Nennt mich Stöckchenusurpator!

Formerly known as „20 Fakten über mich“. Geistert seit Tagen in meiner Filterbubble rum. Ist wieder so ein Stöckchen, dass BloggerInnen sich gegenseitig zuwerfen. Nur ich steh da wie damals in der Turnstunde, als die Mannschaften gewählt wurden. Buhuhuh. Je nun, genug Gejammer, selbst ist die Frau, Stöckchenklau!

1. Hättet ihr mir mal das Stöckchen zugeworfen, ich hätt einen viel weniger patzigen Blogeintrag darüber geschrieben als manch andere tatsächlich Beworfene. Ich krieg nämlich nie Stöckchen. Nicht mal beim Spazierengehen. Die teilen Hund und Kind unter sich auf.

2. Und wo ich gerade über den Hund schreibe: Der heißt laut Sohn jetzt “Schneeweißchen”. Wie das Kaninchen von Emily Elisabeth aus “Clifford”. Der Hund ist bekanntlich schwarz. Und ein Hund. Und übrigens mein Hund, auch wenn Bastian das gerne anders sieht. „Aber ich lieb ihn doch!“ – „Ja, aber ich hab ihn bezahlt!“ Bei uns regiert das Matriarchat, jawoll.

3. Aber was soll ich sagen, der Sohn versteht ja unter Sankt-Martinsliedern derzeit auch noch „LATERNELATERNELATERNE! MARTINMARTINMARTIN!!!“ Das hat er allerdings von mir gelernt, denn ich verbinde mit Sankt Martin nix, aber auch gar nix. Gab es bei uns nicht. Wir hatten am 1. August Laternen. Die wurden übrigens auch über Jahre aufbewahrt und Ende Juli wieder rausgeholt zwecks Balkondeko und Verwendung beim Nationalfeiertagsumzug.

4. Apropos Nationalfeiertag: Jedes Jahr muss der Mann sich anhören, wie seltsam ich es finde, dass in Deutschland ebendieser nicht groß gefeiert wird. Denn ganz ehrlich, was bitte sind drei Heinis, die sich eines Augustmorgens auf einem Berg treffen und mit den Fingern wedeln, gegen ein ehemals geteiltes, wiedervereinigtes Land? Mir geht es dabei nicht einmal um Nationalstolz, davon halte ich sowieso nicht viel – aber irgendwie hab ich am 3. Oktober jeweils das Gefühl, hier findet mehr so eine Dauerschleife dieses Liedanfangs statt. Und das find ich in den tiefsten Tiefen meiner naiven Seele … schade. Bei uns gab’s immerhin Laternen und Feuerstellen und Bratwurst. Pro mehr Bratwurst am 3. Oktober! Ihr müsst euch ja nicht freuen beim Essen. (Ja, ich weiß, alles kompliziert.)

5. „Unsere Trübsal“ kenn ich aus der Zeit, als meine Mutter im Chor gesungen hat. Ich würde sehr gerne im Chor singen, ich hab das in der Schulzeit auch gerne gemacht, obwohl wir zum Teil eher abstruse Werke vorgetragen haben. Mein Gymnasium war ein bisschen berühmt für seine Musikabteilung, daher die gewagte Auswahl. Ich sang damals Alt. Ich hätte auch Sopran singen können, aber im Alt gab es weniger Mädchen. Ich war total neidisch auf die Sopranmädchen. Die sangen viel spektakuläreres Zeug.

6. Was ich übrigens nicht so wirklich war: Ein Pferdemädchen. Das war der Job meiner Schwester. Ich hab mich zwar auch so ein bisschen für Pferde interessiert, denn ich musste als jüngere Schwester ja immer alles nachmachen. Fürs Erlernen des Leichttrabens hat es gereicht. Das fanden die Pferdevermieter in der Camargue natürlich besonders beeindruckend, muahaha. Nicht. Ich hab eigentlich viel lieber „Bille und Zottel“ gelesen. Und am allerliebsten mochte ich „Tipsy, willst du mein Freund sein?“ – ich hatte immer ein Faible für Kinderbücher über komplizierte familiäre Strukturen. Und für solche über ganz, ganz simplen Familienzusammenhalt. Jaja, analysieren Sie das.

