Deutsch-Bastian, Bastian-Deutsch

„Mama“ war vorhin gerade „nüscht“. Manchmal ist „Mama“ auch „Müll“, und dann wiederum ist „Müll“ tatsächlich „Müll“ (vorzugsweise die dreckige Windel, die gefälligst sofort in den Windeleimer soll) und „Mama“ auch nur „Mama“. Und manchmal ist „Mama“ auch „Hamma“. Das bedeutet dann allerdings meistens, dass Bastian seinen Hammer sucht.

Nein, keinen süßen kleinen Kinder-Holzhammer. Der Sohn denkt in Baustellendimensionen, der Sohn schleppt lieber einen richtigen Hammer mit sich rum. Derzeit gerne einen Vollgummihammer. Ist mir auch lieber als der normale Hammer, gibt weniger Dellen in Holzflächen, Türrahmen und Mamas Kniescheibe.

Gerade ertönen aus dem Kinderzimmer Diskussionen – nach „Mama“ wird gefragt, aber ich bin mir sicher, wenn „Mama“ da jetzt rein ginge und „Papa“ raus, würde innerhalb von Minutenfrist nach „Papa“ gefragt. Irgendetwas wird auch gerade vorgelesen, ich kann allerdings nicht raushören, ob es „Der kleine Polarforscher“ oder „Barbapapa“ ist. Ist Bastian eigentlich auch egal, Hauptsache der Erwachsene ist beschäftigt und man selbst kann noch ein bisschen länger wach bleiben. Der Polarforscher hat seiner Ansicht nach den Vorteil, dass er ein Bild von einer Leiter enthält – „Hoch!“ -, und bei Barbapapa liegt das mitzukrähende Wort auf der Hand: „PAPA!“

Man besitzt mittlerweile ja auch seine eigene „Hoch“, eine Trittleiter, die wir allerdings in unbewachten Momenten sicher hinter einer geschlossenen Zimmertür verwahren, sehr zum Leidwesen des Sohnemanns, der sich auch schon eine Viertelstunde schreiend auf dem Boden gewälzt hat, weil Mama gesagt hat, dass erst gewickelt wird und dann gegessen und dann erst Leiter rauf- und runtergeklettert ad nauseam. Trapsphase, ich hör dir trotzen. Oder so.

Oh, jetzt wird im Kinderzimmer über „Gaga“ gesprochen. Bastian hat neben dem Hammer- und sonstigen Heimwerkerutensilienfimmel („Naal!“ – „Opa!“, wobei Letzteres natürlich den Großvater meint, der laut Ansicht des Enkels jede Schraube der Welt montiert hat, Nägel hingegen anscheinend nicht) auch noch einen gewissen Hang zu Enten, i.e. „Gaga“. Nicht echte Enten, die sind viel zu langweilig, sondern gelbe Quietscheentchen – weswegen die Mama unter anderem dies hier an seine Kinderzimmerwand gemalt hat:

duckyblog

Gaga. Mit dem Caveat, dass die Farben hier so nicht ganz korrekt wiedergegeben sind und das Zimmer nicht nur diese Deko enthält – irgendwann dokumentiere ich dann auch den ganzen Raum. So kurz bevor Bastian Piratenlook einfordert vermutlich.

Quietscheentchen sind auch ein elementarer Teil des sonntäglichen Baderituals – die müssen von rechts nach links geschoben werden und umgekehrt, in beliebiger Reihenfolge: Da gibt es das generische Fußballentchen, das St. Pauli-Entchen, das FC Barcelona-Entchen und noch das Feuerwehrentchen (weiß irgendwer, ob es Werder-Entchen gibt? Bayern München-Entchen gibt es mit Sicherheit, aber NEIN DANKE!). Und den Entchen-Badethermometer, der ist aber etwas tricky, weil flach. Egal, Baden ist super, aus der Badewanne genommen zu werden ist IUJKJUIKUITGFRJUZ/POT Z&GEDS!!!1

Die obige Tastenkombination entstand übrigens, indem ich meine Stirn mehrfach auf die Tastatur gedroschen habe, quasi als Ode an den Sohn und seine liebste Methode, seinen Unwillen zu zeigen: Kopf muss Wand. Also quasi :wallbash: – er ist halt ein Web 2.0-Kind. Was sich auch dadurch zeigt, dass er beim Anblick eines PCs, Tablet PCs, Netbooks oder iPod Touch-Geräts „BEBI!“ brüllt und damit Folgendes meint:

narcissusblog

Videos von sich selber gucken ist das Beste, was es gibt. Ich warte schon auf den Moment, in dem er sich selber googelt…

