Es gibt Reis, Baby

Vorhin so überlegt: „Hm, was koch ich den Jungs (also Mann und Kind) denn heute Abend. Mal was anderes. Neulich haben sie sich ja begeistert nen Müller Milchreis geteilt … alles klar, ich mach Milchreis!“ Stimme aus der Vergangenheit: „AAAAAAAAAAAAAHNEINALLESNURNICHTMILCHREEEEEIIIIIISSSS!!!1“

Kurze Rückblende (man stelle sich hier die entsprechenden Bildschwurbel und Armbewegungen à la „Wayne’s World“ vor): Wir schreiben das Jahr 1989, die Springhartsche war damals noch die Beyelersche, war im Austauschjahr in Norwegen und hatte das Frustfressen für sich entdeckt – Moment, Letzteres spielt hier keine Rolle. Was aber eine Rolle spielt: Tagaus, tagein gab es dort zum Mittagessen als Beilage Kartoffeln. Nicht Kartoffelpüree, Kartoffelpuffer, Pommes, Kroketten, Salzkartoffeln oder so – Kartoffeln. Geschält, halbiert, eine halbe Stunde gekocht. Kein Salz. Nahrhaft. Aber nicht zwingend abwechslungsreich. Oder wahnsinnig lecker. Abwechslung gab’s dafür traditionell jeden Samstag, denn da gab’s Milchreis. Mit ordentlich Butter und ordentlich Zimt, d.h. ein Mordsklacks Milchreis auf jedem Teller, ein Mordsstück Butter mitten auf ebendiesem Teller und eine Mordsportion Zimt obendrüber. Klingt lecker? Joa, wenn man Milchreis liebt vielleicht ab und zu. Wenn man, so wie ich, Milchreis eher nicht so mag und vor allem auch der Meinung ist, dass es eventuell besser wäre, keine gesalzene Butter zu verwenden …

… Kurz: Trauma.

Flash forward (visueller Effekt siehe oben) ins Hier und Jetzt: Ich hab mich dann doch dazu durchgerungen, mich diesem Erlebnis zu stellen, denn den Herren schmeckt Milchreis anscheinend. Also ab ins Internet und festgestellt: Ich hab keinen Milchreisreis im Haus. Aber, denkt sich da die Guerillaköchin, ich hab Sushireis. Und der klebt und pappt doch auch … gesagt, getan, runter in die Küche, nebenbei den iPod Touch und das TipTopf zum Thema Milchreisrezepte befragt und mich dann völlig überraschenderweise mal wieder für Improvisieren und munteres Rezeptedurchmischen entschieden. Also:

(Alle Maßeinheiten ohne Gewähr, ich hab zwar gemessen und gewogen, aber ich entziehe mich jeglicher Verantwortung)

120g Sushireis auspacken, entgeistert auf den Plastikbeutel im Karton starren, auf dem steht „Vorsicht! Kein Kochbeutel!“, an Douglas Adams, Zahnstocher und Wonko The Sane denken, nach einem kurzen, aber abgrundtiefen Seufzer weitermachen, d.h. den Sushireis waschen und beiseite stellen.
0,75l Milch (es ist mir sowas von egal, welche ihr benutzt, echt!) aufkochen, Reis rein. Mehr so auf mittlere Hitze runter und schön brav in der Nähe bleiben und rühren, wenn ihr so wie ich keinen Milchkochtopf und auch keine Lust habt, den oberen Rand des normalen Kochtopfs zu buttern, damit die Milch nicht überkocht.

(Milch stinkt echt übel, wenn sie überkocht. Trust me. Ich mache diese Erfahrungen für euch, damit ihr nicht selber leiden müsst!)

Irgendwann auf den Gedanken gekommen, dass man ja vielleicht noch Zucker reinpacken sollte. TipTopf befragt, Internetrezept befragt, dabei versehentlich 34 statt 3 Portionen eingetippt und mich massivst über die Zuckermengen gewundert. Fehler bemerkt, mich für 50g Zucker entschieden. Reinkippen, umrühren. Irgendwas war doch mit Vanille? Ja, eine Vanillestange. Hm, hatte ich mal. Aber jetzt im Küchenschrank hinter den Zuckerperlen für die Cupcakes und die Muffins rumwühlen … näh. Ein Tropfen Vanillearoma muss reichen. Hm, riecht schon lecker.

Ach ja, Apfel. Also einen großen Apfel schälen, über die grobe Reibe damit, feststellen, dass man nicht direkt über dem dampfenden Kochtopf reiben sollte (again: Ich tu das nur für euch! Eigentlich könnt ich’s total perfekt!), und wieder Rührenrührenrühren. Wenn dann, und lieben wir diese Formulierung nicht alle, „die gewünschte Sämigkeit erreicht ist“, noch einen Teelöffel Zimt dazu – wer mehr mag, haut mehr rein – und ein Klecks Butter (nicht gesalzen!!!) von der ungefähren Größe eines halben iPod Touch. Nein, ich hab nicht mit dem Gerät nachgemessen, ich hab nur gerade auf dem Schreibtisch rumgeguckt, womit ich die Butterklecksausmaße ungefähr vergleichen könnte. (Mein iPod kommt schon oft genug in Kontakt mit Lebensmitteln in unterschiedlichsten Aggregatszuständen – Kleinkind und so …)

Damit ist der Papp also Papp, dem Mann hat’s sehr gut geschmeckt, dem Kind auch, obwohl der Herr Sohn nach einigen großzügig bemessenen Löffeln dann doch wieder lieber „WUSCHT!“ wollte. Und Brot. Das einzige Brot neben Brezel, das der Herr freiwillig isst. Das Brot, das dann doch den Großteil meines Abendessens ausgemacht hat (Kohlenhydrate am Abend! MUAHAHAHAAAA!!!1), obwohl mir der Milchreis in geringen Mengen eigentlich ganz gut geschmeckt hat, oh Zeichen, oh Wunder.

Aber noch schnell mehr zum Brot: Das hier isses, allerdings ohne Sesam und mit mal weniger und mal mehr Vollkornmehl. Und weil ich davon so viel gemampft habe, hab ich gleich noch ne neue Runde Teig für morgen angesetzt. Die drei Minuten Zeit hab ich immer. Danach hab ich mir gleich noch ne Scheibe Brot gegönnt, in etwas Olivenöl gestippt, das ich vorher mit Knoblauch und Kräutern verfeinert hatte.

Leute, das Leben schmeckt. Sogar der Milchreis.

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