ESC-Woche: Teilnehmer Halbfinale 2

So, heute bin ich etwas spät dran, aber der Sohn war den ganzen Tag zuhause, und … nun ja. Ihr versteht.

Was bleibt vom ersten Halbfinale? Die knuffigen Kuchenbäcker aus Lettland/Bochum haben es leider nicht ins Finale geschafft, die Russinnen schon, sehr zum Missfallen des Publikums vor Ort. Die Bühnenshow der Ukraine entlockte mir ein „Es tobt der Hamster in meinem Fernseher“, ansonsten fehlten leider die absolut abstrusen Momente. ESC: Needs more WTF. Aber die Niederlande sind mit dabei. Schön.

Nun denn, was bietet uns das zweite Halbfinale? Auf den ersten Blick: Bessere Songs. Aber schauen wir doch mal genauer hin …

1. Malta: Firelight – Coming Home

Es ist so: Bei „Coming Home“ denke ich entweder an Falco (kennt ihr) oder Favez (müsst ihr nicht kennen). Und das hier ist weder Falco noch Favez. Das ist … ganz nett im Rainald Grebschen Sinne von „angenehm“. Nur der brummelige Backgroundgesang, der irritiert etwas. Jo. Kann man machen. Muss man aber nicht.

2. Israel: Mei Finegold – Same Heart

Woah. Die Frau. Die Stimme. Das Outfit. Ich hoffe mal, zum Semifinale stecken sie Mei nicht in etwas Langweiliges. Etwas schade, dass die Musik dann so eurodancepoppig wird. Umso besser, dass sie die zweite Strophe dann auf Hebräisch singt, die Sprache klingt einfach wunderschön, und ich hab ja eh eine Schwäche für nicht komplett englisch gesungene ESC-Beiträge. Das würde ich wirklich sehr, sehr gerne im Finale sehen. Dafür stimme ich eventuell sogar ab, und das will was heißen.

3. Norwegen: Carl Espen – Silent Storm

Es ist so: Es gibt Dinge, die sollte ich eigentlich mögen, wenn’s nach meinen sonstigen Vorlieben ginge. Schlimmstes Beispiel: Revolverheld. Nett anzusehender Sänger, Dödelrock, eine gewisse Nickelbackigkeit (was soll ich sagen, der Drummer von Nickelback war im Interview mit mir sehr sympathisch. Oder war’s doch der Bassist, egal, manchmal hab ich ne Schwäche für tumbe Musik). Aber ich find Revolverheld förch-ter-löch. Ganzganzschlimm. Dieses Lied hier? Find ich weder förchterlöch noch ganzganzschlimm, aber es ruft überhaupt rein gar nix in mir hervor. Und das obwohl Ballade und Norweger und Bart und Tattoos. Ich weiß, Mitfavorit, kommt eh ins Finale, aber ich so: Meh.

4. Georgien: The Shin & Mariko – Three Minutes To Earth

Das ist bestimmt musikalisch total anspruchsvoll und wenn man vom Fach wäre, fände man das ganz toll. So irritiert mich das Gejodle ebenso wie Stevie Nicks in der Rolle von Shakira. Neenee, das ist schon originell und spannend und überraschend und … needs less WTF.

5. Polen: Donatan & Cleo – We Are Slavic

Das erinnert meine absolut, nennen wir es mal „nicht balkanmusikalisch ausgebildeten“ Ohren natürlich gleich mal an Miss Platnum. Was eine gute Sache ist, Miss Platnum mag ich sehr. Über die sexistischen Aspekte des Videos müssen wir nicht reden, ich rede mir jetzt einfach ein, dass das total ironisch gemeint ist. Immerhin wird eine eher dicke Frau auch als sexuell begehrenswert dargestellt, das empfinde ich natürlich persönlich auch wieder als irgendwie sehr positiv. Die Aufgabe des generischen Pitbull-Doubles erschließt sich mir aber noch nicht so ganz. Dafür bin ich umso gespannter auf die Bühnenshow …

6. Österreich: Conchita Wurst – Rise Like A Phoenix

CONCHITA!!! Sie ist so wunderwunderschön. Und so talentiert. Und überhaupt generell grandios. Und dann noch dieser James-Bond-Song. Muss ins Finale. Bittebitte. Und wenn ich ganz alleine dafür sorgen muss und beim Anblick meiner nächsten Handyrechnung phönixgleich in Flammen aufgehen werde. Und. Und. Und. Und ich bin jetzt gerade beim Angucken von Conchita-Makeup-Tutorials völlig vom ESC-Weg abgekommen. Sorry, ich krieg die Kurve gleich wieder.

