An den Herd, an den Herd, mit einem Kind an den Füßen!

Betreuungsgeld. Ihr wisst schon, das Dings, das heute beschlossen wurde. Disclaimer: Bringt mir erst mal nix, sofern ich nicht noch mal werfe, finanziell betrachtet bin ich da also ganz neutral. Außerdem bin ich ja in der äußerst privilegierten Situation, freiwillig beim Sohnemann bleiben zu können und gleichzeitig noch die Großeltern als Mitbetreuer quasi im Haus zu haben (kriegen die eigentlich im Fall der Fälle auch Betreuungsgeld?). Kurz: Ich hab da eigentlich mal wieder gar keine Meinung zu haben. Tja, Pech.

Nein, ich halte das Betreuungsgeld in dieser Variante auch für keine löbliche Idee. Die angebliche Wahlfreiheit besteht im derzeitigen System nämlich nur auf Papier, denn letztendlich lässt sich das Problem „zu wenige KiTa-Plätze, zu viele Eltern, die trotzdem arbeiten gehen müssen“, nicht mit einem Taschengeld von 150 Euro pro Monat lösen. Das ist meiner Meinung nach eine krasse Fehleinschätzung der finanziellen Situation vieler betroffener Familien. Denn hey, diejenigen unter uns, die sich tatsächlich freiwillig dafür entscheiden, beim Kind zuhause zu bleiben, die können sich das oftmals sowieso leisten. Und diejenigen, die Hartz 4 kriegen, die erhalten beim beschlossenen System ja keine Extrakohle. Extrakohle, die dann dafür beim Ausbau der dringend benötigten KiTas fehlt.

Kurz: Nee, so geht das nicht. Sollte einem eigentlich gleich bei der ersten oberflächlichen Betrachtung klar sein. Ist es aber anscheinend nicht, sonst wär das Betreuungsgeld ja nicht durchgekommen. Seltsam, das.

Aber wenden wir uns mal von der Faktenlage ab, wie ich sie – nach der ungefähr zweiten oder dritten, aber zugegebenermaßen nicht zwingend tiefschürfenden Betrachtung – verstehe, und hin zu gewissen Aspekten der Diskussion. Zu den beiden Punkten nämlich, die mir gerade bei den Gegnern (an die Befürworter stelle ich, wenn wir ehrlich sind, auch nicht besonders hohe Erwartungen) ziemlich sauer aufstoßen und mich dazu bringen, ein „So geht’s aber auch nicht!“ in die Menge zu brüllen. Okay, in den leeren Raum. Aber gebrüllt wird trotzdem.

1. „Das Betreuungsgeld ist zutiefst antifeministisch“

Nun ja, wie erwähnt, ich bin selber Hausfrau aus freien Stücken, also bin ich per definitionem in den Augen so einiger der personifizierte Antichrist. Ich persönlich find’s aber nun mal absolut okay, wenn sich eine Frau aus voller Überzeugung dafür entscheidet, zuhause bei den Kindern zu bleiben, sofern es für alle Beteiligten passt. Ich war nie karrieregeeignet (oft zu prinzipientreu, gerne mal zu ehrlich, sowieso immer zu emotional und natürlich auch schlichtweg zu asozial), ich brauch für meine innere Zufriedenheit keinen finanziell lukrativen Broterwerb. Mich erfreuen andere Dinge, und ja, dazu gehört erschreckenderweise auch Hausfrauliches – allerdings nichts von dem, was mit einem perfekt geführten Haushalt zu tun hat, leider. Ich muss meine Kreativität so uneingeschränkt wie möglich ausleben können, und das ist nun mal hier bei mir am ehesten möglich. Oder vielleicht bei Pixar, aber die rufen ja nie an.

Zurück zum Thema: In dieser Form ist das Betreuungsgeld vor allem ein vorprogrammierter Rohrkrepierer, ganz abseits jeglicher Feminismusdebatten. Aber in der Theorie bin ich persönlich ein absoluter Fan von Programmen, die Frauen tatsächliche Wahlfreiheit geben, d.h. die ihnen eine Zukunftsentscheidung erlauben, die frei von finanziellen Aspekten ist. Schön wäre es, wenn diese Wahlfreiheit dann auch frei von jeglichen Vorverurteilungen in die eine oder andere Richtung wäre, was den Feminismus angeht, aber das ist leider noch unrealistischer als das eben erwähnte theoretische Programm.

Zusammenfassung: Die Idee, dass Frauen zuhause bleiben dürfen, wenn sie das möchten, ist meiner Ansicht nach nicht antifeministisch. Punkt. Ob das Zuhausebleiben mittels Betreuungsgeld tatsächlich gefördert wird, halte ich persönlich für fraglich. Ob das freiwillige Zuhausebleiben dadurch gefördert wird? Muahahaha.

2. „Das Betreuungsgeld verhindert, das Kinder mit Migrationshintergrund und/oder aus sozial schwachen Familien richtig gefördert werden“

Aaaaand this is where I want to go HULK SMASH. Nein, ich streite nicht ab, dass es Kinder aus solchen Familiensituationen oftmals schwerer haben. Damit würde ich Fakten verleugnen. Aber Himmelherrgottsakradonnerwetter, diese Pauschalverurteilung ist doch einfach zum Kotzen. Einfach mal davon ausgehen, dass Eltern aus anderen Kulturkreisen bzw. Eltern mit niedrigem Einkommen, niedrigem Bildungsstand oder gar – Gott behüte! – alles zusammen … tief durchatmen, Springhart … dass diese Eltern es eh nicht auf die Reihe kriegen, ihre Kinder ordentlich auf das Leben vorzubereiten.

