Pro Amateurbasteln

Ich hab vorhin an die 50 Pizzaschnecken, 24 Cake Pops und einen gestern spätabends improvisierten Drachen im Kindergarten abgeliefert. Was soll ich sagen, der Sohn wollte vor so drei Wochen noch als Wikinger gehen. Vor so drei Tagen wollte er als Minion gehen. Beides kein Problem: Dank unseres letztjährigen Besuchs beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum waren Schwert, Schwertgürtel, Schild und ein noch nicht ganz fertiggestelltes Mittelalterhemd vorhanden, den Helm hatte er sich vor kurzem ergattert. Und Minion? Eh, Latzhose, gelbes Oberteil und dann entweder die Minions-Mütze auf oder halt noch schnell eine Minions-Brille basteln und den Bauhelm auf den Kopf.

Gestern mittags dann so: „Ich will ein Dinosaurier sein!“

Ja, manchmal denke ich auch, er ist Calvin.

Nun denn, ich hätte natürlich sagen können: Nüscht. Du hast schon zwei mögliche Kostüme. Aber dann reckte wieder die Mom-Olympionikin in mir den Arm hoch und brüllte: „ICH! ICH! HIER!!!“ Und so hab ich halt gestern Abend nach der Fasnachtsbuffet-Massenproduktion noch aus einer alten Jacke, einem halben Hosenbein und diversen Filzschnipseln ein Dinosaurierkostüm geschnurpft – Bild wird vielleicht noch nachgereicht. Falls das Teil die Fasnachtsfeier ausgehalten hat. Was sich auf jeden Fall zu dem Kostüm sagen lässt: Schön ist anders, professionell ist anders, und im Kindergarten trugen letztendlich geschätzte 90 Prozent der Kinder gekaufte Kostüme, neben denen Bastians Outfit natürlich mehr so … tja, eben wie das improvisierte Last-Minute-Teil aussah, das es ist.

Und Bastian war es sowas von schnuppe. Und den anderen Kindern war es sowas von schnuppe, sie quiekten „Ein Drache!“ und damit war das Thema erledigt. Und mir? Mir war es auch piepegal, denn hey: Kinder haben andere Augen als wir. Bastian hätte sich vermutlich auch einen Kochtopf auf den Kopf setzen und erklären können, dass er ein Dinosaurier oder eben ein Drache ist, und das Thema wäre erledigt gewesen. Er sagt, er ist ein Drache, also ist er einer. Punkt.

Womit ich zum flammenden Appell dieses Eintrags komme: Leute. Pinterest. Kennt ihr, ja? Ich bin da sehr selten unterwegs, merke mir ein paar Sachen, bastle sie nie nach, und wenn ich es täte, wären sie vermutlich eher ein Fall für Pinterest Fail.

Und trotzdem mache ich Sachen. Ich koche, ich nähe, ich stricke, ich häkle, ich zeichne, ich male, ich bastle. Manchmal mit dem Sohn zusammen, manchmal ohne. Gerade hat er das Kochen für sich entdeckt und will dauernd helfen. Was dazu führt, dass ständig irgendwelche Gerätschaften in der Spülmaschine landen, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie besitze. Vorgestern war er eine Runde alleine in der Küche und hat „so einen hübschen Kuchen“ gebacken:

kuchen

Der Kuchen bestand vorwiegend aus Roggenmehl und diversen Kuchendekozuckerkügelchen. Wofür genau er dabei die weiteren Instrumente auf der Bank benötigt hat – keine Ahnung. Es hat auf jeden Fall ordentlich gestaubt.

Nun mag man entsetzt sein, dass ich einen Vierjährigen alleine in der Küche rumhantieren lasse, aber: Mei, dann macht er halt mal eine Sauerei (hat eh der Mann aufgewischt, ähem …). Wenn er mir beim Kochen und Backen hilft, dann bedeutet das auch, dass ich einiges mehr an zeitlichem und materiellem Aufwand habe, und manchmal geraten wir auch aneinander. Gestern begab er sich schreiend ins Wohnzimmer, weil ich weder den Schaumlöffel, den Absinthlöffel, den Kartoffelstampfer noch weitere Utensilien verwenden wollte, um Backofenpommes und selbstgemachte Chicken Nuggets herzustellen. Je nun. Passiert. Aber: Er ist involviert. Weil er weiß, dass Mama gerne kocht. Find ich super. Find ich auch extrem anstrengend. Trotzdem super.

Dito übrigens beim Basteln und Malen: Wenn Bastian was zeichnet, klebt oder pinselt, dann sieht das halt aus wie etwas, das ein Vierjähriger hergestellt hat, der für sein Alter noch gewisse Mankos in dem Bereich hat. Und ich schreie auch nicht immer verzückt auf, wenn er mir ein Machwerk zeigt. Neulich hab ich ihm sogar gesagt, dass das Geschenk, das er für den Onkel gebastelt hatte (zwei Schnipsel Moosgummi, aneinander gepappt, ein Zwei-Sekunden-Projekt), so nicht ausreiche. Gib dir Mühe, verbring etwas Zeit damit, etwas herstellen, so lieblos hingerotzt zählt nicht. Er hat daraufhin mit Begeisterung eine Oranginaflasche zur Vase umgepinselt. Geht doch.

Okay, auf die „Höhlenmalerei“ in seinem Zimmer hätte ich verzichten können, aber hey, es ist ja nur die Wand unter dem Hochbett, die jetzt ziemlich zugekritzelt ist. Sein Zimmer, sein Design.

Worauf ich hinaus will: Es muss nicht immer alles schön sein. Es muss nicht immer alles Pinterest-würdig sein. Es zählt der kreative Aspekt, der Spaß beim Herstellen, die Fantasie dahinter. Schaffen für das Kind, noch besser: Schaffen mit dem Kind. Nicht für Pinterest, Blog oder ähnliche Außenwirkungs-Selbstbestätigungs-Maßnahmen. Bastian findet es supi, wenn ich aus einer leeren PET-Flasche, einer Küchenpapierrollenpappröhre und jeder Menge Paketklebeband mal eben einen Schrumpfstrahler à la „Ich unverbesserlich“ herzaubere. Oder einen komplett schiefen Feuerlöscher aus Fotokarton und einem Schaumgummischlauch. Das sind dann eben ein Schrumpfstrahler und ein Feuerlöscher. Für so etwas hat er ja seine Fantasie, nicht wahr?

Und ja, das hier ist vor allem auch ein flammender Appell an mich selbst. Weil ich dann doch gerne mal dem Ehrgeiz verfalle, nur zufrieden zu sein, wenn etwas „blogwürdig“ aussieht. Dabei funktioniert’s doch auch so. Und es schmeckt doch auch so. Schließlich muss nicht immer alles so perfekt sein wie Bibigirl, die vollkommene Puppe in „Momo“. Im Gegenteil: Unfertiges lässt die Fantasie fliegen und bringt die Kreativität in Wallung.

Für mehr Mut zum Crapfting, wie ich es nenne. Pro Amateurbasteln.

(Buchtipp in diesem Zusammenhang: „Mini Material Meisterwerke“ von Béa Beste. Wir haben zwar noch nicht viel ausprobiert, aber eine super Inspirationsquelle ist das Werk auf jeden Fall!)

Und nächste Woche bauen wir ein U-Boot.

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