Rethorisch elegant argumentiert

Der Sohn ist gerade krank. Husten, Fieber, Erkältung, es geht wohl rum derzeit. Deswegen schlagen wir die Tage im Wohnzimmer tot, mit Malen, Basteln, Lego und ja, auch mit TV gucken. Ich würde eigentlich sehr gerne olympische Dauerberieselung betreiben. Bastian hingegen interessiert sich wenn, dann nur für tatsächliche Wettkämpfe, Hintergrundberichte und Interviews sind ihm herzlich egal.

Seine erste Begegnung mit olympischem Wintersport im Fernsehen hatte er beim Slopestyle der Skifahrerinnen. Oder, wie er es nannte: „Skispringen von Schanze zu Schanze zu Schanze“, bzw. kurze Zeit später: „Stöckchenspringen“. Absolut logisch, er kennt Skispringen schließlich live vom Sommer- und Winterweltcup hier in der Gegend. Da interessiert er sich zwar auch mehr für das Drumherum – im Sommer gab’s ein Planschbecken! Und im Winter konnte man im Schnee rumrutschen! Und Schneeklumpen sammeln! Aber grundsätzlich ist er bei solchen Sportevents gerne mit dabei. Hauptsache, es gibt Wurst, und machen wir uns nichts vor: Wenn sich in Deutschland irgendwo das Volk trifft, dann gibt’s Wurst.

Kurz: Skispringen kennt er. Skispringen liebt er. Skispringen praktiziert er zuhause von meinem Hometrainer aufs Sofa. Ich sehe mich manchmal mit Grausen schon als zukünftige Skispringermama, die Kilometer fressen muss, damit das Kind zum Training in Hinterzarten oder Titisee-Neustadt kommt. Schauder. Aber erst mal reicht es mir, wenn er zum zigsten Mal erzählt, dass der Thomas Morgenstern damals in Titisee-Neustadt gestürzt ist, dass es ihm aber wieder gut geht. Und wenn er in zähen Verhandlungen mit Papa so wie gestern den Deal eingeht, dass er noch zwei, nein DREI Skispringer gucken darf, bevor er ins Bett muss.

Apropos Verhandlungen – um jetzt mal zum Titel des Eintrags zu kommen: Ich hab gerade verloren. Denn ich hab den bösen Fehler gemacht, während der Werbeunterbrechung der Olympiaübertragung im ZDF umzuschalten. Auf den KiKa. Und da kam gerade …

„Da kommt Kikaninchen! Pech gehabt, Mama!“
„Bitte was?“
„Du willst Sport gucken, aber da kommt Kikaninchen! Tja, Pech!“

Mittels meiner eigenen Standardabsage geschlagen.

Mit vier.

Ich befürchte wirklich, dass ich keine Chance habe, wenn er denn wirklich mal Skispringer werden will.

(Aber immerhin, auf den Mann wartet derzeit ein noch grausameres Schicksal: „Ich will einen Papa, der Eishockeyspieler ist!!!“)

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.