Genau. Gab ja noch nie ein Arschloch aus gutem Hause. Und in allenallenallen oben beschriebenen Familien geht es zu wie in der Reality-Doku auf diesem oder jenem Privatsender. Also ab mit den Kindern in die KiTa, da lernen sie wenigstens etwas und werden sozialkompetent, zuhause werden sie ja eh nur vorm Fernseher geparkt.

Ja, ich weiß, es gibt diese Familien, viele davon, das streite ich nicht ab. Aber diese, tschuldigung, motherfucking Dünkelhaftigkeit, mit der da argumentiert wird: Nee. Nee. NEE.

(Erwähnte ich schon: Immer zu emotional? Eben. Ich werde auch nie Politikerin, versprochen.)

Was ich will: Ich will KiTa-Plätze für alle, die sie brauchen, und gerne auch für alle, die sie nur wollen – d.h. wer arbeiten muss und wer arbeiten will. Ich will gute KiTas, in denen die Kinder nicht nur Beschäftigungstherapie erleben. Und zwar für alle Kinder, und nicht nur die, deren Eltern sich eine gute KiTa leisten können. Ich finde es aber auch durchaus gut, wenn Eltern (merkt ihr was? Nicht nur Mütter. Auch Väter!) finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie sich ihrem Kind zuhause widmen, weil es das ist, was sie wollen. Ich will Wahlfreiheit. Und ich will diese Wahl treffen dürfen, nein, ich will dass alle diese Wahl treffen dürfen, ohne für ihre Entscheidung abgestempelt zu werden.

Die eierlegende Wollmilchsau und das regenbögenkackende Einhorn dürfen dann auch gleich mitgeliefert werden, danke sehr.

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8 Gedanken zu “An den Herd, an den Herd, mit einem Kind an den Füßen!

  1. McRobbie müsste diesen Artikel vermutlich erst mal durch Google Translate jagen und hat sicherlich besseres zu tun. Aber hey, ich sag’s ja: Ich BIN antifeministisch. Alleine durch meinen Karriereverzicht und mein Kindergekriege. Jegliche Ansichten meinerseits sind also als vollumfänglich der Sache nicht zuträglich und irrelevant zu betrachten.

    (Ich bevorzuge allerdings „antifeministischer Hulk Smash“.)

  2. Naja, in der privilegierten Lage zu sein, tatsächlich zuhause zu bleiben (auch wenn Hausarbeit nicht Nichtstun bedeudet) ist heutzutage wohl eher selten… Ist auch die Frage, wie gut es fürs Kind ist, wenn es immer nur unter Erwachsenen ist.

  3. Ja. Ja ja. Ja genau. Eben. Also alles. Äh, APPLAUS!

    Das ist an allen Enden einfach nicht konsequent genug gemacht. Wir brauchen ausreichende KiTa-Plätze und ein RICHTIGES Betreuungsgeld. So von wegen Wahlfreiheit.

    Hach, so viel besser und klüger als mein Rumkrakeelen (sp?).

  4. Ich find ja Hausfrauen die freiwillig mit die schwerste und wichtigste Arbeit einer Gesellschaft leiden hochgradig feministisch. Aber das bin bloß ich Landei mit der wirklich netten Kindheit und unendlicher Dankbarkeit gegenüber den Frauen die ihre Kinder zu einer Priorität gemacht haben.

    Für mich ist das kein „Unterordnen“ gegenüber irgendwem, sondern Verantwortung übernehmen. Zefix, ich dachte man kriegt Kinder weil die so viel Spaß machen. Das muss ich komplett falsch verstanden haben.

  5. In meinem Umfeld gibt es mehrere Frauen, die sich fürs Daheimbleiben entschieden haben. Und nein, die sind nicht alle finanziell total privilegiert (wir übrigens auch nicht zwingend, mal so am Rande), die arrangieren sich einfach entsprechend, was Ausgaben angeht. Von Mehrheiten spricht hier aber ja auch keiner. Und nur weil die Mutter zuhause bleibt, ist das Kind nicht immer nur unter Erwachsenen – für Sozialkontakte mit anderen Kindern gibt es schließlich auch Nachbarn, Spielplätze, Musikgarten, Kinderturnen etc., da empfiehlt es sich also auch, eine Pauschalisierung zu vermeiden.

    Und nur um es noch mal zu wiederholen: Ich spreche mich nicht im Geringsten gegen weibliche Karrieren aus, ich bin sogar sehr der Ansicht, dass es gefördert werden sollte, dass Mütter wieder in ihren gelernten oder einen anderen Beruf einsteigen können, und bitte sehr nicht wieder ganz unten anfangen müssen dabei. Aber es sollte jedem – ob Mann oder Frau – freigestellt sein dürfen, sich für seinen eigenen Lebensentwurf entscheiden zu können, ohne dabei als Posterchild oder abschreckendes Beispiel instrumentalisiert zu werden. DAS möchte ich ermöglicht sehen. Auch wenn’s illusorisch ist.

  6. Also ich tu mir ein bisschen schwer damit, eine Rückbesinnung auf Mütterlichkeit und den damit vollzogenen Rückzug ins Private (wieviele Männer haben sich in eurem Bekannten- und Freundeskreis dazu entschieden, zuhause zu bleiben und Hausmann zu sein?) als feministisch zu bezeichnen. Dazu kommt die Frage, ob die Entscheidung, Hausfrau zu sein, tatsächlich auf freien Wahlmöglichkeiten beruht. Und das ist, wie der Kommentar zu McRobbie, allgemein gesprochen und keine persönliche Kritik, auch wenn dies so aufgefasst wurde.

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