie vor der schönste Sowieso von Hüben und Drüben. Ist er natürlich auch.

Äh ja, das Vorher-Nachher-Bild. Hier (sorry, musste das noch bearbeiten, klappte irgendwie mit dem Thumbnail nicht):

vorhernachher1

Und ja, die Nase sieht jetzt ein bisschen aus wie die Steckdose im Hintergrund, das erklärt aber trotzdem nicht, warum unser Hund gerne mal unter Strom steht (also nicht nur, wenn er bei einer Landpartie aus Versehen zu nahe an den elektrischen Viehzaun gerät…). Und wie gesagt: Ihn irritiert das gar nicht. Er hat auch nicht daran rumgekratzt oder sonst irgendwie den grossen Leidenden markiert, im Gegenteil: Ich hatte die letzte Zeit alle Hände voll damit zu tun, einen überschwenglichen Hundeteenie davon abzuhalten, sich körperlich zu überfordern. Was, wie mir jeder, der das auch schon musste, sicherlich bestätigen kann, ein nie enden wollender Spass ist. Also, nie enden wollend ist es zumindest…

So sieht die neuste Nachrichtenlage also aus hier. Würden wir noch einmal so vorgehen? Natürlich würden wir unseren Hund unverzüglich in die Klinik bringen, und ja, vermutlich würden wir auch dann einfach nur panisch nicken, wenn uns der Tierarzt etwas von einer OP erzählt. Das liesse sich schlichtweg nicht vermeiden, da fehlt uns in solchen Momenten einfach das klare Denkvermögen, bzw. ich stecke den Ehemann dann mit meiner Panik an, der ist ja sonst mehr so der rationale Typ. In jeder anderen Situation hätten wir sicher Bedenkzeit verlangt, Rücksprache mit diversen Leuten gehalten und uns das Ganze nochmal gründlich überlegt. Es bringt aber schlussendlich nichts, mit Was, Wäre und Wenn rumzuspielen, es ist nun mal so gelaufen, wie es gelaufen ist, und ganz ehrlich:

Dem Hund geht es jetzt besser als vorher.

Was zählt denn sonst?

Und mit dieser ausnahmsweise nicht lustigen Geschichte verabschiedet sich unser tapferer kleiner Held in die Sommerpause, in der Hoffnung, mit vielen tollen Abenteuern und hübschen Bildern im Gepäck aus dem Urlaub zurückzukommen. Hier schon mal ein Sommerfoto des Herrn noch mit Originalnase, als Überbrückung.

wiese

Ach ja, und von dem anderen kleinen Mitbewohnerchen hier sollte es vermutlich so zur Wochenmitte hoffentlich auch wieder Neues geben…

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Ein Gedanke zu “Somebody got a nose job

  1. Heisst das jetzt, dass er nicht mehr grunzt?! Ich habe vollstest verständnis, dass ihr so reagiert habt und ich hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt bezüglich der Op. Wünsche dem kleinen Racker eine schnelle Erholung und gut schnuppern! Und euch ganz schöne Ferien!!!! Auch von Boby..

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