Worthülsen, aneinandergereiht…

Nibbler liegt schlafend zu meinen Füssen, und mir ist in diesem Moment sowas von absolut klar, wie glücklich ich mich schätzen kann. Mein Hund schläft. Aber er wird wieder aufwachen, wenn ich nachher vom Schreibtisch aufstehe. Mein Hund wird sich anschliessend zu mir ins Bett kuscheln. Nicht allen ist heute dieses Glück beschieden.

Vermutlich sollten andere an meiner Stelle jetzt und hier sprechen, Leute, die den kleinen Mann auch wirklich gekannt haben und ihn nicht nur in ihr Herz, sondern auch in ihre Arme geschlossen haben. Allein, mein Herz fliesst über, und ich muss schreiben. Ich bitte um Verzeihung, falls ich nur die falschen Worte finde – aber für mich gibt es an solchen Tagen keine richtigen…

Leb wohl, kleiner Cisco, der du heute von uns gehen musstest, weil es nicht mehr anders ging, weil dein armer Körper zu verletzt war, um noch heil werden zu können. Deine Besitzerin musste diese schwerste aller Entscheidungen für dich treffen. Sie musste dich um Deinetwillen gehen lassen, und sie hat es getan, weil es das Richtige war.

Ich habe so sehr für dich gehofft in den letzten Tagen. Gebangt, gewartet, und ja, gebetet, auch wenn das für den einen oder anderen unverhältnismässig klingt. Aber deine Geschichte hat mein Herz berührt, und nicht nur meins. Du hast während deiner letzten Zeit hier in unserer Welt so viele Leute bewegt, so viel Zusammenhalt ausgelöst, uns Beteiligten so sehr bewiesen, dass es eben doch noch diese Momente gibt, in denen alle zusammenspannen und einfach helfen, einfach da sind… vermutlich macht das den Schmerz umso grösser, dass du es nun trotz der ganzen positiven Energien und mutmachenden Gedanken, die in deine Richtung geschickt wurden, nicht geschafft hast.

Es sollte nicht sein.

Aber etwas hast du geschafft: Du hast uns allen gezeigt, was in uns steckt. Du hast das Beste aus uns herausgeholt, und für diese Erfahrung bin ich dir bei aller Trauer so unendlich dankbar. Du hast uns in deinen letzten Stunden etwas unsagbar Wertvolles geschenkt, kleiner Mann.

Ein Trost, vielleicht. Irgendwann. Für mich, die dich niemals kennengelernt hat und nur dein freches Gesicht von Fotos kannte, vermutlich viel eher als für deine Besitzerin. Ich kann mir ihren Schmerz nicht vorstellen, ich will es auch nicht. Bei dem Gedanken, dass dieses liebe kleine Fellwesen, das gerade unter meinem Schreibtisch im Schlaf grunzt, irgendwann nicht mehr sein wird, dreht sich mir buchstäblich der Magen um. Und das Herz, das Herz, es stockt, es windet sich, es will nicht wahrhaben, dass dieser Moment irgendwann bevorsteht, auch wenn der Kopf sagt: Er wird kommen. Nichts ist so sicher wie dies.

Wir hatten einen Moment im letzten Sommer, in dem ich dachte, ich verliere ihn, ich verliere meinen Nibbler… Ich durfte ihn behalten. Diesmal.

Deine Besitzerin musste dich heute gehen lassen, Cisco.

Ich hoffe es geht dir gut, dort wo du jetzt bist. Ich hoffe es tut nicht mehr weh. Ich hoffe du vermisst deine Besitzerin nicht zu sehr, und ich hoffe, dass all die anderen, die dort oben schon auf dich gewartet haben, dich mit so viel Liebe empfangen haben, wie du sie hier unten in deiner Lebenszeit erfahren durftest.

Und ich hoffe, dass sie, die dich heute verloren hat, die Trauer an sich heran lässt, sich die Zeit gönnt, deinen Verlust zu akzeptieren, und sich den Freiraum erlaubt, so zu trauern, wie sie es für richtig empfindet. Schwierige, dunkle Zeiten liegen vor ihr. Tage, in denen der Schmerz über deinen Verlust alles Glück überschattet, das du ihr gebracht hast. Ich wünsche ihr sehr, dass die Erinnerungen an dieses Glück wieder zu ihr zurückkehren. Aber jetzt ist noch nicht der Moment dafür.

Dies ist der Moment, in dem einfach alles nur weh tut. Der Moment, in dem man alles hinterfragt und gleichzeitig nichts mehr denken will.

Und natürlich auch der Moment, in dem Worte fehlen – auch mir. Mir sowieso. Deswegen nur noch dies:

Gute Reise, kleiner Mann. Du fehlst.

„Und auch wenn das jetzt kitschig klingt

Ich hab heut‘ Nacht um dich geweint

Ich wünsch dir, dass die Sonne für dich scheint“

Flattr this!

Ein Gedanke zu “Worthülsen, aneinandergereiht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.