Die Sache mit dem Mitbewohner

Ich werde ja gerne mal gefragt, wie das so ist, das Schwangersein. Ich kann natürlich nicht über „das Schwangersein“ an sich referieren, aber über mein Schwangersein – na klar, da hab ich einiges zu sagen.

Also: Ich bin jetzt im siebten Monat. Mondmonatstechnisch gesehen allerdings schon im achten. Ist alles etwas kompliziert: Eigentlich rechnet man ja in der Schwangerschaft die Monate in Vier-Wochen-Schritten (Mondmonate eben), d.h. man ist dann eigentlich zehn Monate schwanger. Da das aber vermutlich für Nicht-Schwangerschaftserfahrene etwas verwirrend ist und unser Kind ja für Anfang Januar angesagt ist, rechne ich öffentlich eher in normalen Monaten, d.h. im Oktober bin ich im siebten Monat, im November im achten und im Dezember im neunten. Oder ich nenne halt die Schwangerschaftswoche (derzeit: 29.), und dann kann der Fragende selber rechnen.

Was sich in den letzten Wochen sehr deutlich entwickelt hat, ist mein Bauch. Vorher hat ja vorwiegend der etwas weiter oben angesetzte Vorbau zugelegt (interessanterweise mittlerweile nicht nur die Körbchengrösse, sondern auch die Unterbrustweite, und wenn ein BH dort nicht sitzt, kann das wirklich schmerzhaft werden…), was vielleicht für eine Frau mit A- oder B-Körbchen ein schönes Erlebnis ist, für meinereiner aber eher bedeutet, dass ich dann spätestens für den Still-BH ins Spezialgeschäft muss. Und eben, auch in Sachen Bauch war dann doch mal Shopping angesagt, denn die Hosen passen echt alle nicht mehr, gerade um den Bauchnabel herum ist das sehr unangenehm – der juckt sowieso immer wieder. Ich freu mich ja dann schon darauf, dass er rausploppt, denn ich habe einen seeeehr tiefen Bauchnabel und rechne in panischen Momenten jeweils damit, dass mir dann ein Rüssel vom Bauch runterhängt…

Ich werde ihn Rüssel Crowe nennen.

Also: Der Bauch ist da, und meiner Meinung nach mittlerweile recht gut als Schwangerschaftsbauch zu erkennen. Er scheint sich auch minütlich auszudehnen, irgendwie. Demnächst muss ich mir wohl einen Halbkreis in die Schreibtischplatte sägen, damit hier alles schön ergonomisch bleibt. Mich freut der Bauch ja gewaltig, denn endlich kann ich ihn mal raushängen lassen und mit engen Shirts betonen. Ha! Wobei, ganz ehrlich: Wer seinen Bauch seit über 20 Jahren einzieht, für den ist es eine ganz schöne Umstellung, das plötzlich nicht mehr zu tun, und ich rutsche dann gerne gleich ins Hohlkreuz…

…womit wir beim nächsten Aspekt wären: Die Beschwerden. Ich musste mich im ersten Schwangerschaftsdrittel ja nie übergeben, und auch die Schlappheit hielt sich in Grenzen. Dafür haben mich jetzt Rückenschmerzen, Magenbeschwerden und Sodbrennen erwischt. Wenn ich nicht genau so, wie ich will genau dort sitzen kann, wo ich will, krieg ich’s irgendwann mal heftig im Kreuz. Oder in den Schultern. Oder irgendwo dazwischen. Wenn ich zu scharf oder zu fettig oder sonstwie falsch gewürzt esse, krieg ich’s im Magen und in der Speiseröhre. Ist aber alles noch im erträglichen Rahmen, und Jammern befreit ja bekanntlich ungemein. Also ist dieser Absatz bitte als medizinische Massnahme und nicht als doofes Rumgeheule zu verstehen, danke sehr.

Und sonst so? Sonst so werde ich munter getreten und gehauen – nein, nicht nur von Nibbler, auch von Klein Krümel, der sich mittlerweile fröhlich mehrmals täglich meldet, vorzugsweise nach dem Essen, wenn er gegen oben in Richtung Magen tritt (wobei, bei der letzten Untersuchung war er in Beckenendlage, also sind das vielleicht doch Fausthiebe) oder bei einer vollen Blase, da haut bzw. tritt er dann jeweils kräftig rein, gerne mehrfach und mit ordentlichem Gusto. Weil eine Frau, eine schwangere Frau noch dazu, ja zusätzliche Motivation braucht, um aufs Klo zu gehen. Genau. Der Kleine zeigt sich aber gerne als Nachwuchsdiva, wenn es darum geht, seinem Vater seine Turnkünste vorzuführen – nur ein paar Mal haben wir es timingtechnisch bisher geschafft, dass der Ehemann seine Hand zum richtigen Zeitpunkt auf meinem Bauch hatte. Je nun, in der Wanne sind die Übungen mittlerweile nicht mehr nur spür-, sondern auch sichtbar. Hat etwas von Alien trifft auf die Glas-Wasser-Zitter-Szene aus Jurassic Park.

Aber trotz aller Entwicklungen, Fortschritte und Anzeichen hat eine Schwangerschaft – meine zumindest – halt immer noch etwas Unwirkliches an sich, und das wird vermutlich auch noch eine Weile bleiben, wahrscheinlich bis der Kleine da ist. Und dann wird es erst recht surreal… Immerhin haben wir schon ein paar der wichtigsten Anschaffungen getätigt: Einen Kinderwagen haben wir, ein Babybett auch (in dem schon diverse Springharts gelegen haben), einen Hochsitz für später ebenfalls, und in den nächsten Wochen wird dann noch mehr Babyausstattung gekauft. Ich mag da vielleicht etwas komisch sein, aber die nötigen Notwendigkeiten kaufe ich lieber selbst, die Verwandt- und Bekanntschaft darf uns dann mit den Unnötigkeiten beschenken (die gibt es übrigens hier zu sehen *hüstel*). Allerdings: Fassbarer machen diese materiellen Schwangerschaftsstatussymbole dieses Wunder in mir drin auch nicht wirklich.

Ach ja, und eins ändert sich im Laufe der Monate übrigens auch noch. 16./17. Woche: „Ach ja, Blähungen. Nee, Moment – Kindsbewegungen!“ 29. Woche: „Ach ja, Kindsbewegungen. Nee, Moment – Blähungen!“

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Ein Gedanke zu “Die Sache mit dem Mitbewohner

  1. Gegen Sodbrennen helfen ganz prima geschälte Mandeln. Einfach wenns brennt ein paar Mandeln gründlich kauen (und schlucken natürlich auch).
    Literaturtechnisch kann ich außerdem „Das Stillbuch“ vohn Hannah Lothrop wärmstens empfehlen! Ich hätte meine zwei kleinen Monster sicher nicht so erfolgreich ohne dem Wissen daraus gestillt.
    Gegen Rüssel Crowe und so kannst sanft mit Weizenkeimöl massieren (ist auch für den Beckenboden toll) – das macht alles schön dehnbar und ist die beste Prophylaxe gegen Risse (oben und unten!).
    Ansonsten: ja, es ist ein furchtbar aufregendes Abenteuer – wunderschön und ungeheuer lehrreich. 🙂

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