Take car. Go to Mum’s. Kill Phil. Accidentally cause Twitter shitstorm.

Ich liebe Simon Pegg, okay? Also, rein platonisch gesehen jetzt, unterhalb der Gürtelline bleibt alles kalt, aber sein künstlerisches Werk finde ich ziemlich grandios.

Und Leute, deren künstlerisches Werk ich ziemlich grandios finde, mag ich eigentlich auch als Mensch mögen. Manchmal wird es aber etwas schwierig. So geschehen gestern.

Am besten lest ihr das hier mal durch – Achtung, absolut nicht als objektive Berichterstattung zu verstehen, und die Wortwahl passt mir auch nicht zwingend, aber man kann sich zumindest anhand der Tweets schon eine Meinung bilden, finde ich.

Zusammenfassung: Simon Pegg tweetet Bild von Leia-Cosplayerinnen an der ComicCon, macht einen Homer Simpson-Grunzewitz dazu, kriegt Ärger von feministischer Seite, sieht das Problem erst mal nicht und wird auf unschöne Art defensiv („politische Korrektheit“ als Vorwurf? Hm, naja, nee. Ich bin ja auch gegen Holier Than Thou-Denken, aber hier klappt das einfach gerade nicht), irgendwann hat er es dann so halbwegs kapiert.

Er.

Seine Fans nicht.

Eine Auswahl der Kommentare zum verlinkten Text:

„Don’t get me wrong, I am a fairly strident feminist, but the fact is if you were just dressing sexily for yourself, as you claim, you would do it in the safety of your home so as to avoid the kind of attention that you seem so opposed to. When you decide to go out in the world like that you’re making a *choice* to open yourself up to other people forming their own opinions about it, presumably because it makes you feel good when you see guys/girls having a favourable reaction. Don’t then get up on your high horse when someone expresses that reaction in words that don’t quite tickle you.“

„Just to say, you totally overreacted. Look, guys will always look at girls in that manner, don’t get your knickers in a twist just because it’s targeted at someone in a costume. Any self-respecting female cosplayer won’t feel excluded from the geek community just because of a little objectification. Female geeks get objectified to the extreme by male geeks anyway, just from entering a comic book store or playing a certain video game so getting snotty at this is utterly ridiculous. Seriously, GUYS STARE! If you don’t like it then don’t cosplay skimpy characters. Simple“

„Man, why do some guys insist on letting women put a computer in the kitchen?“

Okay, den letzten Kommentar hab ich nur mit reingenommen, damit die Obvious Troll is Obvious-Fraktion auch repräsentiert ist. Der fand bestimmt die Sache mit Daniel Toshs Vergewaltigungswitz auch total lustig. Ich würde sehr gerne noch weitere Kommentare zitieren, aber leider werden mir gerade nicht alle angezeigt. Grundsätzlich ist der Tenor der (anständig formulierenden – vom Rest gibt es natürlich noch einige mehr …) Kritiker allerdings folgende Aussage: „Hey, wer sich so anzieht, der ist klar, dass sie so angeguckt wird. Die nimmt die Objektifizierung in Kauf. Die findet das gut. Die wollte das so.“

Und wisst ihr, vielleicht stimmt das ja tatsächlich für manche Cosplayerinnen in sexy Kostümen. Vielleicht für viele. Vielleicht für die meisten. Aber wisst ihr auch, in welchem Zusammenhang die Aussage „Hey, wer sich so anzieht, der muss mit sowas rechnen“ auch noch viel zu oft fällt?

Genau. Sexuelle Belästigung in jeder Form. Denn – siehe erster zitierter Kommentar – als Frau soll man sich gefälligst nur in der „Sicherheit des eigenen Heimes“ wie eine Schlampe kleiden. Wenn man so raus geht, dann dürfen einen andere Leute als Schlampe betrachten. Und, diese Schlussfolgerung ziehe ich jetzt einfach mal, denn für mich liegt sie verdammt nahe, auch wie eine Schlampe behandeln.

