Guten Abend, gut Nacht

Der Sohn hat heute seine Lunchbox (mit Dusty von „Planes“ drauf – Pixardisneykind, ja) quasi noch voll zurück gebracht. Der Marlon hatte Geburtstag, und im Kindergarten gab’s Kuchen. Kuchen mit Martins drauf. Vielen kleinen Martins.

Ja, genau: Smarties meinte er. Nun denn. Zum Mittagessen wiederum gab’s bei uns Pizzaschnecken, sehr beliebt beim Herrn (fertiger Pizzateig, Tomatenmark mit viiiiiel Gemüse pürieren, magere Schinkenwürfel drauf, Parmesan drüber reiben, dann aufrollen und in Stücke schneiden, wie süße Hefeschnecken halt) und folglich auch über den Nachmittag verteilt immer wieder in den Mund geschoben.

(Kleiner großer Einschub: Ich versuche Bastian durchaus die Wichtigkeit gemeinsamer Mahlzeiten beizubringen, aber mir ist es ebenso wichtig, dass er seinem natürlichen Nahrungsinstinkt entsprechen kann, und da neigt er mehr so zu dem, was man auf Englisch „grazing“ nennt: Hier ein Häppchen, da ein Häppchen. Es kann durchaus sein, dass er mir mitten am Nachmittag schmatzend mit einem Pfirsich entgegen kommt, und hey: Obst ist immer da. Obst kann er immer essen. Derzeit kristallisiert sich auch heraus, dass er bei frühem Aufstehen mehr so der Typ ist, der nicht innerhalb der ersten Stunde frühstücken mag/kann. Kein Ding, er kriegt dann einfach genug in seiner Lunchbox mit. Will sagen: Er soll Essen nicht als sture Pflicht empfinden, sondern auch lernen, auf seinen Körper zu hören. Und ja, vermutlich projiziere ich da zu sehr meine eigenen Probleme mit rein, aber nützt’s nix, so schadt’s hoffentlich auch nix.)

Gegen Abend war er dann noch der Meinung, seine Kindergartenbrote essen zu müssen, und da es für uns Erwachsene Ajo Blanco zum Abendessen gab, durfte er sich eine Alternative aussuchen. Er entschied sich für die Croutons, die wir mit in die Suppe packten, und einen Kinder-Schokolade-Riegel. Kann man natürlich debattierbar finden, aber wie gesagt: Selbstbestimmung oder zumindest sich einbringen dürfen in Sachen Nahrung find ich nicht ganz unwesentlich.

Danach war eine Runde Badewanne fällig, und nun komm ich auch langsam zum Thema: Während ich unten im Garten saß, kam Bastian plötzlich plärrend runter, weil er doch noch etwas essen wollte. Beziehungsweise: Papa war angeblich gerade irgendwie doof (sprich: Hat ihm nicht seinen Willen gelassen) und Mama sollte die Situation retten. Also hat Mama ausnahmsweise das Schlafanzugmontieren übernommen. Hihi und haha, große Party. Und Essen? Schon wieder vergessen. „Trag mich in mein Zimmer, Mama! Guck Papa, wir sind eine Babygiraffe!“ Kind ins Bett getragen, Kind ins Bett plumpsen lassen, Riesengaudi. „Mach das Schlafsingen an!“ Hä? Ach so, die selbst gebastelte Eulen-Spieluhr. „Sing mit!“ Okayyy, ich bin bei „When you wish upon a star“ nicht ganz textfest, aber für die erste Strophe reicht’s. Danach wollte ich mich mit meinem üblichen Gutenachtkuss und „Gute Nacht, Maus! Schlaf gut, träum süß, ich liebe dich!“ verabschieden und den Ehemann das Einschlafprozedere übernehmen lassen. Nüscht. Kind warf sich gleich ins Bett und gackerte „ZU SPÄÄÄÄÄT!!!“, nur um danach sofort wieder aufzuspringen, sich an mir festzukrallen und zu quaken: „Hierbleiben, Mama! Ich brauch dich doch!“

Klaro: Instant Herzschmelze.

