Illegitimi Non Carborundum

Ich versteh, und das kommt jetzt sicherlich vollkommen überraschend, ja nun auch nicht immer alles, ob on- oder offline. Aber eine Sache, die mir bei aller versuchten Empathie so absolut gar nicht nachvollziehbar erscheint, ist dies: Trolling.

Vielleicht bin ich einfach ein zu braver Bürger, um nachvollziehen zu können, was an Provokation um der Provokation Willen so befriedigend ist. Mag sein, dass ich schlichtweg zu phlegmatisch bin, um das manchmal schon fast fieberhafte Engagement begreifen zu können, das manche Menschen online an den Tag zu legen, um andere zu irritieren, zu verstören oder zu verletzen.

Oh, es ist nicht so, dass ich selbst nicht der Typ wäre, der ganz genau weiß, in welche Wunde ich wie viel Salz streuen müsste, damit es so richtig scheiße weh tut. Oder welchen Knopf ich drücken müsste, um eine massive Explosion auszulösen. Ich wäre sogar ziemlich verdammt gut darin. Ich tu’s nur sehr selten bis gar nicht. Nicht etwa, weil ich so ein edles Gemüt und eine löbliche Gesinnung habe (wenn der Teufel der Wut zuschlägt, dann will keiner meine Gedanken lesen können – na ja, Stephen King zwecks Inspiration vielleicht …) – ich hab einfach extrem schnell ein extrem schlechtes Gewissen, und diese Charaktereigenschaft gepaart mit einem schier elefantösen Gedächtnis sorgt nicht gerade für ein sanftes Ruhekissen, wenn ich das Gefühl habe, irgendjemanden unverdient in die Pfanne gehauen zu haben.

(Wohlgemerkt: Unverdient. Wer sich also von mir ungerecht behandelt fühlt und noch keine Entschuldigung gekriegt hat, dem steht laut meinem eigenen moralischen Wertsystem auch keine zu. Beschwerden bitte in die Kommentare packen. Pfffrtblbl.)

Es ist also einerseits die Tatsache, dass ich nicht wirklich gut mit mir leben könnte, die mich daran hindert, den inneren Troll rauszulassen. Und andererseits eben das Unverständnis: Was bringt einem das? Falls irgendein Hobby- oder Profitroll das hier liest: Es interessiert mich wirklich. Ganz wertfrei. Was hat man davon? Also, vor allem auch längerfristig gesehen? Wo liegt der Spaß darin, andere runterzumachen, gerne so anonym wie möglich, ohne Berücksichtigung irgendwelcher Fakten und ohne Kenntnis irgendwelcher Sachlagen?

Ehrlich: Wiesu denn bluß?!?!

Und darf ich im Gegenzug mal eben etwas hippiesk werden? Klar darf ich! You’re on my turf! Ha!

Ich bin jemand, der gerne kreativ ist. Ich bin nicht immer besonders fähig in meiner Kreativität (jegliche Empfänger meiner Basteleien können dies bestätigen – die kriegen übrigens jederzeit eine Entschuldigung, die müssen dafür nicht extra kommentieren!), aber wat mutt, dat mutt. Mir tut das gut, mich macht das glücklich. Weswegen ich eben auch nicht verstehen kann, wo genau die Befriedigung im Runtermachen der Werke anderer liegt. Klar, wenn man argumentativ belegen kann, weswegen eine Idee nicht durchführbar, ein Projekt nicht praktisch umsetzbar oder ein Kochexperiment schlichtweg ungenießbar ist (auch hierfür: Sorry!), dann grummle ich vielleicht im ersten Moment irgendwelche unverständlichen Fäkalwörter in meinen Damenbart oder tippe irgendwelche passiv-aggressiven Schmollereien ins Netz, wenn ich mir nicht rechtzeitig vorher auf die Finger klopfe, weil ich doch eigentlich weiß, dass ich nix davon habe außer zwei Sekunden Befriedigung und danach endlose Gewissensbisse und je nachdem ordentlichen Ärger. Aber irgendwann kann ich’s nachvollziehen, wenn das Ego wieder heile ist. Und das geb ich dann auch zu. Meistens. Manchmal. Nicht wahr?

Aber diese „Ich mach dich nieder, weil mir gerade danach ist“-Grundsatzhaltung? Kapier ich nicht. Echt nicht. Und das irritiert mich als Alles-Verstehen-Woller extrem.

Ach ja, ich wollte ja hippiesk werden, genau. Was ich eigentlich sagen wollte: Ich meinerseits bin einfach der Meinung, dass man besser mit sich selber lebt, wenn man sich auf das Positive konzentriert. Ist nicht immer einfach, und jeder, der mich kennt, würde mich vermutlich mehr so als Luke Skywalker zum Zeitpunkt der Bruchlandung auf Dagobah einordnen und nicht als den späteren Jedi-Meister, der völlig entspannt und in sich selbst ruhend bei Jabba The Hut auftaucht.

(Na ja, okay: Wer mich wirklich kennt, der würde mich vermutlich als C3PO mit einem Quentchen Han Solo, das immer zum falschen Zeitpunkt die Oberhand gewinnt, bezeichnen. Ähem.)

Aber ich arbeite daran. Es ist langwierig, es ist kompliziert, man verzeichnet Rückschlag um Rückschlag, aber es ist die Sache wert, denke ich. Weswegen ich, die sich jeden Tag bewusst gegen Lästereien, Sticheleien und Opferhaltung entscheiden muss (und das nicht immer wirklich glorreich hinkriegt), erst recht nicht begreifen kann, wie man dem Troll-Dasein irgendetwas Gutes abgewinnen kann.

Je nun. Weiterer Aspekt der Selbstfindung: Man muss nicht immer alles verstehen. (DOCH! WOHL!!!) Schulterzucken, Abhaken, Weitermachen. Und froh sein, dass ich nicht dooce bin oder sonst eine wichtige Internetpersönlichkeit.

Und sich vornehmen, jeden Tag ein bisschen mehr wie Jenny Lawson zu werden.

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