Die Jungfrau, das Kind und ich

Ich wollte ja noch über Hemsworth sprechen. Erst mal kurz klarstellen: Chris Hemsworth. Also Thor. Oder auch „BEEFCAAAAAKE!!!“, wie ich zu sagen pflege. Wobei, als der Herr am Samstag dann unerwartet ungefähr fünf Meter von mir entfernt stand, hab ich nix gesagt. Gar nix. Debil gegrinst? Garantiert. Aber ich erklär euch jetzt mal, wie das alles kam.

And it goes a little like this:

Ich hatte mich Anfang letzter Woche spontan dazu entschieden, am Wochenende nach Köln zu fahren, weil Ed Kowalczyk dort ein Unpluggedkonzert spielte. Der Name sagt vielleicht nicht mehr sooo vielen was, aber die Band „Live“ kennt vielleicht noch der eine oder die andere. Hier, sowas:

Mittlerweile mag ich Konzerte mit anderen mittelalten Leuten, die vor allem aus Leidenschaft für die Musik und aus Nostalgie da sind und den Gig in einen Sing-Along verwandeln, ja sehr gerne (siehe auch: Joshua Kadison vor Jahren im Jazzhaus Freiburg). Vor allem weil die Konzerte dann auch gerne zu einer vernünftigen Uhrzeit anfangen und enden. Muddi braucht ihren Schlaf, Muddi findet es doof, wenn coole Hipsterindiebands erst um elf die Vorband auf die Bühne schicken. So.

Auf jeden Fall hat der tollste Ehemann der Welt es für mich möglich gemacht, da hinzufahren, indem er sich um das kranke Kind gekümmert hat, und ich hab – kleiner Finger, ganze Hand – dann auch gleich für zwei Nächte ein Hotelzimmer gebucht, nach dem Motto „Einen Abend ausgehen, einen Abend rumvegetieren mit Gesichtsmaske und Schleckerdiknack“. Und so lag ich denn am Samstagabend auch schon mehrheitlich bettfertig, aber zum Glück noch nicht abgeschminkt auf dem Bett rum und zappte so kurz vor acht zum WDR, wo gerade Regionales das Thema war und irgendwer von einer Kinopremiere laberte. Äh, Moment, „Rush“? Das ist doch der Dings mit dem Dings! Hm, mal googeln.

Alles klar. Chris Hemsworth ist gerade in der gleichen Stadt wie ich. Das Roter-Teppich-Gedöns hat um 19 Uhr angefangen. Filmstart 20 Uhr. Ich habe keine Verantwortlichkeiten, ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, ich könnte natürlich jetzt vernünftig sein und das tun, was jeder normale Mensch in meiner Situation täte, nämlich abschminken, Maske auftragen und wie geplant rumvegetieren mit Schleckerdiknack.

Aber leider bin ich inmitten dieser Gedanken schon wieder angezogen, belippenstiftet und auf der Treppe zum Hotel raus.

Wie ich zum Kino komm? Keine Ahnung.

Was ich dort soll, wenn ich ankomme? Keine Ahnung.

Nur: Drinne bleiben und Waswärewenn spielen ist auch keine Lösung. Im Zweifelsfall hab ich immerhin ne Story gloriosen Scheiterns zu erzählen.

Nun ist es für einen Kölnnichtkenner bzw. jemanden mit dem Orientierungssinn eines Tankdeckels wie mich nicht sofort erkennbar, wie man am besten zum Cinedom kommt. Also mal rin in den Hauptbahnhof, raus aus der S-Bahn, rin in die U-Bahnstation, upsi, falsche Richtung, Navigation vom Handy an, zu Fuß zum Mediapark, da war ich doch schon zum Blogst-Workshop im Sommer, ach ja guck mal, da wackeln die Fliegerabwehrscheinwerfer (wie heißen die eigentlich politisch korrekt? Sorry!) durch die Luft, da muss was sein. Bingo. Ein einsamer Ferrari auf dem roten Teppich, davor einige sabbernde Jungs und diverse Arbeiter, die gerade die Sicherheitsgitter abbauen.

