So eine „schöne“ WM, nicht wahr?

„20elf von seiner schönsten Seite“. Das ist der offizielle Slogan der Frauenfußball-WM, die heute in Deutschland beginnt. Die OK-Präsidentin Steffi Jones interpretiert die Aussage offenbar in Bezug auf den Sport selber:

Jeder soll dabei sein, wenn im Jahr 2011 die besten Frauen der Welt die schönste (Neben)sache der Welt zelebrieren. In der für Frauen typischen Art und Weise: elegant, dynamisch, technisch versiert, leicht und locker…kurzum: schön.

Nur ärgerlich, dass Jones‘ Meinung im gleichen Text sofort wieder sabotiert wird – denn nicht nur in Bezug auf das sportliche Geschehen auf dem Feld ist der Slogan augenscheinlich total supi, nein. Er passt auch aus anderen Gründen:

Weil er auf die Leichtigkeit und Leidenschaft verweist, mit dem hübsche Frauen und Mädchen in aller Welt in immer größer werdender Zahl dem runden Leder hinterher jagen.

Werte gemeinhin aufgrund unserer bestehenden Schönheitsideale als unattraktiv zu betrachtende Fußballspielerinnen: Dieser Slogan bezieht sich nicht auf euch. Euch dürfen wir weiterhin als Mannsweiber einordnen, als Kampflesben. Ihr könnt zwar mitmachen, aber für die Werbung engagieren wir euch ganz bestimmt nie und nimmer! Denn für die Werbung, da wollen wir nur – Zitat des entsprechenden Marketingmenschen – „die hübschesten Spielerinnen“.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich werde garantiert keiner Frau das Recht absprechen, sich „hübsch“ zu machen, sei es im konventionellen oder in ihrem ganz persönlichen Sinne. Sich auf dem Feld so zu präsentieren, wie sie es möchte – nicht nur sportlich, sondern auch optisch. Aus der leider im Frauenfußball immer noch vorherrschenden finanziellen Not eine Tugend zu machen und sich mittels Werbung oder sexy Fotoshoots mehr Kohle zu sichern. Das ist die freie Entscheidung dieser Mädchen und Frauen.

Ich würde mir nur wünschen, dass es nicht nötig wäre, damit man über das Thema spricht. Dass es beim Frauenfußball darum ginge, dass Frauen Fußball spielen. Oh, mir ist durchaus klar, dass die Optik immer eine Rolle spielen wird. Ich guck ja zugegebenermaßen Männerfußball auch nicht ausschließlich, weil ich den Sport spannend finde. Und ich bin weiß Gott kein Frings-Fan aufgrund seiner technischen Brillanz, filigranen Technik oder gar unglaublichen Eloquenz. Ich guck mir den durchaus auch gerne an, weil ich ihn optisch attraktiv finde. (Dass ich ihn mir gerade aufgrund seiner, öhhhh, unglaublichen Eloquenz abseits des Felds eher weniger gerne angucke … nun ja. The heart has its reasons of which reason knows nothing. Ähem.)

Ich gucke mir aber auch Spiele an, bei denen mir keiner der Typen auf dem Feld optisch gefällt, manchmal gucke ich sogar Fußballspiele, bei denen ich mich für keine der Mannschaften auf dem Platz emotional begeistern kann – Champions League-Finale 2011, ich hör dir trapsen. Da guck ich einfach, weil ich die Hoffnung habe, guten Fußball zu sehen. Hat ja beim CL-Finale auch zu 50% geklappt, nicht wahr, ManU?

Und ich werde jetzt auch die Frauenfußball-WM 2011 gucken. Nicht wegen der Frauen. Wegen des Fußballs. Und dabei werde ich mir wünschen, dass es irgendwann nicht mehr notwendig sein wird, diesen Sport vorrangig durch die Optik seiner Betreiberinnen oder gut gemeinte Förderfehlaktionen wie den „Tatort“ vom letzten Sonntag in den Mainstream pushen zu müssen. Weil die Sache mit der Gleichberechtigung nun mal nicht so funktioniert, dass wir ja im Gegenzug die Männer auch objektifizieren können. Sondern dadurch, dass wir eine Zukunft anstreben, in der gleiche Maßstäbe angesetzt werden: Gutes Spiel? Klasse Sache. Geschlecht? Unwesentlich.

Hey, vielleicht find ich dann ja doch, dass man sich dieses Gegurke nicht antun muss – kann durchaus sein. Ich hab auch schon bei Spielen der deutschen Männer-Nationalelf augenverdrehend weitergezappt, weil das Gebotene schier unerträglich war. Aber an der Optik der Protagonisten hat das nun wirklich nicht gelegen, und ein mögliches Scheitern des Experiments „Frauenfußball-WM-Extremgucking“ wird ganz bestimmt nicht daran liegen, wie die Spielerinnen aussehen. Ich hoffe einfach auf Fußball von seiner besten Seite. Das kann durchaus auch die schönste Seite sein – wie man’s nimmt …

(Und ja, ich geb mir sogar Norwegen gegen Äquatorial-Guinea. Inklusive emotionaler Begeisterung! Heia Norge!!!)

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