Flashback time, woot woot!

Wisst ihr, ich seh ja schon ein, dass Pearl Jam und Nirvana die 90er musikalisch geprägt haben. Und dass es totaaal wichtig war, sich für entweder Oasis oder Blur zu entscheiden.

Nun ja. Ich hatte da mal wieder eine andere Ansicht. Überraschung!

USA-Grungeära-Helden meinerseits:

Ich war schon immer eher nicht so der, äh, Shoegazer. Drama, Baby! Die Pumpkins spielen dieses Jahr am Gurtenfestival in Bern. Ich möchte sie wahnsinnig gerne mal wieder live sehen (hab ich bisher nur vor ein paar Jahren am wohl seltsamsten Festival der Welt geschafft), aber … Gurten? Mit den ganzen Gurten-Hipstern? Mit dem Festivalpublikum, das nicht alleine wegen der Pumpkins da sind? Die diese Band nicht so lieben, wie ich es tue? Ja, absolut doofer Snob-Scheiß, ich weiß. Aber trotzdem. Mimimi. Ich will ein Konzert nur für mich, danke sehr. In irgendeinem alten Theater, dessen roter Samtvorhang schon leicht gammlig ist, dessen Stuck bröckelt, dessen Glanz vergangener Tage man nur erahnen kann. Ich meine, hey: Die Pumpkins sind auch schon leicht gammlig und bröcklig, and I do like their old stuff better than their new stuff. Aber sie sind, Besetzungswechsel galore oder nicht, eben doch die Pumpkins, solange Billy dabei ist. Jaja, Arschloch, schon klar. Aber ich klammere mich an die klischierte Maxime: Wer solche Musik macht, kann nicht ganz schlecht sein. Irgendwie. I believe in Billy Corgan.

Deswegen: Pumpkins am Gurten? Zähneknirschen. Aber muss wohl. Man lasse mich aber dann bitte während des ganzen Konzerts alleine, ich bin ganz woanders.

We don’t even care, as restless as we are.

Und jetzt bewegen wir uns doch noch über den großen Teich und beantworten die ewige Frage „Alors, tu serais plutôt Patrick ou plutôt Roch?“ Äh, nein, falsche 90er Jahre. (Roch. Sowieso.) Ich meine die oben erwähnte Frage „Oasis oder Blur?“ Nun ja. Ich ziehe die Schweizer Neutralitätskarte und sage: Beide. Auf ihre eigene Art.

Oasis wegen des Proll-Appeals. Klar, auch wegen „Wonderwall“. Aber auch wegen so grandioser Textzeilen wie „I was looking for some action, but all I found were cigarettes and alcohol“ – mein Leben damals. Ach ja, damit die Bruderfrage auch geklärt ist: Liam. Wenn schon Proll, dann richtig.

Und Blur? Oh, bitte. „The Universal„. Herzzerbrechend schön. „It really really really could happen“. Magic. Und das Video dazu, „A Clockwork Orange“, meine Englisch-Abi-Lektüre … jo, das appelliert dann wieder an das Künstlerseelchen in der Bildungsbürgerin.

Also: Beide. Ich bin nun mal saumäßig vielfältig, was soll ich sagen. Hüstel.

Aber eigentlich sind meine Lieblingsbriten die Dandys. Die Snobs. Die mit dem arroganten Gesichtsausdruck und der süffisant hochgezogenen Augenbraue. Die mit dem Seitenscheitel und dem leicht bowiesken Gehabe. Kurz: Die Britpop-Hipster.

Suede.

Jaja, lacht nur.

Pffft.

Und ich geb hier auch zu, dass die Sympathie hier nicht nur mit der Musik und den Texten zusammenhängt. Meine Bewunderung für Brett Anderson ist leicht, äh, anders gelagert als die für Billy Corgan. Man könnte sagen: Etwas weiter unten. Da wir hier aber nicht nur objektifizieren wollen, sei auch darauf hingewiesen, dass Brett nicht nur Wangenknochen hat, die Glas schneiden könnten, sondern auch … äh … sorry. Ich bin bei den Wangenknochen hängen geblieben. Und bei der Google-Bildersuche.

Brett hat bestimmt auch total tolle menschliche Qualitäten. So. Und ha, auch gleich Beweise gefunden! Interview Nummer 1:

I’ve often regretted the production on certain songs, like “Trash” and “Animal Nitrate”, even though they’ve been pretty good songs. But you can’t go messing around with things like that. You start to interfere with what people originally liked about it. I also think people like your mistakes, as they give your work humanity. I quite like that about Prince. He seems to throw stuff out – some of it genius, some unlistenable – but all quite honest. I respect that.

Interview Nummer 2:

Which living person do you most admire, and why?
My wife. She is the most beautiful person I know in every way and has an endless energy for other people that a vinegary old misanthrope like myself can only marvel at.

Bawww. Ach ja, und das hier – ob mich das irgendwie an einen Bewohner dieses Hauses erinnert? Hmmm …

What is your earliest memory?
Being obsessed with Elton John when I was about four and walking round in comedy outsized yellow plastic glasses as a homage.

Anderer Sänger, gleicher Obsessionslevel …

Kurz: Brett Anderson. Suede. Und wieder mal total lange Rede mit extrem kurzem Sinn: Neue Single.

Ach ja, und noch eins:

If you like something, you should celebrate it. One of the most worrying trends of the last 15 years has been this imposition of a canon of acceptability – „you’re allowed to like this because it’s cool“. I don’t believe in that.

Neither do I. So there you have it: I love Suede. I love The Smashing Pumpkins. And I don’t care whether it’s allowed and/or cool or not.

Two hearts under the skyscrapers.

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