Alles klar. Roter Teppich vorbei. Immer diese professionellen Stars, die pünktlich kommen. Hmpf. Selber schuld, es ist ja auch schon nach halb neun.

Nun ja, aber wo wir schon mal da sind, können wir uns ja mal das Kinoprogramm genehmigen, ne?

Blaaaargh. Nüscht. Der einzige Film, der mich halbwegs interessieren würde, ist „The Conjuring“, aber ich guck mir den garantiert nicht nachts (!) in einer fremden Stadt (!!) alleine (!!!) an. Ich musste nach „28 Days Later“ bei Licht einschlafen, und der Mann durfte es erst ausschalten, als ich weggedöst war.

Ich steh also so da und guck doof, da spricht mich ein junger Herr an. Er und sein Kumpel hätten eine Karte für diesen Film da gewonnen, aber sie kommen damit nicht zu zweit rein, ob ich die haben wolle?

Ich guck auf das Ticket. „Rush“.

Ich wische die Scherben meiner innerlichen Kinnlade vom Boden auf, bedanke mich ausgiebigst und sause dann zum großen, breiten Mann mit Anzug, der die Tickets für die Premiere kontrolliert. „Äh, ich hab grad ein Ticket geschenkt gekriegt. Komm ich damit da rein? Wirklich? Also, WIRKLICH?“

Wirklich.

Im Kinosaal dann die Dame an der Tür: „Es ist leider nur noch ganz unten was frei …“ Och. Da so ganz unten. Bei der kleinen Bühne. Auf der die Stars dann nach dem Film vermutlich noch mal auftauchen. So ein Ärger aber auch.

Plumps, erste Reihe Mitte. Ich versuche, nicht zu laut zu kichern.

Jetzt aber mal: Film gucken! Und an dieser Stelle eine absolute Empfehlung für „Rush“. Ich bin kein großer Rennsportfan, ich guck ab und an mal Formel 1, hatte meine Fanphase aber schon vor einiger Zeit (aus der bei mir immer gültigen Rubrik „Cherchez l’homme“: Gerhard Berger), und an die Siebziger kann ich mich diesbezüglich nur erinnern, weil mein Vater Bücher über Jo Siffert, Clay Regazzoni und Jackie Stewart besaß. Daher war mir auch die dramatische Geschichte der Saison von 1976 mehr so fremd, und ich war ehrlich gesagt froh darüber, denn so konnte ich komplett ungespoilert mitfiebern. Die Story ist so absurd, wenn sie nicht tatsächlich wahr wäre, es würde sie keiner glauben. Die Darsteller, allen voran natürlich Daniel Brühl als Niki Lauda, sind grandios. Alle Filmpreise für ihn, bitte. Aber auch Chris Hemsworth befreit sich aus der Beefcake-Nische als Laudas vermeintliche Nemesis James Hunt. Denn Hemsworth kann nicht nur heroisch, er kann nicht nur Grinsebacke Playboy, er kann auch verletzlich und getrieben. Und es sind die Momente, in denen er an einen anderen australischen Schauspieler erinnert, aber ich mag den Vergleich nicht machen, denn es ist nicht die physische Ähnlichkeit, die einen dazu bringen mag, ein Quentchen Heath Ledger in Chris Hemsworth zu sehen, es ist einfach eine gewisse … „Aussieness“. Und das lässt sich nicht genauer erläutern und sezieren, sorry. Das ist einfach dieses schnelle Grinselächeln, dieses Funkeln in den Augen, diese innere „She’ll be right, mate“-Attitüde, dieses Gefühl, dass einem diese Jungs geben, dass man ihnen genau so gut im Pub beim Billiardtisch begegnen könnte oder beim Barbie im Garten eines Kumpels. Oder beim Aussie-Rules-Footballspielen auf der nächstbesten Grünfläche.

Ach, Australien. Ach, Heath.