7. Drei musikalische Werke, die mir zum Teil unfreiwillig viel bedeuten:

Adagio for Strings von Samuel Barber. Meine Mutter ließ das an ihrer Beerdigung ab Band spielen. Ich kann das nicht hören, ohne dass sich in mir alles verkrampft. Beim Roskildefestival 2001 wurde das Stück gespielt, bevor The Cure auf die Bühne kamen, als Erinnerung an die Todesopfer des Vorjahres. Das war auch mehr so … schwierig.

Little Wonders von Rob Thomas. Ich bin beim besten Willen kein Fan, ich mag das Lied nicht mal besonders. Aber als ich 2007 meine erste Fehlgeburt hatte, lief der Song im Radio rauf und runter. Und der Text hat mich gebeutelt bis zum Gehtnichtmehr. „Let it go, let it roll right off your shoulder, don’t you know, the hardest part is over“ … ja. Das Lied ist immer noch, nun ja, ebenfalls schwierig.

It Takes A Fool To Remain Sane von The Ark. Weil: Ich so. Mein Lied. Meine Hymne. Do what you wanna do. Don’t think twice. Do what you have to do. Do let your heart decide what you have to do. That’s all there is to find.

Ja.

8. Ich bin immer noch nicht wirklich darüber hinweg, dass The Ark sich aufgelöst haben, obwohl es jetzt schon über zwei Jahre her ist. Obwohl es der bestmögliche Abgang war. Obwohl die Mitglieder weiter Musik machen. Trotzdem Herzbruch. Immer wieder beim Anhören oder Angucken, gerade bei diesem Video – das letzte Mal, dass ich sie live sah. Lebensband halt. Muss keiner verstehen.

9. Ich hab immer und überall und in jeder Tasche Taschentücher dabei, aber nie in der Tasche und dort, wo ich sie gerade brauche.(Jetzt zum Beispiel. Selber schuld, Springhart. Kein Mitleid.)

10. Das gilt übrigens auch für Binden. Die fallen mir dafür mit hübscher Regelmäßigkeit aus der Handtasche, wenn ich in der Öffentlichkeit was suche. Oder dann hängt ein Tampon am Schlüssel oder sowas. Der peinlichste Moment in Sachen weiblicher Zyklushygiene war allerdings mal am Wandertag im Progymnasium, als wir eine zweitägige Wanderung irgendwo in den Schweizer Bergen unternahmen und jemand aus unserer Klasse seine sich in Gebrauch befindende Binde auf einem Schneefeld verlor, weil sie ebendieser Person aus der Hose rutschte – damals gab es noch keine Flügel, okay? Auf jeden Fall sah dies unser Klassenlehrer und meinte, wer auch immer die verloren habe, solle sie doch bitte aufheben und mitnehmen, so von wegen Naturverschmutzung und so.

Sehr geehrter Herr G., das war meine Binde. Aber ich war 13 Jahre alt und niemals in meinem Leben hätte ich mich zu erkennen gegeben. So weit ging meine Liebe zur Natur nicht.

11. Ich hab mal irgendwo gehört oder gelesen, dass Dunkelhaarige Koriander mögen und Blonde nicht. Das ist ein Teil meines gefährlichen Halbwissens, den ich mit Vorliebe weitergebe, obwohl ich keine Ahnung habe, ob das stimmt. Ich als Dunkelhaarige liebe Koriander. Der Mann als so Mitteldunkelhaariger beschwert sich zumindest nicht. Beim blonden Sohn kann ich’s nicht beurteilen, denn Koriander ist grün, und bääääääh Grünzeug!

