Sonntagabendrezept: Schmuschnecken

Ich kann nicht versprechen, dass es morgen früh Montagmorgenlinks gibt – eigentlich ist mir mehr nach Sofa, TV und Häkeln. Vielleicht morgen Vormittag, vielleicht gar nicht. Als Ersatz hier dafür ein Rezept aus einem Kochbuch, das wirkliche jede/r SchweizerIn kennt: Dem Tiptopf. Damit lernt der Homo Helveticus in der Schule das Kochen, und ich geb zu, dass ich für manche Rezepte auch heute noch darauf zurückgreife, denn da sind wirklich viele Klassiker und Basics drin.

Heute also aus dem Tiptopf: Hefeschnecken. Aus dem gleichen Material lassen sich auch Wickelkuchen, Russenzopf und Rosenkuchen formen, übrigens.

Schmuschnecken nach Springhart

Gleich zu Beginn: Vi har juksa litt, wie es anno dazumal so schön in der norwegischen Fernsehküche hieß. Ich geb euch hier zwar das Rezept für den süßen Hefeteig à la Tiptopf an, habe aber zugegebenermaßen selber einfach zur Tüte mit der Mehlmischung für süßen Hefeteig von Aldi gegriffen. Asche über mein Haupt, aber das Ding ist schnell gemacht und schmeckt lecker, und mir war halt nach schnellen Schnecken.

Don’t be like me, wie Pioneer Woman sagen würde.

Aber nun: Süsser Hefeteig (sic! Schweizer Kochbuch, remember?)

300g Mehl
1/2 KL (der Schweizer misst in Kaffee-, nicht in Teelöffeln) Salz
3 EL Zucker

in einer Schüssel mischen.

60g weiche Butter in Flocken zugeben.

20g Hefe in 1 dl Milch auflösen.

1 Ei beifügen. Mehl mit der Flüssigkeit von der Mitte aus anrühren (ich vermute mal, dass die aufgelöste Hefe hier auch beigefügt wird – das Tiptopf ist manchmal etwas ungenau – aber man kann sich’s sonst ja auch denken, ne?), Teig kneten, bis er glatt und geschmeidig ist, zugedeckt an der Wärme um das Doppelte aufgehen lassen.

Bei mir sah es so aus: 1 ganze Tüte Mischung in die Küchenmaschinenschüssel kippen, 100g Margarine, 2 Eier, 500 ml handwarme Milch dazu und – hm, war noch was? Na ja, was laut Packung erforderlich war halt – , Küchenmaschine die Arbeit tun lassen, Teig 30 Minuten gehen lassen, supi.

Während der Teig, ob Schmu oder nicht, sich langsam vergrößert, bereiten wir die Nussfüllung zu.

Dazu laut Tiptopf (bei mir war es jeweils mehr als die doppelte Menge – 1 Kilo Backmischung und so – ) wie folgt vorgehen. Meine Änderungen stehen jeweils dabei.

150g gemahlene Nüsse (ich so: Hasel, 400g)
3 EL Zucker (ich so: 4 EL brauner Zucker)

in eine Schüssel geben.

1 Apfel (ich natürlich zwei) dazureiben. Ich habe mich dann noch dazu entschieden, ca. 60g zartbittere Schokolade dazuzureiben, weil mir gerade danach war. Dann die Schale einer halben Zitrone dazureiben und den Saft auspressen und zugeben. „Näh“, sagt sich die Springhartsche, „wir verzichten auf Schale und Zitrone und kippen stattdessen zwei Deziliter Bio-Fairtrade-Orangensaft rein. Und wo wir gerade dabei sind, hauen wir noch einen halben Teelöffel Zimt in die Sache, den man nachher nicht rausschmeckt!“

Nun hören wir aber wieder brav auf unser Tiptopf und fügen bei: 6 EL Milch.

Das alles wird nun gut durchmischt und sollte laut dem den Schweizern ihr offizielles Kochbuch feucht, aber nicht flüssig sein.

Inzwischen ist der Teig ausgeruht genug und wird auf ungefähr 3mm (bei mir war’s dicker, sicher 5mm mindestens) Dicke zu einem Rechteck „ausgewallt“. Ist das ein Helvetismus? Mag sein, auf jeden Fall ist damit offensichtlich gemeint, dass wir uns ein Nudelholz schnappen und rollen, was das Zeug hält. Ich musste den Teig dazu halbieren, denn mir schwante schon Übles. Danach pappen wir die Füllung auf den Teig, pardon, „streichen“ die Füllung auf den Teig. Ach ja, falls wer mag, kann er vorher noch Aprikosenkonfitüre auf den Teig streichen, ich mochte nicht. Nicht zuletzt, weil ich keine Aprikosenkonfitüre im Haus hatte.

Nun rollen wir den Teig von einer Seite her auf und sägen ca. 5cm dicke Scheiben ab, die wir dann mit der „Schnittfläche nach oben“ auf ein bebackpapiertes Backblech legen. Bei mir waren’s eher so 4cm, glaub ich, erschien mir aber dick genug. Hier aber noch schnell die philosophische Küchenfrage des Tages: Wenn ein Teigstück von beiden Seiten angeschnitten ist, was hier ja mit Ausnahme der Enden immer der Fall ist – welche Seite ist dann die Schnittfläche, die nach oben soll? Na? Na?

Darüber denken wir jetzt intensiv nach. Ommmm.

Die ganze Bagage (bzw. wie sich bei mir herausstellte, erst mal ein Viertel – ähhhh) kommt dann in den kalten Ofen – außer natürlich wir haben so extensiv über die philosophische Küchenfrage nachgedacht, dass unsere Schnecken noch mal in ungebackenem Zustand geruht haben, dann müssen wir vorheizen – und wird bei 220 Grad 15-20 Minuten gebacken. Mein Backofen ist unterhitzetechnisch etwas ningelig, weswegen ich das Backgut immer etwas höher positionieren muss, aber normalerweise nimmt man logischerweise die Ofenmitte. Bei mir waren es jeweils gut 15 Minuten Backzeit.

Wenn das heisse (ja, ich schwanke gerade extrem zwischen helvetischer und hochdeutscher Schreibweise hin und her – mach ich sicher öfters, aber hier fällt’s mir gerade auf) Gebäck aus dem Ofen kommt, wird’s glasiert, mit einer ganz normalen Puderzuckerglasur, d.h.

100g Puderzucker
1/2 EL Zitronensaft
1 EL Wasser

zusammenrühren und die Schnecken damit bestreichen. Ich natürlich wieder so: „Näh, keine Zitronen! Wir sind da total abenteuerlich und kippen einfach O-Saft und Puderzucker zusammen, bis die Sache dickflüssig ist!“

Nein, ich hatte auch keine Zitronen im Haus. Wieso fragt ihr?

Wie man merkt: Ich kann mich einfach nicht an Rezepte halten. Die folglich korrekterweise als Schmuschnecken zu bezeichnenden Gebäckstücke schmecken aber trotzdem sehr lecker.

Und es wurden sehr, sehr, sehr viele – 37 Stück, um genau zu sein. Ähhh. Möchte wer zu Kaffee und Kuchen vorbeikommen morgen?

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