Kuttner, Mütter, Twitter

Mir ist es herzlichst egal, ob Sarah Kuttner Kinder mag oder nicht. Mir ist es herzlichst egal, ob irgendjemand Kinder im Allgemeinen oder meins im Spezifischen doof findet – im Spezifischen liegt die Person halt einfach falsch, ne.
Mir ist da etwas anderes viel wichtiger: Nämlich die Tatsache, dass jede einzelne Frau das Recht hat, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden und das auch offen zuzugeben. Denn so sehr wir Mütter stets im Gefühl handeln, irgendwie alles falsch zu machen, so gibt es doch eine Untergruppe unter den Frauen, die augenscheinlich noch viel übler ist: Die freiwillig Kinderlosen.

Stellt sich eine Frau hin und sagt: „Ich will keine Kinder“, dann folgt doch gleich das Nachhaken: „Aber warum denn nicht?“. Stellt sich eine Frau hin und sagt: „Ich will Kinder“, dann ist es das Natürlichste der Welt und hurra, supisupiheititei. Wenn eine Frau keine Kinder will, wird gleich vermutet, dass sie vor allem eins will: Karriere machen. Dass man einfach durch reifliches Überlegen und Abwägen zur Überzeugung gelangen kann, nein, Kinder sind nichts für mich, ohne dass dabei ein weiteres Motiv mit hineinspielt – das geht ja wohl nicht. Mal abgesehen davon, dass sie es sich ja irgendwann sowieso noch mal anders überlegen wird, gell? Gell?! (Argh.)

Aber es geht ja vorrangig nicht darum, dass Sarah Kuttner keine Kinder will, sondern darum, dass sie gesagt hat, dass sie Kinder „irgendwie doof“ findet. Nun ja. Ich find Kinder auch manchmal irgendwie doof. Und ich hab selber eins. Darf ich das sagen, weil ich Mutter bin? Oder darf ich das auch nicht aussprechen? Ich verstehe, dass es den Leuten, die jetzt wütend sind, darum geht, dass es sich bei der Aussage um eine Art Diskriminierung handelt. Empfinde ich jetzt nicht so, muss ich aber ja auch nicht, ist deren gutes Recht. Ich will auch niemandem sagen, worüber ersiees sich aufzuregen hat und worüber nicht. Mir geht es frei nach dem Motto „Mein Blog, mein Möbelhaus, meine Kamera“ lediglich darum zu erklären, warum mir das jetzt nicht so extrem sauer aufstößt.

Ich weiß lieber, woran ich bin. Bei einer Person, die Kinder doof findet und das offen sagt, weiß ich das. Bei jemandem, der gequält lächelt und zehntausend Mal lieber woanders wäre als in der Nähe meines Kindes beziehungsweise über Millionen andere Dinge lieber reden würde, da kann ich es nur erahnen. Und das ist für alle Beteiligten unangenehm. Wesentlich unangenehmer als die Situation, in der mir jemand seine Position klarmacht und ich frei entscheiden kann, ob ich mit der Person trotzdem noch etwas zu tun haben möchte.

Was ich einfach als schade empfinde, ist die Tatsache, wie hier vom Image auf die Person geschlossen wird – Kuttner als „ewiges Girlie“, die folglich keine Ahnung vom echten Leben haben kann. Und wenn jetzt Jan Böhmermann die Aussage getätigt hätte? Joko? Klaas? Thomas Gottschalk? Markus Lanz? Oder Charlotte Roche? Helene Fischer? Angela Merkel? Ich mein ja nur. Hinter jedem Image vermutet man augenblicklich irgendwelche Beweggründe, die ins Bild passen. Geht mir ja auch so.

Das ist jetzt alles ziemlich wirr, ich weiß. Aber ich kann einfach nicht so richtig in Worte fassen, was mich an der Irritation irritiert. Muss ich ja auch vielleicht gar nicht, ich muss nicht immer alles erklären und überall vermitteln. Ich muss jetzt erst mal gucken, wer hier gerade so einen Mordskrach im Hintergrund verursacht, ob es nun das Kind oder der Hund ist. Hunde sind ja auch irgendwie doof.

(P.S.: Spart euch aber bitte das Nullargument mit der GEZ, und dass ihr für sowas kein Geld abgeben wollt. Ein Wort: Karnevalssendungen.)

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