Julie & Julia & Natalie & everybody

Ich guck gerade nebenher „Julie & Julia“, weil ich gerade Rührei zum Frühstück gemacht habe, nach der Methode, die im Film erklärt wird. Best Rührei ever. Alleine dafür lohnt sich die Anschaffung des Films. Aber natürlich auch sonst. Ich liebe das Ding – let me count the ways:

– Die Beziehung zwischen Paul und Julia. Hey, wäre der Film „Paul & Julia“, er wäre perfekt. Ich mag die Child-Teile der Geschichte so viel lieber als die Powell-Teile. Die Child-Story ist zwar wahr, aber sie wirkt so eskapistisch fröhlich, romantisch, fast ameliesk, um den Vergleich herbeizuziehen, dem sich ja mittlerweile alle halbwegs RomCom-mäßigen Filme messen müssen, die in Frankreich spielen … das ist einfach nur hachseufz glücklichmachend. (Die Geschichte von Julia Child, wie sie im Film dargestellt wird? Das ist die Julia, die ich gerne wäre. Julie Powell? Das ist die Julie, die ich bin.) Paul und Julia: Eine der bewundernswertesten Ehen überhaupt, weil sie so sehr in sich zu ruhen scheint. Natürlich, auch die beiden durchleben schwere Momente – die Szenen, in denen es darum geht, dass sie keine Kinder haben können, sind unglaublich herzzerbrechend. Aber sie haben einander, und wie! Und diese Gefühle wurden nicht für den Film extra dick aufgetragen, man spürt sie auch durch jede Seite von Julias Buch „My Life In France“. Siehe auch: Die berühmte, bekannte, berüchtigte Valentinstagsgrußkarte. Die beiden hatten Spaß miteinander und Spaß aneinander. So soll es sein.

– Die ganze Szenerie in Frankreich und in New York. Ich mag es, wenn Filme liebevoll ausgestattet sind, wenn die Details passen, wenn die Figuren hübsch angezogen sind. (90er-Throwback-Mittwoch: Die Garderobe von Meg Ryan in „French Kiss“! Die Garderobe von Marisa Tomei in „Only You“! Apropos, wäre „Julia & Julia“ in den 90ern gedreht worden, Meg Ryan hätte garantiert die Julie gespielt. Und Tom Hanks die Rolle des Not Mark Ruffalo.) Nora Ephrons Kommentar zum Film läuft hier gerade, und da merkt man auch, wo diese Leidenschaft für Kleinigkeiten herkommt: „Das Rezept für den Chocolate Cream Pie stammt übrigens von mir“. Eine passionierte Köchin, die einen Film übers Kochen dreht. Passt. Oder wie sie erklärt, dass die Legende, wie Julia Child mal in ihrer Sendung einen Fisch fallen ließ und ihn zurück in die Pfanne beförderte, ziemlich ausgeschmückt ist: In Wahrheit waren es Kartoffeln, und sie fielen nur auf den Herd. Ich mag die Leidenschaft für die Geschichte, die aus solchen Details spricht. Und ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn eine Story, die ich liebe, schlampig behandelt wird. Deswegen: Danke, Nora. Nicht nur dafür natürlich.

– Die Darsteller. Meryl Streep. Stanley Tucci. Natürlich auch Jane Lynch. Mehr muss ich ja eigentlich nicht sagen, nicht wahr? Wobei, ich tu Amy Adams und Chris Messina (Da, bitte. Nicht nur Not Mark Ruffalo!) unrecht, wenn ich sie nicht auch mit erwähne. Die beiden spielen ihre Rollen auch toll, und sie können nichts dafür, dass diese Figuren nun mal, na ja, etwas blass und unsympathisch wirken neben den überlebensgroßen Charakteren Paul und Julia Child. Gerade Amy Adams – wie undankbar ist es bitte, so zu gucken, als ob man gerade einen Blogeintrag schriebe und die entsprechenden Emotionen widerzuspiegeln? Und sie macht das so wunderbar zerbrechlich, irgendwie. Trotzdem: I worship at the altar of Meryl & Stanley.

– Das Essen. Der Sohn will heute Mittag „Sportlersuppe“ essen. Das ist die Tütensuppe, die er gestern im Vorratschrank entdeckt hat. Tütensuppe. Wenn ich Zeit und Energie hätte, ich würde ja alles dauernd frisch zubereiten – aber wir sind gerade mal wieder in der schwierigen Phase, in der er am liebsten mittels Würstchen und Kartoffelpüree überleben möchte. Das macht Kochen derzeit wiederum frustrierend, und die Zubereitung von Nahrung ist für mich doch mit das wichtigste Antidepressivum … aber je nun. Ich koch halt weiter, und wenn’s ihm nicht passt (nicht mal die selbstgemachte Hühnernudelsuppe gestern Abend wurde gebilligt, und die ist sonst ein sicherer Wert!), dann isst er halt Brot. Pech. Stimmt, ich wollte ja noch einen No-Knead-Brotteig ansetzen. Kann man das Zeug eigentlich auch ohne Topf backen? Ha, gerade versucht Julie im Film, ein Ei zu pochieren. Hab ich neulich auch probiert. Lief … nun ja, es lief. Und solange das nicht klappt und ich mich kulinarisch nicht so austoben kann, wie ich es möchte, guck ich halt Filme über Essen. Oh, und bei Julie ist das pochierte Ei auch gerade schiefgelaufen. Nun denn.

Irgendwann kann ich Eier pochieren, irgendwann isst der Sohn auch Gemüse, und irgendwann schnapp ich mir den Mann und gehe nach Paris. Die Sole Meunière probiert aber dann bitte er. Ich nehm Boeuf Bourguignon. Und bis dahin schließe ich mich Nora Ephron an:

I believe in butter.

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