Stellt euch hier bitte eine dieser Sprechblasen mit lauter Symbolen für entsetzliches Gefluche vor.

Nehmt sie hin, die Objektifizierung, Mädels, sie gehört dazu. Ist ja nicht schlimm. Männer sind halt so. Und Geeks sind halt auch nur Männer.

(Nun gut, die Frage, weswegen wir von Geeks höhere moralische Standards erwarten als von anderen Männern, ist natürlich auch mal zu erörtern. Aber nicht jetzt gerade, sorry.)

Wisst ihr eigentlich, wie viel verfluchte Objektifizierung jede Frau tagtäglich hin nimmt, wenn sie auch nur einen Blick auf Werbeflächen oder in irgendwelche Medien wagt? Und wie viel sexuelle Belästigung ihr passiert, die in unserer Gesellschaft absolut „normal“ erscheint (man lese bitte hier weiter)? Wie oft es vorkommt, dass eine Frau in einem überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel eine halbe oder ganze Erektion an ihren Körper gerieben kriegt? Wie häufig die Sache mit den Männern, die ihr Gemächt in der Öffentlichkeit auspacken, eigentlich wirklich ist? Wie manche Frau es schon erlebt hat, dass sie ein Mann im Vorbeigehen begrapscht hat?

Nein. Man muss Objektifizierung, egal in welcher Form, nicht im Geringsten hinnehmen. Die Tatsache, dass wir alle (hallo, Männer – Cola Light-Werbung, anyone?) dermaßen konditioniert sind, unsere Körper als Objekte zu sehen, Objekte, die jeder Wildfremde beurteilen darf, gerne auch lauthals – findet hier irgendjemand diese Tatsache okay? Wirklich?

Wirklich?

Es mag sein, dass sich jede einzelne der Leia-Cosplayerinnen auf dem Bild von Simon Peggs Kommentar geschmeichelt fühlte. Und wenn er seine Begeisterung den Frauen einzeln, persönlich vor Ort, mitgeteilt hätte, dann wäre das vermutlich – je nach Wortwahl – auch okay gewesen. Wobei, dann wäre sein Kommentar vermutlich nicht das Homer-denkt-an-Donuts-Geräusch gewesen, dass er bei Twitter zitiert hat. Aber so? So ist es einfach … heikel. Und während ich ihn deswegen nicht als „Douchebag“ bezeichnen würde, so fand ich seine Reaktion auf die Anschuldigungen halt doch gelinde gesagt nicht hilfreich. Verständlich, aber nicht hilfreich. Ich verweise hier als Beispiel, wie man es richtig macht, auf Jason Alexander, der wegen homophober Bemerkungen berechtigterweise in Teufels Küche landete. Hier gibt’s den ganzen Text – absolut lesenswert. Ich erlaube mir, einen Teil zu zitieren:

So, I would like to say – I now get it. And to the extent that these jokes made anyone feel even more isolated or misunderstood or just plain hurt – please know that was not my intention, at all or ever. I hope we will someday live in a society where we are so accepting of each other that we can all laugh at jokes like these and know that there is no malice or diminishment intended.

But we are not there yet.

So, I can only apologize and I do. In comedy, timing is everything. And when a group of people are still fighting so hard for understanding, acceptance, dignity and essential rights – the time for some kinds of laughs has not yet come. I hope my realization brings some comfort.

Es muss nicht immer gleich eine ausführliche Entschuldigung sein. Es muss keine Meinungskehrtwende sein. Es braucht keine hundertprozentige Zustimmung. Aber ein „Okay, ich verstehe jetzt, warum dich das so ärgert/frustriert/beleidigt und ich akzeptiere deine Reaktion“ – das wäre schon hilfreich. Immer und überall.

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3 Gedanken zu “Take car. Go to Mum’s. Kill Phil. Accidentally cause Twitter shitstorm.