Zurück zum Film: Mir gefiel auch die Kamerarbeit extrem gut, zeitweise (das mag auch an dem Platz in der ersten Reihe gelegen haben …) fühlte ich mich wirklich, als ob ich mit im Cockpit säße und amüsierte mich über die Vorstellung, wie sehr die Sitze im 4D-Kino im Europapark bei diesen Szenen wohl rütteln würden. Kurz: Hingehen. Angucken.

(Nein, ich fürchte den Bechdel-Test besteht er nicht. Außer natürlich die Frauenfiguren spielen in den ersten so 40 Minuten eine größere Rolle …)

Danach ging’s wie erwartet, okay: erhofft, an die Interviews mit den Stars. Moderiert hat irgendein RTL-Formel-1-Heini, der weder Heiko Waßer noch Christian Danner noch Kai Ebel war – ah, grad gegoogelt, Florian König war’s. Ich kenn Danner und Waßer ja vor allem als „Heiko Water und Chris Dänner“ aus „Cars“. Der Sohn ist ja bekanntermaßen Pixar-Fan.

Erst war Ron Howard dran, und was soll ich sagen: Er ist klein und schmächtig und sieht irgendwie immer noch aus wie der Dings aus „Happy Days“. Richie, genau (Was soll ich sagen, ich war ein Fonzie Fangirl). Peter Morgan, der Drehbuchautor, erzählte davon, wie seine Frau als Österreicherin Niki Lauda persönlich kannte, was mich zur Frage bringt, ob das alle Österreicher tun? Ich meine, ich bin Schweizerin, aber ich hab ja nu auch nicht DJ Bobos Handynummer.

Alexandra Maria Lara: Sehr hübsch, sehr schwanger.

Daniel Brühl: Wie gesagt, großartig als Niki Lauda, so sehr, dass man fast erschrickt, wenn man ihn dann in Natura sieht.

Chris Hemsworth: Ein Plopp ging durch die Menge – kollektives Explodieren der gesamten Eierstöcke im Kinosaal. Na gut, vielleicht minimst übertrieben, aber er ist halt schon ein sehr beeindruckendes Gesamtpaket: Aussehen, Talent, Charme, die oben erwähnte Aussieness und über 1,90. Hossa. Ich war bei Weitem nicht die Einzige, die debil gegrinst hat.

Und ja, für Niki Lauda haben wir uns dann zum Teil sogar erhoben. Hätt ich auch nie gedacht, dass ich das mal mache. Aber ich muss zugeben, das hat „Rush“ eben auch geschafft: Dadurch, dass beide Hauptfiguren eben gleichzeitig Helden und Antagonisten sind, beide mal sympatisch und mal zum Haareraufen, dadurch sieht man auch, wie zutiefst menschlich diese Halbgötter im Rennanzug eigentlich sind. Ich werde sicher nie ein großer Lauda-Fan werden, aber ich kann so einiges jetzt nachvollziehen.

Anders gesagt: Nein, ich hab nicht nur gnadenlos schlechte Handyfotos von Chris Hemsworth aus dem Kino mitgenommen.

Aber das innerliche Fangirl hat schon sehr laut gequietscht. Und nein, ich find das überhaupt nicht schändlich, kindisch, nicht alterskonform, wasauchimmer. Was mir Spaß macht und sonst niemanden behelligt, ist absolut erlaubt. Punkt. Und das wird es auch noch sein, wenn ich mal 80 bin.

Und hoffentlich bin ich dann immer noch so drauf, dass ich nicht reagiere wie der normale, vernünftige Mensch, der lieber zuhause bleibt und Waswärewenn spielt.

Flattr this!

Ein Gedanke zu “Die Jungfrau, das Kind und ich

  1. Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen neidisch. 😉 Ein bisschen Fangirl-Sein schadet doch nicht – so lange man die Leute nicht kreischend verfolgt. Ich kann das also absolut verstehen. 🙂
    Mir hat der Film übrigens auch gut gefallen, obwohl ich mit Formel 1 so gar nichts anfangen kann.
    //Larissa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.