Auch sehr beliebt: „Gege“, „Äppä“, „Nudl“ und diverse andere Nahrungsmittel, die man mittels forderndem Zeigefinger und lautem „Des!“ als wünschenswerten Besitz deklariert. Mit drei Keksen im Mund klingt „Gege“ allerdings mehr so nach „Gwgw!“. Wasser hingegen, was immer noch die einzige Flüssigkeit ist, die der Sohn zu sich nimmt – Saft und Milch sind wie so vieles andere auf der Welt ganz klar „Nono!“ -, wird aufgrund der Feststellung der „Oma“, dass das Wasser in der leeren Flasche allealle ist, gerne mal mit einem lauten „Alloool!“ eingefordert, was auf Außenstehende eventuell etwas, äh, verwerflicher klingt, als es eigentlich ist. Mit „Äppä“ sind vorrangig Erdbeeren gemeint, aber mittlerweile werden als Ersatz auch Birnen, Pfirsiche, Nektarinen und Bananen geduldet. Pflaumen auch. Ein Fruktarier, der Sohn? Nicht doch. Beim Anblick von jeglichen Variationen von Fleischwurst sowie der Köttbullar heute bei Ikea werden jegliche vegetarischen Ansätze über Bord geworfen: „Des!“

Und „Nudl“? Selbsterklärend:

loriotblog

Um es mit Loriot zu sagen: „Sie haben da was im Gesicht… nein, auf der anderen Seite.“

Zwischen den ganzen Leiterkletterpartien, Hammerhauaktionen, Sterbender-Schwan-Szenarien und Mampfereien muss aber auch geschlafen werden. Dies erfordert von mir tagsüber eher weniger Geduld – normalerweise ist der Bub beim Nachmittagswickeln unterm Heizstrahler so fertig, dass er innerhalb von Minuten in meinem Arm einschläft, während ich zur Melodie von „Heidi“ jeweils spontan ein Schlaflied für ihn dichte (Poetry Slam? Ha! Ich kann Lullaby Slam!) und mich dann für meistens mindestens anderthalb Stunden mit ihm hinlege. Wobei ich manchmal selber döse, manchmal via iPod rumsurfe und oftmals eine DVD laufen lasse. Das geht dank Untertiteln ja auch in einer schlafkindkonformen Lautstärke.

Mehr Geduld in Sachen Einschlafen braucht allerdings abends der Mann – wie auch heute gerade wieder. Mittlerweile höre ich zwar weder „Mama“ noch „Papa“ noch „Gaga“ aus dem Zimmer, das hat aber nichts zu bedeuten. Kann gut sein, dass der Bub jetzt einfach mit Papa im Bett liegt, vor sich hin guckt oder sich auf Papas Arm hin und her schiebt und ganz und gar nicht der Meinung ist, dass Papa jetzt schon gehen darf.

Mein Mitleid ist groß. Allerdings nicht zwingend so groß, dass ich Ablösung anbieten würde. Was denn? Die heutigen Väter, so sagt man, verbringen gerne viel Zeit mit ihren Kindern. Also!

Manchmal ist der Bub aber auch von mir nachmittags nicht zu bändigen. Das endet dann oftmals damit, dass er spätestens nach 16 Uhr unwahrscheinlich ningelig ist und sich kurz vor fünf folgendes Bild dem heimkehrenden Papa bietet:

dunzoblog

Bastian ist nicht müde. Gar nicht müde. Er ruht nur kurz seinen Kopf aus. Wirklich!

Aber, und das kann nicht genug betont werden, Bastian macht einfach Spaß. Natürlich ist er ein absolutes Mondkalb, ein kleiner Torpedo und würde, hätte er denn eine fixe Hintergrundmusik, zur Titelmelodie von „Benny Hill“ oder „Jackass“ durchs Leben toben, aber ich kann’s mir nicht anders vorstellen. Heute hat es ihn im Kaufhaus beim Treppenhochstapfen platt auf die Nase gelegt, Blut floss, Tränen sprudelten, aber fünf Minuten später verlangte er danach, ebendiese Treppe noch mal hoch und runter zu steigen. „Hoch! Hoch!“

Rabauke? Ja, absolut.

kleinklitschko

Und das ist auch gut so. Auch wenn er derzeit in einem rosa Cath Kidston-Bademantel mit weißen Tupfen den Ring erklimmen würde. Da ist aber die Mama schuld, die hat beim Bestellen die falsche Farbe angeklickt. Und findet das nicht mal schlimm.

Kurz: Ein Bilderbuchkind? Ich finde: Ja. Aber auf jeden Fall auch ein Bullerbü-Kind.

52zaehneblog

(Und irgendwann zählt er dann beim Treppensteigen auch mal weiter als bis „Eins! Eins! Eins!“. Denk ich mir. Ansonsten hat er halt meine mathematische Begabung geerbt…)

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