Völlig logisch

Neulich, als Bastian und ich aus Bern mit dem ICE unterwegs nach Freiburg waren. Rush Hour, gerammelt voll, erst saßen wir bei der Tür auf dem Boden, dann auf Plätzen, die ab Basel reserviert waren, und schließlich konnte ich uns zwei Sitze nebeneinander ergattern, die bis Karlsruhe frei bleiben sollten. Bastian, noch völlig aufgedreht von der Fasnachtsatmosphäre in Bern, ist natürlich eminent quasselig. Der Rest der Bahnfahrer – nicht so. Aber ganz ehrlich: Runterdrehen kann ich das Volumen beim Kind halbwegs, den Mund verbieten werd ich ihm nicht, höchstens im Ruhewagen, und hey – darauf guck ich schon beim Einsteigen.

Also plaudert der Sohnemann so vor sich hin, mampft sein Sandwich, zeigt sich begeistert von dem Veilchen, das er im Rahmen einer Werbeaktion im Berner Hauptbahnhof geschenkt gekriegt hat, und guckt allgemein aufgeweckt um sich. Plötzlich:

„Wenn man kein Kind hat, darf man ohne Werbung fahren!“
„Bitte?“
„Wenn man kein Kind hat, darf man ohne Werbung fahren! Guck mal!“

Ich sehe mich um und verstehe beim besten Willen nicht, was er meint.

„Welche Werbung denn?“

Er zeigt auf meinen Sitz. „Die da! Hinter dir!“

Da ist doch aber keine Werbung, denke ich mir, und teile ihm das mit.

„Doch, da! Mach mal die Hand hoch!“

Ich recke hinter meinen Kopf, und tatsächlich, da ist irgendein Zettel … ich ziehe ihn hinter dem Kopfpolster hervor.

Es war der ICE-Reiseplan, der bei allen anderen Sitzen bereits fehlte. Und dort saßen überall? Richtig, Erwachsene.

Ich bin offensichtlich nur der Watson für meinen Sherlock.

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