7. Litauen: Vilija Mataciunaite – Attention

Seht ihr? Diese Art von WTF meine ich. Das Lied per se ist nicht mal schlecht, aber die Bühnenshow ist so übertrieben und albern, und dazu das Tutu (um das ich sie sehr beneide) – für solche Auftritte liebe ich den ESC. Allerdings gehe ich davon aus, dass das Baltikum trotzdem nicht im Finale vertreten sein wird, sorry.

8. Finnland: Softengine – Something Better

Sunrise Avenue standen nicht zur Verfügung, also schicken die Finnen die Ähnlichkeitswettbewerbsgewinner. Hat was von den Killers, aber es ist halt schon sehr, sehr generisch. Und wenn ich als Snow-Patrol-Fan das schon finde … trotzdem, seh ich schon auch im Finale, alleine deswegen, weil der hymnische Stadionrock dieses Jahr ziemlich untervertreten ist. Und es könnte für die Jungs (ja, Jungs: Sie sind zwischen 17-19 Jahre alt!) ein Durchbruch sein im Rest von Europa.

9. Irland: Can-Linn feat. Kasey Smith – Heartbeat

Hm, wird das irgendwann noch interessant? Ich warte mal den Refrain ab.

… Nö, wird es nicht.

10. Weißrussland: Teo – Cheesecake

Die Musik klingt mir zu Rogerciceroesk, zumindest am Anfang. Aber hey, „Dirty Dancing“-Anspielung FTW! Und die Textzeile, dass er mittels Google Maps abhauen will, ist ja auch ganz witzig. Nur ist das alles irgendwie zu gewollt „amüsant“. Außerdem hab ich jetzt Lust auf Cheesecake und keins im Haus. Und das macht mich sauer. Der Fachbegriff dafür ist übrigens „hangry“ (hungry & angry). Und an irgendwem muss ich mein Mütchen kühlen, deswegen: Belarus – zero points. Hmpf.

11. Mazedonien: Tijana Dapcevic – To The Sky

Bwahahaha, ich mach beim Tanzen auch immer so einen blöden Schmollmund wie sie. Und die Schuhe sind großes Kino. Ist das ein Undercut? Eine tolle Stimme hat sie. Kurz: Die Frau mag ich. Der Song? Na ja, Standard-Guetta mit etwas Avicii-Gestampfe. Seh ich nicht im Finale. Sieht Europa vielleicht etwas anders. Aber dann weiß ich wenigstens schon mal: Bei Irland und Mazedonien kann ich aufs Klo. Ist doch auch praktisch.

12. Schweiz: Sebalter – Hunter Of Stars

Die pfeifen. ICH HASSE PFEIFEN. Ach, Schweiz. Immer irgendwas komplett Harmloses an den ESC schicken, das niemanden stört und niemandem im Ohr bleibt, und dann total empört sein, dass man nicht weitergekommen ist, und überhaupt, warum machen wir da noch mit, uns mag ja keiner, mimimi. Sorry, kein Mitleid. Ihr habt mal Rolf Zuckowski dirigieren lassen, Mensch! Apropos, es wird mal wieder Zeit für ein Peter, Sue & Marc-Revival. (Und wenn ihr mal wirklich großartigen Kitsch hören wollt: Das hier ist mein Favorit von ihnen. Ach, lacht doch.)

13. Griechenland: Freaky Fortune feat. Risky Kidd – Rise Up

Uuuuh, das ist gar nichts für mich. Der Ethno-Techno-Mix ist nicht wirklich originell, klar, die „Rise Up“-Message ist verständlich, aber die Verpackung. Nee nee. Ich mag mir das nicht mal zu Ende anhören, tut mir leid. Aber ich geb’s zu, ich bin gespannt, wie weit das kommt.

14. Slovenien: Tinkara Kovac – Round And Round

Trallala flöt flöt … und da ist er, der Discobeat. Och Leute, das hatten wir doch schon diverse Male. Aber immerhin, der hier ist etwas origineller arrangiert. Allerdings ist der Refrain irgendwie schwach. Und urghs, Geflöte. Nix gegen Querflöte, aber in Pop und Rock mag ich sie nicht. Positiv hingegen auch hier das Spiel mit Englisch und Landessprache. Und hoffentlich bringt sie die Tänzer mit, denen würde ich gerne zugucken.

15. Rumänien: Paula Seling & Ovi – Miracle

Bla, schon wieder so generischer Guetta-Sound, ein bisschen „Euphoria“ im Mix, wird vermutlich trotzdem einiges an Punkten kriegen oder gerade deswegen. Aber ehrlich: Wie viele Lieder dieses Jahr fangen langsam an und gehen dann so weiter? Zu viele. Es ist ermüdend. Bah. Gebt mir Conchita und Israel. Aber vor allem Conchita. Ansonsten könnt ihr ins Finale schicken, wen ihr wollt.

Ich lass mir jetzt noch ein bisschen Gänsehaut verpassen.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.