Ich möchte in einer Welt leben …

… in der auf der Fahrt ins Krankenhaus nicht mit mein erster Gedanke ist: „Na, zum Glück hab ich letzte Woche noch die Beine rasiert!“

… in der ich bei der OP-Vorbereitung nicht dem offensichtlich neu angestellten Anästhesisten beim Gespräch mit der OP-Schwester zuhören muss: „Also wir haben das ja immer so gemacht beim Rückenmark … Ach, ihr macht das so? Hm, ja …“

… in der ich nicht eine Bettnachbarin kassiere, die den ihr meinerseits verliehenen Übernamen „Denethor der Dementor“ redlich verdient hat

… in der die Behandlungsqualität nicht davon abhängt, wer am lautesten jammert

… in der es nicht okay ist, wenn Patientinnen die Schwestern nur drangsalieren und mit Pflegern und Ärzten aus Prinzip schäkern

… in der man als Patientin nicht allen Infos zum eigenen gesundheitlichen Problem hinterherrennen muss

… in der Sätze wie „Richten Sie das bitte dem Arzt/der Schwester aus“ nicht fallen – bei aller Patientenmündigkeit, ich find’s unangebracht, dass ich meinen eigenen Röntgentermin zwecks Entlassung organisieren muss

… in der Ärzte, Pfleger und Schwestern nicht so überlastet sind, dass sie Aufgaben an Patienten übertragen müssen

… in der andererseits aber eine Schwester, die jegliche körperliche Arbeit mit „Das ist mir zu schwer, das mach ich nicht“ ablehnt und eine Patientin mit Krücken aus dem Weg drängt, weil sie gerade leere Essenstablette transportiert (was auch noch hätte zehn Sekunden warten können), nicht zwingend im Patientendienst eingesetzt werden muss

… in der mein Chuck-Norris-Tum, mit Beinbruch noch einmal ums halbe Krankenhaus zu laufen mehr gewürdigt wird, verdammt!

… in der aber bitte schön meine strunzblöde Unfähigkeit, die Notaufnahme zu finden, die zwei Meter neben meinem Ausstiegspunkt lag, mit einem peinlich berührten Hüsteln verschwiegen wird. Ähem.

… in der ich nicht die Erkenntnis gewinnen muss, dass manche Leute, die ich als „Freunde in der Not“ eingestuft hätte, mich offensichtlich nur unter „Bekannte“ eingestuft haben. Das schmerzt interessanterweise mehr als mein Bein.

… IN DER BADEZIMMER RUTSCHFESTE BÖDEN HABEN, VERDAMMT!!!

… in der die Geriatrieabteilung im Krankenhaus nicht „Wiesental“ heißt. Tse!

… in der das hier (Achtung, Verletzungsbild folgt) nicht zu sechs Wochen auf Krücken führt:

20121011-131457.jpg

Und dann möchte ich bitte gerne auch in einer Welt leben, in der sinnloses und doofes Rumgejammere irgendjemandem etwas bringt. Außer Denethor dem Dementor. Je nun, ich google jetzt mal wieder nach „Beinbruch + Duschen“ …

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