12. Ich bin ganz, ganz fürchterlich begeisterungsfähig. Wie in „komplett von einer Sache besessen“. Das dauert zwar meistens nicht extrem lange, aber ich entwickle dann eher obsessive und komplettistische Züge – ich muss dann alles über eine Serie, eine Band, ein Wasauchimmer wissen und mir Wissen auf Gebieten aneignen, die mit meiner Obsession zusammenhängen. Das artet manchmal ein bisschen aus: Das Austauschjahr in Norwegen? Nun ja, ich war a-ha-Fan. Die Sache mit The Ark? Konzerte in Norwegen, Dänemark, Frankreich, Schweiz, Deutschland. Doctor Who? Ich bin immer wieder kurz davor, mit der allerersten Folge von 1963 anzufangen und mich da dann irgendwie durchzuquälen. Ich will ja nicht mal der Superfan sein, ich will nur Sachen wissen.

13. Ja, ich hab als Kind mein Knaurs Jugendlexikon durchgelesen. Mehrfach. Natürlich!

14. Ich habe immer total viele tolle Geschäftsideen, aber ich trau mich nicht, sie umzusetzen, weil ich absolut gar keinen Geschäftssinn habe. Mein Traum wäre es ja, eine Agentur für Geschäftsideen zu gründen.

15. Für mich ist es mit das Wichtigste, dem Sohn Empathie beizubringen. Deswegen weiß er zum Beispiel auch jetzt schon, dass Mama manchmal etwas traurig ist, ohne das irgendjemand etwas dafür kann. Oder dass es nun mal arme Leute gibt, die kein Zuhause haben, und denen darf man Geld geben, wenn sie darum bitten. Und man schaut ihnen dabei in die Augen.

16. Ich bin ein extrem suchtgefährdeter Mensch (siehe auch Punkt 12). Das ist besonders bei Computerspielen heikel. Die Geschichte, wie mein Mitbewohner in Australien mal um drei Uhr früh heimkam und mich am PC vorfand, Master of Orion II spielend und „Can’t talk. Must kill!“ murmelnd, hab ich ja bestimmt schon erzählt. Aber auch während ich dies hier tippe, hab ich einen Facebook-Tab mit Fantastic Forest offen. Spielt irgendwer von euch Fantastic Forest? Wollt ihr meine Freunde sein?! Ich brauch wen mit Apfelbäumen zum Umarmen!!!

17. Ich möchte dieses Jahr unbedingt noch auf eine Achterbahn. Ich bin zu Ostern zum ersten Mal in meinem Leben Achterbahn gefahren, und ich habe Nachholbedarf.

18. Am 31.10. krieg ich mein drittes Tattoo gestochen. „Abnosome“ wird dann auf meinem Handgelenk stehen. Auch das ist wieder so etwas, das niemand verstehen muss. Aber immerhin ist das mein erstes Tattoo, das nicht spontan entsteht und nicht auf einer Vorlage aus dem Katalog basiert – hallo Delphin auf der Hüfte, hallo Panther auf dem Schulterblatt! Ich behalt sie trotzdem und ich schäme mich nicht, sie gehören zu mir und meiner Geschichte. Und hey, das war 1993 und 1995, damals war das noch halbwegs wagemutig. Oder, wie meine Mutter beim Anblick meines Delphins sagte: „Nun wirst du nie einen Mann finden!“ Bwahahahaaaa!

19. Meine geheimen Fantasien jedwelcher Art lassen sich am ehesten mit „All shall love me and despair!“ umschreiben.

20. Ich kann mich äußerst selten kurz fassen. Q.E.D.

(Ach ja, rein technisch gesehen wurde ich von Karin ja quasi universell zum Mitmachen beim Stöckchen eingeladen, aber ich bitte euch, seid wann interessiert mich rein Faktisches, wenn ich Drama machen kann?!)

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Ein Gedanke zu “Nennt mich Stöckchenusurpator!

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