„Lies mir was vor! Mama liest heute, Papa!“ Nun gut. Also liest Mama heute. Was soll Mama denn lesen? „Das grüne Küken!“ Alles klar. Mag ich ja auch sehr, das Buch. Es wird zwar gerne für Adoptivkinder bzw. -eltern propagiert, aber ich finde, dass man das durchaus in jeder Familienkonstellation lesen kann. Danach eine Runde Planes-Suchbilderbuch. Argh. Ich bin ja Wimmelbildspielfanatikerin (jaja, Wimmelbildspiele, die Freizeit Revue unter den Computergames, ich weiß, ich weiß), aber im Halbdunkel die Unterschiede zwischen zig Flugzeugen und Gabelstaplern erkennen? Nun ja. Mäßig erfolgreich. Aber dann, der derzeitige Höhepunkt des abendlichen Vorlesens, sofern ich das mitgekriegt habe: Der Maulwurf mit der Kackwurst auf dem Kopf. Ihr wisst schon:

Oh Gott, wenn Basti mitkriegt, dass es dazu einen Trickfilm gibt … PSSST!!!

Dann war das Buch auch durch, und Sohnemann behielt recht mit seiner anfänglich geäußerten Vermutung, dass tatsächlich Hans-Heinerich der Übeltäter war. Freude allenthalben. Uuuund Licht aus.

„Erzähl mir Cars!!!“

Uff. Na gut. „Also, der Lightning McQueen ist ein ganz schneller Rennwagen und …“ – „Wo sie klein waren!“ – „Wie jetzt, als die Cars-Autos klein waren? Im Kindergarten?“ – „Im Autogarten!“ – „Im Autogarten. Alles klar. Also, der McQueen war damals schon schneller als alle anderen und hat die Rennen im Autogarten immer gewonnen. Und der Hook hat die anderen abgeschleppt.“ – „Warum ist der Franz ein Flugzeug?“ – „Der Franz aus Planes? Den hat jemand so gebaut.“ – „Wer hat den gebaut?“ – „Keine Ahnung. Vielleicht der Professor Zündapp. Der ist auch ein deutsches Auto.“ – „Nein, das ist doch der vom Gru!“ – „Nee, das ist der Doktor Nefario.“ – „DU ERZÄHLST QUATSCH!!!“ – „…“

„Erzähl vom Spongebob!“

(Disclaimer: Nein, der Sohn sitzt nicht den ganzen Tag vorm DVD-Player. Wirklich nicht.)

„Also, der Spongebob wohnt in einer Ananas.“ – „Neben dem Tintenfisch!“ – „Ja, der Tintenfisch ist der Thaddäus, und auf der anderen Seite wohnt der Patrick unter einem Stein.“ – „Der Thaddäus ist der Helfer vom Spongebob!“ (Oh Basti, lass das bloß nicht den Thaddäus hören …)

Dann, aus purer Verzweiflung: „Basti, soll ich dir Queen vorsingen?“ – „JA! Das mit den langen Brettern!“ Hä? Nach mehreren Rateversuchen: „Don’t stop me now“ meint er. Danach will er das „mit den Frauen“. Alles klar. „Bicycle Race“. Auch hier beherrsche ich die Lieder nicht so, wie ich mir gerne einbilde. Zumindest nicht, wenn  Dann noch das mit den „langen Stäben“. Ich entscheide mich für ein Medley mit „We are the Champions“ am Ende. Ganz leise und laaaangsaaaam gesungen. Dabei immer schön die Ohren spitzen: Wird das Atmen langsam ruhiger? Hören die Arme auf zu zappeln. „Youuu brought me faaaame and fooortuuune and everythingthatGOESwithit …“

Ja, er schläft ein! „I THANK YOU ALL!“ Und dann mit einem letzten geflüsterten „Of the wooooorld“ raus. Wat mutt, dat mutt.

Was ich sagen will: Einmal mehr bestätigt sich, dass ich den tollsten Mann der Welt geheiratet habe – ich könnte das nicht Abend für Abend durchziehen.

Andererseits singt der Mann ja auch nicht. So there.

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2 Gedanken zu “Guten Abend, gut Nacht

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