  1. Ich fand jetzt den ursprünglichen Tweet gar nicht so sonderlich dramatisch. Fiel für mich in die Kategorie „Ausdruck des Gefallens mit witziger Anspielung“. Vielleicht ein bisschen frech, aber für mich wurden da keine Grenzen überschritten. Vielleicht bin ich auch kein guter Maßstab, ich bin immer mal wieder erstaunt, was die Leute teilweise so als anstößig/beleidigend/sexistisch/rassistisch/diskriminierend/etc. emfpinden und so oft das auch wirklich gerechtfertigt sein mag, kommt es mir ab und an doch so vor, als würde da nur jemand sitzen und warten bis er/sie mal wieder Gelegenheit hat sich aufzuregen.
    Wirklich übel fand ich dann aber auch, was man von seinen Fans so zu lesen bekommen hat, das war teilweise wirklich unterste Schublade. Wäre wirklich nett, wenn Mr Pegg die mal ein bisschen zurecht stutzen könnte und klar stellt, dass er das nicht gutheißt, wovon ich jetzt einfach mal ausgehe.

  2. Nee, mir ist der eigentliche Tweet zugegebenermaßen auch gar nicht aufgefallen – ich übersehe aber vieles bei Twitter. *g* Und wie gesagt, mit der Wortwahl der „Anklägerin“ kann ich mich auch nicht voll und ganz identifizieren. Problematisch fand ich dann vor allem Peggs Antworten auf die Vorwürfe – klar, war sicherlich eine Knee-Jerk-Reaktion, aber trotzdem, vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er überhaupt nicht reagiert hätte. Dann hätten seine Fans nämlich auch nicht beschlossen, auf die Barrikaden zu gehen …
    Und Pegg hat ja dann auch gemeint, dass er sich erst missverstanden und dann falsch repräsentiert fühlte und die Fans dazu aufgefordert, sich nicht daneben zu benehmen. Wie ich seinen heutigen Tweet, dass er sich wie in einem irren Zirkus voller provokativ angezogener Tiere vorkomme und Angst habe, etwas Falsches zu sagen, allerdings werten soll, weiß ich noch nicht so ganz. Der hat etwas Mitleid- bzw. Zustimmungserheischendes an sich – auch wenn das sicherlich absolut unbewusst ist, ruft es eben doch wieder die Verteidigungsbrigade auf den Plan …

    Ansonsten hat Emma Jenkin hier noch mal besser erklärt, warum die Sache eben doch irgendwie problematisch ist. Es ist ja eh mehr so ein Shitstorm im Wasserglas – aber wenn ich den Protagonisten mag, find ich es halt schwierig, darüber hinwegzusehen. 😉

  3. Ich hab über diese Sache gestern noch eine weile nachgedacht. Und mal wieder ist die Sprache sehr entlarvend.

    Seine Intention war mit Sicherheit nicht diskriminierend, aber wenn der Ausdruck des Gefallens die Dokumentation der eigenen Reaktion ist, wird die Frau zum passiven Objekt. In seinem Fall die Homer-Geräusche, bei anderen das bekannte „wenn ich nicht in festen Händen wäre…“. Immer geht es um die implizierte Reaktion des Mannes und nicht die Frau.

    Er hätte darüber reden können dass sie gut aussehen, Zeit in ihre Kostüme investiert haben. Oder sogar, dass sie sexy sind. Denn das sind sie. Aber zu oft geht es um die männliche Erregung durch weibliche Attraktivität und nicht die Bewertung der Attraktivität an und für sich.

    Ich gehöre nicht zu den Feministinnen die glauben, dass derlei Äußerungen generell schlimm sind. Nicht, solange Frauen damit respektiert werden.

    Am Ende dieser Kette steht, wie du völlig richtig sagst, das Victim-Blaming, bei dem das Aussehen der Frau plötzlich langt, um männliches Fehlverhalten zu entschuldigen. Als hätten Frauen die Kontrolle darüber in wie weit Männer ihrem Trieb folgen. Da wäre ich als Kerl schwer beleidigt.

    Hm. So lang sollte der Kommentar gar nicht werden. Jedenfalls: Danke für die reflektierte Beobachtung.

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