Hemminismus

Ich möchte eigentlich einen ganz langen Text zum Thema „Gute Feministin/schlechte Feministin“ schreiben. Aber: Mir fehlen Zeit und Hirn. Deswegen möchte ich heute mal wieder dem Internet ganz besonders dafür danken, dass es diese Aufgabe für mich übernimmt.

Konkret: Die Zitate weiter unten sind aus Marianne Kirbys eigentlich komplett zitierbarem xojane-Artikel „I’m so tired of hearing about „Good Feminists“ and „Bad Feminists“„. Ich kann es ja auch nicht mehr hören, aber anscheinend kann ich noch darüber schreiben. Ha.

Hier ging es in den Kommentaren ja schon kurz um mein Problem damit, mich in der feministischen, nun ja, „Szene“ zurechtzufinden, ohne irgendwie anzuecken. Na ja, ganz ohne Anecken geht es ja eh nicht, aber ich meine halt: Ich hab nun mal dieses Musterschülergen, das es für mich ganz, ganz schlimm macht, wenn ich nicht die perfekte Note kriege. Und die scheitert bei mir nun mal daran, dass ich:

  1. Eine Hausfrauslashmutter bin
  2. Frauensachen mag (ja, auch Pink!)
  3. Bei uns zuhause auch in Sachen körperliche Arbeit die traditionell „schwache“ Rolle einnehme
  4. Grundsätzlich eher darauf erpicht bin, die streitenden Seiten irgendwie zusammenzubringen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen

Und damit, dass ich mir von so etwas Hemmungen einreden lasse, begehe ich eine weitere Sünde, und die finde ich dann wirklich übel und werde sie hoffentlich in Zukunft lassen: Ich erliege der Definition der Strohfeministin als erstrebenswertes Ziel.

Quatschfug. Mein Feminismus sieht eben, das muss ich akzeptieren, irgendwie so aus, dass ich eher die Inklusion als die Konfrontation anstrebe. Ich will die Aufwertung von Pink als vollwertige Farbe, die man tragen darf, ohne damit Assoziationen in Bezug auf Politik/Geschlecht/Sexuelle Orientierung/Intelligenz etc. hervorzurufen. Ich will ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Mann und Frau. Ich will, dass die Wahl des traditionellen Wegs aus freien Stücken als Möglichkeit anerkannt wird, die zwar nicht als feministische Entscheidung deklariert werden muss, aber auch nicht als verachtenswertes Anbiedern an das Patriarchat.

Und ja, ich will auch ein Einhorn, das Regenbögen kackt.

Aber versteht ihr, was ich meine? Ich wünsche mir auch alles, was generell in feministischen Kreisen gefordert wird – ich hätt halt noch gerne etwas mehr Bandbreite.

Macht mich das zu einer schlechten Feministin? Mag sein. Definitionsfrage. Aber nicht zu einer schlechten Feministin in diesem Sinne:

There’s a flipside to this. Of course there is. And it shows up when people use the Good Feminist/Bad Feminist divide to absolve themselves of responsibility for action.

I don’t think Annie Tomlin falls into this — but if you’ve ever heard someone say, „I know I should care but I’m a bad feminist,“ then you’ve seen this happen. Labeling themselves as a bad feminist excuses inaction and apathy.

Denn es ist doch immer noch so: Das Eine schließt das Andere nicht aus. Nur weil ich Pink mag, Songs, die gerne mal als (ugh!) „Mädchenmusik“ bezeichnet werden oder eben auch gerne koche, nähe und mich schminke, bedeutet das nicht um Umkehrschluss, dass mich feministische Themen nicht interessieren. Und es bedeutet auch nicht, dass ich mich zu anderen feministischen Themen nicht äußern darf.

Ich darf. Und ich darf mich dabei auch ordentlich ins Fettnäpfchen werfen. Und ich darf dafür auch gescholten werden. Denn so lerne ich was fürs nächste Fettnäpfchen. Der größte Fehler wäre es, still zu sein und darauf zu hoffen, dass irgendwer erkennt, was für tolle feministische Gedanken doch in mir drin stecken und sich nicht raustrauen.

Weg mit den Hemmungen. Her mit den Debatten.

None of us can completely separate ourselves from our culture — nor should we have to in order to critically think about our culture. I mean, maybe I like makeup because women are supposed to like makeup. But I can examine that, consider that, actively interrogate that even as I go to the makeup counter to buy yet another chartreuse eyeshadow.

I would, in fact, argue that women who participate in beauty culture are in a unique and more powerful position from which to change the beauty imperative that some women still feel.

The Good Feminist/Bad Feminist paradigm needs to be blown up. That sort of demand for ideological purity only hurts us.

If people are looking for a short answer to the „Can I be a feminist if“ question, perhaps the best answer anyone can offer them really is simple: It’s complicated.

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Ein Gedanke zu “Hemminismus

  1. Hm, ich finde es schade, dass du Feminismen überwiegend auf Fashion-Statements, Songvorlieben oder Emotionales runterbrichst. Natürlich ist „das Private (auch) Politisch“, aber ist denn nicht schon deine immer wieder auftretende Auseinandersetzung mit diesen Themen feministisch, also politisch? Ich würde das nicht so kleinreden an deiner Stelle – und diese klassischen „Wir Alphamädchen“-Feminismus-Argumente überzeugen mich einfach nicht. Na klar kann ich als Feministin pink tragen – aber sowas ist für mich gar kein Thema. Und dass frau sich „trotzdem schminkt“, das ist doch nun nur eine Reaktion gegen bestehende Klischees und kein wahrhaftiges Statement.

    Dass es eine bewusste Entscheidung ist, die frau trifft, um die traditionelle Hausfrauenehe einzugehen, würde ich da viel eher diskutieren wollen. Aber mein feministischer Ansatz und vor allem meine Arbeit im Gender Studies-Bereich ist wohl ganz anders verortet. So.

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