Männer sind Schweine?!

Gerade via quote.fm (sehr empfehlenswert!) auf diesen Artikel gestoßen und in Dauernicken verfallen. Nicht, dass sich viele Frauen in meinem Offline-Leben so verhalten, die sind alle glücklich verpaart. Aber das Gefühl an sich kennen wir alle, nicht wahr?

Und was hab ich mich früher dieser Gedankengänge schuldig gemacht – mein erstes Blog hieß ja mehr oder minder bekanntermaßen „Frauen sind halt so“ und enthielt sowohl die Kategorie „Frauen!“ als auch die Kategorie „Männer!“. Vollkommene Unterwerfung der Frauenzeitschriften-Diktatur gegenüber, die ja nie ohne irgendwelche Haha-sind-Geschlechterunterschiede-nicht-voll-süß-du-Kolumnen auskommen. Wobei, wir wollen mal nicht so sein. Auch die ach so respektablen Journalistas und Journaletten von Spiegel Online sind sich für sowas nicht zu schade. Beweisstück 1: Man klicke bitte hier. Okay, tief durchatmen vorher wird angeraten.

Wer keine Lust aufs Nachlesen hat, dem sei hier ein kleiner Ausschnitt präsentiert:

Ich übernahm also die Verantwortung, sagte „Schatz, ich überleg mir was Schönes!“ und machte mir Gedanken. Leider neige ich zu Spontaneität, und so verging fast der komplette Tag, ohne dass mir eine zündende Idee kam. Außerdem hatte ich glatt übersehen, dass Bundesliga anstand, mit einer Partie meines Lieblingsvereins am frühen Abend und Spitzenspielen etwas später.

„Ist das okay, wenn ich das Spiel schaue?“

Na, ahnt ihr, was jetzt kommt? Genau, der Mann guckt das Spiel, die Frau interessiert sich natürlich nicht dafür und ist am Ende des Abends sauer auf ihn, weil er – Schockschwerenot! – Fußball geguckt hat, was sie – natürlichnatürlichnatürlich! – nicht spannend findet.

Mal so am Rande: In der Mehrheit der mir bekannten Beziehungen gucken die Frauen mehr und leidenschaftlicher Fußball als die Männer. Nein, ich behaupte nicht, dass das statistisch relevant ist, aber Himmelherrgottsakra, können wir uns mal darauf einigen, dass dieses ach so witzige Klischee einfach nur noch halb so lustig ist, wenn man ständig damit zu tun hat, den Beweis zu erbringen, dass man Fußball nicht nur wegen der muskulösen Wadeln oder den schnieken Frisürchen toll findet? Danke, tschüss.

Aber es ist ja nicht nur das, in der Kolumne werden ja andere herzallerliebste Klischees durchgenudelt, von den Frauenfilm-DVDs (wir Frauen sind ja schließlich alle Team Aniston, weil wir eifersüchtig auf Angelinas Schöhnheit sind, nicht wahr?) bis hin zur kompulsiven Urlaubsplanerei.

Mythenmetzsche Abschweifung: Die Urlaubsplanerei funktioniert übrigens bei uns so: Ich such Möglichkeiten raus, ganz alleine und schicke dem Mann die betreffenden Links. Der Mann guckt dann die Möglichkeiten durch, ganz alleine, und schickt mir dann seine Auswahl zurück. Und hin, und her, und Einigkeit. Gleiches System beim DVD-Gucken: Einer fängt an und zieht die DVDs halb aus dem Regal, die er gucken mag. Der andere schiebt die wieder rein, auf die er keine Lust hat. Und so weiter. Wir sind halt komisch.

Zurück zum Thema: Die SPON-Kolumne ist nur ein Beispiel für den Grundton vieler kommentierender Texte dort. Alles nach dem Motto „Ich definiere meine Individualität durch die Dinge, die ich bei anderen scheiße finde!“ – wie anstrengend und deprimierend ist das denn bitte?!

Aber ich bin ja oft auch so, ich schicke ja auch gerne mal ein „Herr, ich danke dir, dass ich nicht bin wie dieser da!“-Stoßgebet gen Himmel. Nur: Ich weiß es eigentlich besser. Ich weiß, dass Vergleicherei niemandem jemals wirklichen Seelenfrieden verschafft hat (okay, ich hoffe es!), ich weiß, dass „dieser da“, wer auch immer er ist, auch seine menschlichen Qualitäten hat, und ich weiß, dass das, was für mich passt, nur für mich und die Meinen passen muss. Und jeder andere soll halt gucken, wie es für ihn oder sie passt. Trotzdem, und das ist jetzt aus dem oben gelobten Artikel, nicht von SPON:

Aufhören muss diese „Männer sind“ oder „Frauen sind“-Sprache aber auch aus einem anderen Grund: Sie bringt jedes halbwegs lebenszufriedene Gegenüber in eine merkwürdige Rechtfertigungsbredouillle: Wenn meine Freundin A. mich mit ihrem „Männer sind“-Gerede erwartungsvoll ankumpelt, fühle ich mich in die Pflicht genommen, ihr ein bestätigendes Nicken und eine eigene„Männer sind alle unzurechnungsfähig“-Anekdote zu liefern. Ich will nicht die Spielverderberin sein, wenn sie einen Wir-Frauen-gegen-die-bösen-Männer-Pakt mit mir eingehen will.

Nur: Ich muss es doch sein, ich muss sie enttäuschen. Denn ich kann und will nicht in den Chor der Männerfrustrierten einsteigen. Ich bin in einer langjährigen, glücklichen Beziehung, in der ich mich zwar auch schon oft gestritten habe, aber noch nie aus einem Grund, der sich in irgendeine nur für Männer gültige Allgemeinwahrheit zusammenfassen ließe.

Diese pauschalen Männer-Theorien werten meine glückliche Beziehung von vorneherein ab, weil sie davon ausgehen, dass auch mein Mann ein Arsch ist und ich Dummerchen es nur leider noch nicht gemerkt habe.

Mein Mann ist kein Arsch, ich bin nicht doof, und auch wenn ich nicht die begabteste Einparkerin der Welt bin und mein Partner sich weniger für Essenszubereitung begeistern kann als ich: Das sind nur wir. Das sind nur unsere Umstände. Und selbst da draußen wandeln nicht ausschließlich Klischees rum. Also bitte, etwas Differenziertheit.

Und ich bin übrigens Team Jen, weil sie optisch mehr mein Typ ist. Ich meine, habt ihr mal ihre muskulösen Wadeln gesehen? Und ihr schniekes Frisürchen? So there.

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