„Die ziehen da“

Bastians Zusammenfassung der sportlichen Ereignisse des Tages: Siehe oben. Einige Gründe, warum ich heute, nach meinem ersten Besuch beim Tauziehen, gleich mal ein bekehrtes „Awesome!“ ausspreche:

Fast (kostete 3 Euro Eintritt pro Erwachsenen) umsonst und (je nach Jahreszeit, aber meistens) draußen. Idealer Familien-Guck-Sport. Außerdem gibt’s Wurst, Pommes und Apfelschorle, der Sohn ist also wunschlos glücklich.

Es passiert immer was – pausieren die einen, ziehen die anderen. Nur ab und zu gibt’s ein paar Minuten Unterbruch, weil eine Mannschaft noch Anrecht auf ein wenig Pause hat.

Die Schuhe. Nichts gegen maßgeschneiderte Fußballschühchen, aber das hier ist ein anderes Kaliber. Stahlplatten und sowas.

Dafür gibt’s natürlich auch Gründe – man will ja nicht rutschen, sondern mit seinem gesamten Körpergewicht synchron Schwerstarbeit leisten, um den Gegner durch die Gegend zu wuchten. Ja, wirklich: Schwerstarbeit. Würde man auf Anhieb nicht denken, aber puhhh … ich möcht’s nicht machen. Ich läge schon nach einmal Bösegucken flach im Dreck.

Ach ja, und mit solchen Schuhen kann man auch viel besser einen Kampfschrei ausstoßen und dann …

… die Hacken mehr oder minder unisono in den Boden rammen. Sehr archaisch, sehr beeindruckend. Der Schwarzwald-Haka, quasi. Na gut, sind nicht nur Schwarzwälder dabei, aber ähhh … die machen das im Zweifelsfall am schicksten. So.

Gespanntes Warten bei Klein und Groß.

Und dann: „PULL!“

Da gibt es lautere und leisere Mannschaften, diese im Foto unten war … lauter. Fast schon scharapowaesk. Nur find ich Gebrüll beim Tauziehen zugegebenermaßen angebrachter als auf dem Tennisplatz. Sorry.

Zum folgenden Bild: Doch, die ziehen noch. Kann aber vielleicht sein, dass es bald mal eine Verwarnung gibt wegen „Absitzen“. Oder so. Ich begreife die Regeln noch nicht wirklich, aber „Nachgreifen“ oder „Rudern“ ist zum Beispiel auch verboten. Drei Verwarnungen, und man hat den Zug verloren bzw. wird für den Zug disqualifiziert. Zwei Züge braucht’s zum Sieg. Glaub ich. Ich werde mir Fachwissen ergoogeln. Obwohl wir ja während der WM voraussichtlich im Urlaub sind. Ei ei ei.

Manch einer kann da gar nicht mehr hinsehen. Oder sieht zumindest gerade so aus.

Und dann: Finale, oooh-oooh! Es treten an: Die Tauziehfreunde Böllen (merkt ihr was? So in Bezug auf den Blognamen zum Beispiel?) und die Sportfreunde Stil- äh, Goldscheuer. Die Sportfreunde Goldscheuer. Obwohl, der Kampf TZF Böllen gegen Sportfreunde Stiller wäre amüsant gewesen. Kurz, grausam und schmerzhaft, aber amüsant. Trotzdem, wenden wir uns dentatsächlichen Geschehnissen auf dem Platz zu. Ich versuch gar nicht erst, die richtigen Kommandos zu benutzen, außer „PULL!“ hab ich mir nix wirklich gemerkt. Deswegen ganz allgemein: Achtung …

Fertig …

Los!

Und wer denkt, dass Tauziehen ja nur Kraftmeierei und sonst gar nichts ist: Nee nee. Da steckt ordentlich Taktik dahinter. Besonders wenn zwei ungefähr gleich starke Mannschaften aufeinandertreffen. Die hängen dann schon gerne einige Minuten in den Seilen, ohne dass sich ein Team einen konkreten Vorteil verschaffen kann. Abwägen, beobachten, auf die Chance lauern. Und die packt man nur, wenn alle gleichzeitig reagieren – und das alles stets bei voller Körperspannung, mit vollem Gewicht im Seil und … ja, ich habe keine Ahnung, wovon ich rede. Aber ich fand’s total toll. Und ja, natürlich hab ich „BÖLLEN! BÖLLEN! HOPP HOPP!“ gebrüllt. Da ging’s dann ordentlich mit mir durch. Hey, immerhin hab ich ein paar Bleche Mandeltörtchen für den Kuchenverkauf vor Ort beigesteuert, auch wenn wir mit keinem der Tauzieher irgendwie verwandt, verschwägert oder sonst wie bekannt sind. Dorfsolidarität, ick hör dir trapsen!

Ach ja, und übrigens: Wir, äh, die sind deutscher Meister! So there! Yay!

(Disclaimer: Das Bild wurde nicht während des Finales aufgenommen, aber es passt supi. Ist sozusagen mein Jogi-Balljungen-Moment. Immerhin geb ich’s zu.)

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2 Gedanken zu “„Die ziehen da“

    • Die hatten aber auch keine Ahnung und ein völlig falsches Seil usw. – die Sportler wissen schon was sie tun. Und zur Not ist da ja auch noch eine Bande zwischen Zuschauern und Tauziehern. Zum Fürchten ist bei solchen Events eher die Hintergrundmusik. *g*

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