Kindergartenkind oder auch Ein ganz wichtiger Satz

Gestern war es also so weit. „Basti, aufstehen! Kindergarten!“ – „NEIN ICH BIN NOCH EIN BABY!!!“

Mit Frühaufstehen hat er es noch nicht so.

Dann aber konnte er doch etwas Begeisterung aufbringen, die Lunchbox wurde gefüllt, Ersatz- und Matschklamotten eingepackt, der neue Rucksack geschultert und ab ging’s. Im Kindergarten selbst dann kurz umgucken, Hausschuhe anziehen und Besitztümer am neuen Platz deponieren, „Tschüss!“ winken und weg war er.

bastikiga1Nicht, dass mich das groß erstaunt hätte – ich habe nicht mit Gezeter gerechnet. Erstens kennt er kurzfristige Betreuung durch vertrauenswürdige Leute seit seinem vierten Lebensmonat, wo ich ihn beim besten Willen nicht zu meinen Fahrstunden mitnehmen konnte, zweitens war er auch schon mal einen Tag im Kindergarten der Freundin meines Schwagers, und drittens wollte er ja schon beim letzten Mal, als ich nur Unterlagen abholen wollte, gleich den halben Morgen im KiGa bleiben. Vom Smaland bei IKEA ganz zu schweigen.

Meiner Empfindung nach orientiert sich Bastian sehr daran, wie wir mit anderen Leuten umgehen – wenn wir vertrauensvoll interagieren, merkt er schnell, dass er diesen Personen ebenfalls vertrauen kann. Außerdem gab’s Spielzeug. Und andere Kinder. Ich hab beim Abholen sowas von abgestunken gegen diese Highlights, ich sag euch …

Der Sohnemann blieb also den ganzen Morgen im Kindergarten, heute ist er mit dem Papa runtergefahren und ich hole ihn nachher wieder ab. Es ist alles ganz neu und aufregend, das eine Kind heißt Lulian (also Julian wie sein Onkel), die eine Erzieherin heißt Maria (wie dessen Freundin). Und die Maria scheint er gestern auch schon ordentlich vollgequasselt zu haben: „Ich hab der Maria erzählt, dass wir eine Strickleiter zuhause haben!“ – „Ich hab der Maria einen Stock geschenkt!“ Und ich, ich hoffe dass er sein Herz nicht allein an die Maria hängt, denn sie ist hochschwanger und wird vermutlich nicht mehr lange im Kindergarten zugange sein.

Die Reaktion einer der anderen Erzieherinnen gestern war übrigens: „So ein tolles Kind!“ So etwas geht einem natürlich (bei aller Vermutung, dass sie das zu allen Eltern sagen …) runter wie Öl. Und ja: Bastian ist außer Haus wirklich eins dieser Mehr-oder-weniger-Vorzeigekinder, zumindest wenn er mit jemand anderem unterwegs ist als mit mir oder seinem Vater oder uns beiden.

Womit wir bei dem ganz wichtigen Satz wären, der meinen Blickwinkel auf das Elterndasein ziemlich verändert hat. Keine Ahnung mehr, wo ich den gelesen habe – wenn mir jemand dessen Ursprung erklären kann: Ich wäre sehr dankbar.

Kinder benehmen sich bei den Menschen am schlimmsten, zu denen sie am meisten Vertrauen haben.

Zack. Wie wahr ist das denn bitte? Und wie einleuchtend? Natürlich! Wir handhaben es doch auch so: Wer kennt unsere tiefsten Tiefs, unsere peinlichsten Erlebnisse und unsere intimsten Geheimnisse? Die Leute, die uns am nächsten sind. Die Menschen, bei denen wir ganz uns selbst sein können, weil wir uns ihrer Liebe gewiss sind. Weil wir darauf vertrauen, dass sie uns nicht verlassen, auch wenn wir mal ein Arschloch sind.

Und deswegen ist es zwar anstrengend, nervig und mitunter aufs Extremste geduldsfadenzerschleißend, wenn mein Sohn seine Grenzen an mir austestet und zum zigsten Mal genau den Quatsch macht, den ich ihm ebenso oft verboten habe. Aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass es stimmt zwischen uns. Dass er weiß, dass er mir auf die Nerven gehen darf. Dass es zwar Konsequenzen gibt, ich ihn aber trotzdem immer liebe.

(Ich versuche auch in den schlimmsten Momenten, wenn ich dann doch mal lauter werde, ein „Ich liebe dich“ unterzubringen. Und wenn es nur ein „Ich liebe dich, aber so wie du dich jetzt benimmst, kann ich dich gerade nicht wirklich leiden“ ist.)

Anders gesagt: Noch ist der Sohnemann im Kindergarten ein wenig im Unsicherheitsmodus. Das wird sich vermutlich sehr bald ändern. Und dann muss er damit umgehen, dass auch andere Leute ihn in seine Schranken weisen. Spaßig wird er das nicht finden. Die Erzieherinnen auch nicht. Aber hey: Da gilt die gleiche Maxime wie bei mir vorhin, als ich stöhnend den Anweisungen einer Workout-DVD (Yay! Kindergarten!! Zeit für mich!!!) folgte: Da muss er durch.

Und das Gezeter beim Abschied? Kommt sicher irgendwann auch noch. Da mach ich mir keine Hoffnungen.

Und vielleicht ist er ja schon heute nicht mehr so platt von den ganzen Aufregungen des Vormittags, dass er nicht wie gestern noch in der Einfahrt beschließt, eine Ruhepause einzulegen …

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4 Gedanken zu “Kindergartenkind oder auch Ein ganz wichtiger Satz

  1. Siehst, wenn er nächste mal fragt warum wir in Böllen wohnen: weil man sich hier in die Einfahrt legen kann, ohne das die Gefahr besteht das man überfahren wird… ;D

  2. Zwar nicht als Mama, aber als Tochter, kann ich sagen, ja das stimmt. Und ich glaube weil meine Mama das auch weißt, sind mein Bruder und ich ganz okay geraten. Denn es ist definitiv so, dass seine Grenzen austesten nicht immer was mit Respektlosigkeit oder Aufsässigkeit zu tun hat, sondern doch auch damit, dass man weiß, dass man sich ausprobieren kann, aber leider habe ich oft das Gefühl, dass zu wenige Eltern dass so sehen…

    • Eben – auch wenn es manchmal (so ab dem dritten „Hör bitte auf!“) schon in Rebellion ausartet, so ist es doch auch so, dass man erst mal lernen muss, was geht und was nicht. Siehe auch Thema Schrammen. Wobei ich da momentan noch eine eher bedingte Lernfähigkeit sehe. 😉

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